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Freitag, 1. April 2011

Tradition und Moderne. Die Katastrophe in Japan

Tradition und Moderne


Die Katastrophe in Japan



Schlange vor einem Supermarkt in Sendai

High Tech und Zen, Tempel und Mangas: Für Deutsche steckt Japan voller Widersprüche. Was bewegt Japaner – und macht sie auch in Krisen gelassen?

Der 11. März hat die Welt verändert – und zwar ganz real: Als um 14.46 Uhr Ortszeit in Japan die Erde zu beben begann, wurde die 230 500 Quadratkilometer große Hauptinsel Honshu durch die Gewalt der Stöße um 2,4 Meter verschoben. Die Erschütterungen waren sogar in einer seismografischen Messstation auf der Zugspitze noch deutlich zu registrieren, Geologen rechnen das Erdbeben zu den „fünf größten Ereignissen seit Menschengedenken“.

Dann kam der Tsunami. Eine Flutwelle von mehr als 20 Meter Höhe überschwemmte die Küsten, zerstörte alles, was sich ihrer Wucht in den Weg stellte, und riss Tausende von Menschen in den Tod. Die offizielle Statistik gibt das Leid nur oberflächlich wieder. Sie zählt rund 10 000 Todesopfer, von den 15 000 Vermissten dürfte kaum jemand je gefunden werden. Mehr als 23 000 Gebäude wurden zerstört, fast 2000 Straßen und 53 Brücken sind beschädigt, und eine Viertelmillion Menschen musste Zuflucht in Notunterkünften suchen.

Am folgenreichsten waren die Schäden am Kernkraftwerk Fukushima im Norden Japans. Die Kühlsysteme der Reaktoren fielen aus, radioaktive Strahlung wurde freigesetzt, es drohten Kernschmelze und Super-GAU. Ein Gebiet im Umkreis von 20 Kilometern rund um die Meiler musste evakuiert werden und bleibt auf absehbare Zeit unbewohnbar, Hunderttausende verloren Heimat und Habe. Der 200 Kilometer südlich von Fukushima gelegenen Hauptstadt Tokio – einer Region mit rund 35 Millionen Einwohnern – droht die radioaktive Verseuchung.

Und die Bevölkerung? Angesichts des Ausmaßes der Katastrophe reagiert sie mit für europäische Begriffe außergewöhnlicher Disziplin. Im 10 000 Kilometer entfernten Deutschland kommt es zu Menschenketten und Demonstrationen, doch noch nicht einmal vor der Firmenzentrale vonTepco

dem Betreiber des Unglücksreaktors, formiert sich Protest. Während sich hierzulande Bürger ohne reale Bedrohung sorgen, ob sie noch Sushi essen können, und Jodtabletten bunkern, ist vor Ort von Hysterie und Panik nichts zu spüren. In Supermärkten und an Tankstellen kommt es zu Hamsterkäufen, aber Plünderungen oder Übergriffe? Fehlanzeige.

Woher diese Ruhe? Warum beispielsweise kein Massenexodus, trotz der bisher rund 260 Nachbeben der Stärke sechs und mehr? Zunächst aus ganz praktischen Gründen: „Wohin sollten die Menschen denn gehen?“, fragt Helmut Becker, der seit Langem als Professor für Wirtschaftspolitik an der renommierten Sofia-Universität in Tokio lehrt. „In einem Radius von 80 Kilometern um Fukushima leben zwei Millionen Menschen, nimmt man die Region um Tokio hinzu, sogar 40 Millionen. Für die gäbe es gar kein Fluchtziel.“ Daher handele die Regierung – auch unter Mithilfe der Medien – nach der Devise „so weit wie möglich abwiegeln“. Und für viele kommt eine Flucht schon aus finanziellen Erwägungen nicht in Frage.


Reisbauern-Gesellschaft


So gelangt radioaktive Strahlung in den Körper


Schuld und Scham


Gleichwohl sehen Japan-Kenner wie Becker auch tiefere Gründe für die japanische Gelassenheit, die in der Mentalität und Tradition wurzeln. Mehr als alles andere bestimmt das Leben in der Gemeinschaft Verhalten und Normen des Landes – und das seit vielen Jahrhunderten. Nicht zuletzt die lange Erfahrung mit Naturkatastrophen lehrte die Bevölkerung vor allem eines: Nur mit einer gemeinschaftlichen Anstrengung sind die Folgen zu bewältigen. Prägend war darüber hinaus auch das Leben in einer Agrargesellschaft, in der das Grundnahrungsmittel Reis nur von der Gruppe angebaut werden konnte. In einem solchen System wird enge Zusammenarbeit zur Überlebensfrage. Helmut Becker spricht denn auch von einer „Reisbauern-Gesellschaft“, deren Mentalität bis heute fortwirkt.


Mit weit reichenden Auswirkungen auf die sozialen Mechanismen. Wer sich nicht den Regeln der Gemeinschaft unterordnete, musste im Japan des Mittelalters mit „Mura hashibu“, dem Ausschluss aus dem Dorf, rechnen. Vor diesem Hintergrund kennen Japaner die Scham, wo Europäer von Schuld sprechen. „Schuld ist etwas Individuelles, Scham hat mit der Gruppe zu tun“, erläutert Becker. „Wenn sich einer ein Fehlverhalten leistet, leiden sofort andere darunter.“ Konsequenz: „In Japan gibt es nichts Schlimmeres als die Schande.“ Die ist gleichbedeutend mit dem gefürchteten Gesichtsverlust, der unbedingt zu vermeiden ist. Das lernen Japaner schon im Kindesalter. Wo europäische Eltern ihrem Nachwuchs bei Fehlern mit Strafen drohen, genügt japanischen Vätern und Müttern der Hinweis: Man wird über dich lachen.

Mentalität und Masse

Das Inselreich ist eine Massengesellschaft, die ohne Einordnung nicht funktionieren kann. Heute leben dort rund 127 Millionen Menschen, die meisten in riesigen Ballungszentren – und die müssen miteinander auskommen, ob sie wollen oder nicht. Ohne Disziplin, Rücksichtnahme und Respekt? Undenkbar. Das prägt das Leben bis in den Alltag hinein. Stets gilt es, die Form zu wahren und Gefühle in der Öffentlichkeit nicht zu zeigen. Ein Kuss auf offener Straße wäre eine Zumutung für andere, allenfalls ganz junge Paare spazieren händchenhaltend durch die Städte. Auch wütendes Schimpfen käme einem Japaner kaum in den Sinn. Während Europäer mit wildem Gestikulieren und Kraftausdrücken auf einen knapp verpassten Zug reagieren, bleiben Japaner gelassen – und lächeln. Mit Emotionslosigkeit sei das nicht zu verwechseln, erklärt Franziska Ehmcke, Japanologie-Professorin an der Uni Köln. In solchen Situationen sei Lächeln zwar nur eine Grimasse, hinter der Japaner sehr wohl Ärger erkennen. Der werde aber nicht offen gezeigt, „weil man der Meinung ist, dass ein lächelndes Gesicht für das Gegenüber noch am besten zu ertragen ist“.

Schweigen statt reden

Die Maske ist allgegenwärtig – und doch nicht immer Ausdruck von echter Freundlichkeit. Ebenso gut kann das Lächeln Verlegenheit überspielen oder die Scham über eigene Unkenntnis. Es ist Bestandteil einer nonverbalen Kommunikation, die in Japan mindestens ebenso wichtig ist wie Worte. Schon die Verbeugung oder das Überreichen der Visitenkarte sind keine bloßen Usancen, sondern unverzichtbarer Bestandteil der Verständigung. Für westliche Ohren mag es paradox klingen, aber auch Schweigen gehört zum Gespräch. Selbst in Verhandlungen über Millionendeals kann es vorkommen, dass das japanische Gegenüber die Augen schließt – und lange Zeit nichts sagt. Daraus auf Desinteresse oder Ablehnung zu schließen, wäre ein grober Fehler, denn hinter der scheinbaren Abwesenheit verbirgt sich oft konzentrierte Aufmerksamkeit.

Im Geschäftsleben kommt es häufig schon deshalb zu Missverständnissen, weil Europäer zu wenig Zeit mitbringen. Wo Deutsche oder Amerikaner ohne Umwege aufs Ziel zusteuern und möglichst schnell eine Entscheidung erzielen wollen, umschreiben ihre Gesprächspartner oder formulieren mehrdeutig, Absichten direkt zu äußern ist als unelegant verpönt. Die unverblümte Art der Europäer ist Japanern fremd, sie deuten lieber an, tasten sich vor, und was wirklich gemeint ist, kann stark vom Gesagten abweichen. Und immer gilt: Wer laut wird, hat verloren.

Überdies ist die Sprache weitaus subtiler und komplexer als die westlicher Gesellschaften. Es kommt darauf an, zwischen den Zeilen zu lesen, auf Andeutungen, Zwischentöne und den Kontext zu achten. Allein für den Begriff „ich“ kennt das Japanische mehr als 20 Ausdrücke, die je nach konkreter Situation benutzt werden. Zwar gibt es das Wort „nein“, in der Praxis wird es freilich so gut wie nie benutzt. Um so häufiger hört der Gesprächspartner ein „Hai“, also ein „Ja“ – gemeint ist damit aber oft nur „Ich habe Ihnen zugehört“. Wie etwas gesagt wird, hängt stark von der sozialen Stellung ab. Ist der Gesprächspartner ein Mann oder eine Frau? Ein Vorgesetzter oder ein Untergebener? Ist er älter oder jünger?


„Mach uns Ehre“


Eine Frau steht in einer überfluteten Straße neben ihrem Haus

Respekt

So spiegelt die Sprache auch die große Bedeutung von Hierarchien, die sich in der jahrhundertelangen Isolation Japans verfestigt hatten. Eine ständische Gesellschaft mit mächtigen Fürsten und Landesherren und dem Schwertadel der Samurai hatte sich etabliert, Bauern rangierten vor Handwerkern, Kaufleute waren zwar wohlhabend, aber nicht geachtet. Über allem stand der Kaiser, der Tenno. Er übte nicht immer die politische Macht aus, galt aber im Shintoismus lange als oberster Priester mit Gottstatus.

Mit der Öffnung des Landes, die Mitte des 19. Jahrhunderts einsetzte, löste sich die starre Ordnung auf – geblieben ist der Respekt. In der Familie nennen Kinder ihre Eltern immer noch „geehrte Mutter“ und „geehrter Vater“, Schüler treten morgens vor der Fahne an oder grüßen den Lehrer mit „Meister“. „Mach uns Ehre“ lautet eine gängige Forderung der Eltern an ihre Kinder, und die akzeptieren diesen Anspruch. Im Unternehmen blicken junge Mitarbeiter zu älteren auf, eine abweichende Meinung wird nicht geäußert – jedenfalls nicht offen. Vorgesetzte behandeln Berufsanfänger noch heute oft nach dem Prinzip von „Kohai“ und „Sensai“: Der Lehrer nimmt den Schüler unter seine Fittiche, gibt wohlwollend-streng Hilfe und begleitet seinen Weg.

Götter und Glaube

Und wie halten es Japaner mit der Religion? Sind die traditionellen Glaubensrichtungen Buddhismus und Shintoismus noch prägende Kräfte? Laut offizieller Statistik gehören rund 80 Prozent der Menschen beiden Konfessionen an – und bedienen sich auch ganz unbefangen bei beiden. Es ist kein Widerspruch, eine Hochzeit nach Shinto-Ritus auszurichten und ein Begräbnis nach buddhistischem Ritual. Ob Urlauber auf der Reise in einem Schrein ein Opfer darbringen oder Bauern um eine gute Ernte bitten: Im Vordergrund steht, sich mit den Göttern gut zu stellen. „Es geht nicht um tiefe Religiosität, sondern um Bewältigung des Diesseits“, meint Helmut Becker.

Dennoch ist der Einfluss von Religion auf das Verhalten in Naturkatastrophen nicht zu unterschätzen. Gerade der Shintoismus kennt zahlreiche Naturgottheiten, und die sind nie nur gut oder nur böse. So bringt der Gott des Windes einerseits zerstörerische Taifune, andererseits den wichtigen Regen. Auch der Buddhismus lehrt, im Angesicht von Not und Leid die Haltung zu bewahren, und führt zu Demut gegenüber der Natur und ihren Ereignissen. Und so stellt sich auch niemand die Frage, ob Beben oder Überschwemmung eine Strafe der Götter seien.

Wichtiger als Philosophien, Zen und Weltentrückung bleibt für die Mehrzahl der Japaner stets pragmatisches Verhalten. „Shou ga nai“ – du kannst es nicht ändern, also mach das Beste draus – ist fast schon ein Leitspruch für die Bewältigung des täglichen Lebens. An die Stelle von Prinzipien, auf denen in westlichen Gesellschaften gern herumgeritten wird, tritt Pragmatismus – „dem sogar die Moral untergeordnet wird, wenn es denn nötig ist“, erklärt Helmut Becker.

Aufstieg zur Spitze

Das Ende des Zweiten Weltkriegs bedeutete für Japan eine tief greifende Zäsur. Als die Katastrophe von Hiroshima und Nagasaki – in einer gewaltigen Anstrengung der Gemeinschaft – bewältigt war, begann ein Aufstieg zur wirtschaftlichen Großmacht. Heute ist das Land eine der führenden Industrienationen der Erde, seine Produktionsmethoden wurden Vorbild sogar in den USA oder in Deutschland, Autos, Computer oder Elektronik made in Japan dominieren die Märkte.

Welt im Wandel

Der Wandel machte vor altehrwürdigen Institutionen nicht halt. Kaiser Hirohito verzichtete auf seinen Status als Gott, die Tradition der Samurai – sofern sie in der jüngeren Vergangenheit überhaupt noch lebte – hat sich verflüchtigt und spielt allenfalls noch in westlichen Vorstellungen eine Rolle. So sind auch die „Helden von Fukushima“, die sich angeblich freiwillig für die Gemeinschaft opfern, eher ein Propagandaklischee als Realität.

Freilich gingen auch die Krisen der Weltwirtschaft an Japan nicht spurlos vorüber. Selbst Großkonzerne, die ihren Mitarbeitern eine Vollversorgung von der Wiege bis zur Bahre garantierten, können solche Leistungen immer seltener erbringen. Längst nicht alle Arbeitnehmer fühlen sich noch lebenslang an ihr Unternehmen gebunden. Die Überalterung der Gesellschaft fordert ihren Tribut, eine Gesellschaft, in der Vater und Mutter in hohem Ansehen stehen, muss sich plötzlich mit Altersarmut auseinandersetzen. Auch die Alltagskultur verändert sich: Westliche Musik und Mode halten Einzug, Sitten lockern sich. Umgekehrt werden Manga und Karaoke zum Exportschlager in Europa und Amerika.






Doch trotz aller Vermischung zwischen West und Ost bestimmen nach wie vor Disziplin und pragmatische Pflichterfüllung den Alltag, immer noch fehlt – so Helmut Becker – jeder Sinn für Larmoyanz. Und das lässt die Japaner wohl gerade in Krisenzeiten noch enger zusammenrücken.

Dienstag, 22. März 2011

Darf ich jetzt noch Sushi essen?

Darf ich jetzt noch Sushi essen?

Fischhändler in Tokio: Achtung bei der Endziffer 61
Soja-Soße, Grüntee, Sushi: Deutsche Verbraucher lieben japanisches Essen. Doch nach dem Atomunglück von Fukushima ist die Verunsicherung groß. Wovor muss man wirklich Angst haben - und was ist unbedenklich?

Hamburg - So schnell kann es gehen: Noch vor wenigen Wochen wähnte sich die deutsche Fischindustrie auf der Gewinnerseite. Damals machte der Dioxin-Skandal den Verbrauchern Angst vor Eiern und Fleisch. "Da haben plötzlich alle Fisch gegessen", sagt Matthias Keller vom Bundesverband der deutschen Fischindustrie und des Fischgroßhandels.

Nun aber sind es nicht mehr Fleischproduzenten oder Hühnerbauern, die skeptische Fragen gestellt bekommen - sondern Fischhändler. Schließlich liegt das japanische Unglückskraftwerk Fukushima direkt am Meer. Der Bundesverband Fischindustrie hat deshalb in der vergangenen Woche angekündigt, seine Eigenkontrollen zu verschärfen. "Wir haben veranlasst, dass bereits bei der Anladung Proben gezogen und analysiert werden", sagt Keller. Sollten sich in einer Region erhöhte Strahlenwerte zeigen, würden in Deutschland weitere Untersuchungen folgen.



Mag Fukushima rund 9000 Kilometer entfernt sein: Die Deutschen sind beunruhigt, das merkt auch Silke Schwartau. Die Ernährungsexpertin bei der Hamburger Verbraucherzentrale bekommt zurzeit zahlreiche Anfragen besorgter Bürger. "Am meisten fragen sie nach Grünem Tee, weil dort die Ernte bevorsteht", berichtet Schwartau. Auf die Frage, ob man sich hierzulande Sorgen machen müsse, hat sie eine klare Antwort: "Kurzfristig kann man Entwarnung geben, langfristig auf keinen Fall."

Drei Fakten sprechen dafür, dass das Unglück vorerst kaum Folgen für deutsche Konsumenten haben wird. Zunächst exportiert Japan generell nur wenig Lebensmittel. So kamen 2010 laut Verbraucherschutzministerium nur 60 von insgesamt 913.000 Tonnen importierten Fisches aus Japan. Insgesamt hat das Land nur einen Anteil von 0,1 Prozent an den deutschen Lebensmitteleinfuhren.

Sojasoße ist noch ein Jahr unbedenklich

Zum zweiten können möglicherweise belastete Produkte in dem meisten Fällen noch gar nicht nach Deutschland gelangt sein. So wird der Seelachs, der in der Meeresregion um Japan gefangen wird, zunächst an Bord zu sogenannten Filetblöcken verarbeitet und erst nach rund einem Monat an Land gebracht. "Fisch aus dieser Meeresregion wird frühestens in drei Monaten in den Handel gelangen", sagt Keller. Zeitliche Gründe sprechen vorerst auch gegen eine Belastung von Gewürzsoßen, die mit einer jährlichen Einfuhrmenge von gut 1500 Tonnen der wichtigste Import nach Deutschland sind. "Sojasoße reift in Fässern, sie ist noch mindestens ein Jahr lang unbedenklich", beruhigt Schwartau.

Gegen allzu große Sorgen spricht noch ein dritter Umstand: Selbst typisch japanische Lebensmittel stammen in vielen Fällen gar nicht aus dem Land. In Deutschland gekaufte Shiitake-Pilze etwa kommen fast ausschließlich aus deutschen Gewächshäusern, in Deutschland serviertes Sushi fast nie aus dem Nordpazifik. Fische aus dieser Meeresregion um Japan können Verbraucher im Supermarkt erkennen: Sie sind auf der Packung durch eine Nummer der Welternährungsorganisation (FAO) mit der Endziffer 61 gekennzeichnet.

Was aber gilt für Fische, die tatsächlich aus der Umgebung von Japan kommen - und erst nach dem Reaktorunglück gefangen wurden? Bei dieser Frage gehen die Meinungen auseinander. "Wir gehen immer noch davon aus, dass es bei Fisch keine Belastung geben wird", sagt Ulrich Rieth vom Johann-Heinrich-von-Thünen-Institut, das in Deutschland die Radioaktivität von Fischen überwacht.

Rieth verweist auf die berüchtigte irische Atomanlage Sellafield, wo über rund 20 Jahre radioaktiv belastetes Spülwasser ins Meer geleitet wurde. Dennoch seien bei Fischen aus der Region nur Werte von maximal zehn Bequerel pro Kilogramm gemessen worden - in Deutschland gilt bei Lebensmitteln generell ein Limit von 600 Becquerel. "Da bestehen keinerlei Bedenken", sagt Rieth. "Gleiches würde ich auch für Japan erwarten."

Damals Wildschweine, heute Raubfische?

Doch es gibt auch andere Stimmen. "Nie wieder Sushi", sagte der Strahlenbiologe Edmund Lengfelder der "Frankfurter Rundschau". Seiner Ansicht nach könnte der Verzehr von Fisch aus Japan künftig nur noch nach aufwändigen Kontrollen vertretbar sein. Lengfelder bezieht sich auf die Erfahrungen nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl im Jahr 1986, deren krebskranke Opfer er bis heute betreut. Die Folgen des radioaktiven Fallouts lassen sich noch heute in belasteten Pilzen nachweisen, die etwa in Bayern an der Grenze zu Tschechien wachsen. Die Belastung wird an Wildtiere weitergeben, die aus dem Pilz Cäsium 137 aufnehmen. Als in Baden-Württemberg vor drei Jahren 240 erlegte Wildschweine untersucht wurden, war fast ein Fünftel von ihnen mit mehr als 600 Becquerel pro Kilogramm belastet.

Eine ähnliche Weitergabe von Strahlung fürchtet Verbraucherschützerin Schwartau nun auch im Meer. "Wir wissen, dass sich die Strahlung in der Nahrungskette anreichert. Raubfische haben deshalb eine höhere Belastung." Bislang mangele es aber an Daten aus Japan, um die Bedenken zu überprüfen. "Es gibt sehr wenig Informationen."


Positiver bewertet Schwartau, dass Industrievertreter diesmal von sich aus auf verstärkte Kontrollen und Information der Kunden setzen. So informiert etwa der Teegroßhändler Gschwender seine Kunden im Internet, dass der derzeit verkaufte Grüntee noch aus der Ernte 2010 stamme. Mit Blick auf die anstehende Ernte heißt es offen, man könne "zurzeit noch nicht abschätzen", ob die eigenen Anbaugebiete betroffen seien.


"Das ist anders als nach Tschernobyl", sagt Schwartau über die Informationspolitik. Auch Wissenschaftler Rieth glaubt, dass die Warnsysteme in Deutschland heute wesentlich besser funktionieren. "Damals war völliges Chaos. Keiner wusste, wie die Werte vorher waren."

Deutsche Fisch-Esser könnte noch ein weiterer Umstand beruhigen: Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters sind die Materialschäden durch den Tsunami so schwer, dass japanische Fischer manche Sorten für mindestens ein Jahr überhaupt nicht mehr liefern können.

Amerikas atomare Zeitbombe

Amerikas atomare Zeitbombe


Um AKW-Sicherheit sorgen sich nach den Explosionen in Fukushima alle. Im US-Nordwesten lauert aber noch eine andere Gefahr. Die Ex-Plutoniumfabrik Hanford ist ein Relikt des Kalten Krieges und die schwerstverstrahlte Gegend der westlichen Hemisphäre. Geplantes Ende der Sanierung: 2052.

Die Lämmer kamen ohne Augen oder ohne Mäuler zur Welt. Bei einigen waren die Beine grotesk zusammengewachsen, andere hatten gar keine Beine. Viele waren Totgeburten. Allein in einer Nacht starben 31 Jungtiere.

Zur gleichen Zeit fand sich auf einer Weide eine tote, steife Kuh, die Beine in den Wind gestreckt. Ganz in der Nähe zogen die Yakama-Indianer Lachse mit drei Augen aus dem tiefblauen Fluss. Forellen waren übersät mit Krebsgeschwüren.


Und dann wurden die Babys krank.

Es war im Frühjahr 1962, als der Farmer Nels Allison die mysterösen Vorgänge zum erstmals bemerkte. "Zum Teufel, was geht hier vor?", fragte er seine Frau. Lämmer waren immer "die ersten, die umfielen", wenn etwas nicht stimmte auf Allisons Farm bei Basin City, einem Präriekaff am Columbia River im äußersten US-Nordwesten. Er taufte jene Todesnacht "die Nacht der kleinen Dämonen".

Die Allisons sind längst tot, das Entsetzen dauert an. Dokumentiert im Enthüllungsbuch "Atomic Harvest" ("Atomare Ernte") von 1993, ist ihre Geschichte eine von Abertausenden Horrorstorys, die sich im Umkreis der US-Plutoniumfabrik Hanford abspielten - und die Leute dort bis heute zutiefst verunsichern.

Hanford ist Amerikas atomare Ursünde. Denn das 1518 Quadratkilometer große, abgelegene Mammutgelände vier Autostunden südöstlich von Seattle, auf dem die USA einst fast ihr gesamtes Atommaterial für den Kalten Krieg produzierten, ist zwar seit 1988 stillgelegt. Doch es bleibt der radioaktiv am schwersten verseuchte Ort in der westlichen Hemisphäre.

Kürzlich revidierte das Energieministerium das Zieldatum der Dekontaminierung Hanfords, der größten Umweltsanierung in der Geschichte der USA, erneut nach hinten. Auf September 2052 - mehr als 108 Jahre nach Inkraftnahme der Anlage.

Plutonium für die Nagasaki-Bombe

Die Katastrophe von Japan hat das Augenmerk nun auch wieder auf Hanford gelenkt, das letzte Relikt des Kalten Krieges - zumal sich am Rande der versuchten Region ein aktives Atomkraftwerk befindet, das einzige im bebengefährdeten Nordwesten der USA. Erdstöße seien "ein riesiges Risiko" für Hanford, sagt Gerry Pollet, der Exekutivdirektor der Aktivistengruppe Heart of America Northwest.

Über die aktuellen Sorgen können Hanfords rund 120.000 Anwohner nur seufzen. Schon ihre Großeltern kämpften mit den Folgen dauerhafter Verseuchung und Verstrahlung: Fehlgeburten, Missbildungen, seltsame Kinderkrankheiten. Die Farmersfrau Juanita Andrewjewski legte in den sechziger Jahren eine "Landkarte des Todes" an: Kreuze für Herzinfarkte, Kringel für Krebs. Bald war das Blatt übersät mit Kreuzen und Kringeln.

Hanford, sagte der damalige US-Innenminister Stewart Udall, war das menschlich "tragischste Kapitel in der Geschichte des Kalten Krieges".

Ab 1943 entstanden in Hanford in einem gigantomanischen Bauprojekt neun Atomreaktoren, die heute wie versteinerte Dinosaurier in der Prärie versanden. Einer, der B Reactor, war der erste seiner Art auf der Welt. Hier wurde unter strengster Geheimhaltung das Plutonium für das Manhattan-Projekt geschaffen. Darunter auch für die erste Atombomben-Explosion der Geschichte am 16. Juli 1945 in New Mexico - sowie für "Fat Man", die Bombe, die am 9. August 1945 über Nagasaki detonierte.

In den daraufolgenden Jahrzehnten produzierte Hanford Plutonium für die Nukleastreitkräfte der USA. Von Hanford, so hieß es, hänge die Freiheit der westlichen Welt ab - und die war wichtiger als die Gesundheit der Menschen.

Strahlung im Vieh und in der Milch

Die Hanford-Mitarbeiter bekamen zum Dank für ihren Einsatz einst Anstecknadeln mit einem stilisierten Atompilz. Der Atompilz wurde auch zum Maskottchen des Footballteams der Nachbarstadt Richland - die "Bombers".

Es war eine zynische Geste. Die Farmer und Anwohner in den umliegenden Orten Richland, Pasco und Kennewick zählen bis heute zu den am stärksten verstrahlten Menschen der Erde.

Die Bilanz ist verheerend. 52 Gebäude sind kontaminiert, 622 Quadratkilometer ganz unbewohnbar. In Hanford lagern 204.000 Kubikmeter hochradioaktiver Müll - zwei Drittel des gesamten US-Atomabfalls. 216 Millionen Liter radiaktive Schlacke sickert aus lecken Tanks ins Grundwasser, mehr als 100.000 ausgebrannte Brennstäbe liegen in kaputten Wasserbecken, 43.000 Kubikmeter kontaminierter Sand und 720.000 Liter Salpetersäure verseuchen die Erde.

Das Kühlwasser für die Anlagen stammte aus dem Columbia River - und wurde bis 1971 heimlich und fast ungeklärt wieder in den Fluss zurückgepumpt. Erhöhte Strahlung wurde später noch 500 Kilometer westlich gemessen, wo der Columbia in den Pazifik fließt. Den vergifteten Fisch aßen vor allem die Indianerstämme.

Auch stießen die Werke regelmäßig radiaktive Wolken aus, die der Wind bis in die Nachbarstaaten Oregon, Idaho, Montana und Kanada wehte. Die vom Fallout Betroffenen, "Downwinder" genannt ("die in der Windrichtung"), wurden besonders in der Anfangsphase von 1945 bis 1951 mit Jod 131 verseucht, das in die Nahrungskette gelangte - das Vieh, die Milch, die Eier.

Zwei Milliarden Dollar Kosten im Jahr 

Abertausende Arbeiter, Anwohner und Farmer wurden sogar teils absichtlich verstrahlt - zu Testzwecken. Am 3. Dezember 1949 jagten Hanford-Physiker eine hochradioaktive Wolke durch den Schornstein des T-Werks, des damals weltgrößten Plutoniumwerks. Die Strahlung übertraf die des späteren Reaktorunfalls von Harrisburg fast ums Tausendfache. Das Experiment hieß "Green Run", Fallout wanderte bis nach Kalifornien.

Die Menschen wunderten sich, warum sie auf einmal erkrankten. Feldstudien ergaben, dass manche Babys in Hanford doppelt so stark verstrahlt waren wie die Tschernobyl-Kinder. Farmersohn Tom Bailie, der im Dezember 1949 zwei Jahre alt war und gerne in den Feldern spielte, erlitt nach dem "Green Run" eine Lähmung, später war er zeugungsunfähig. Seine gesamte Familie starb an Krebs.

Doch erst 1986 fand Bailie mit Hilfe einer hartnäckigen Reporterin der Lokalzeitung "Spokesman-Review" allmählich heraus, was wirklich dahinter steckte. Es war der Beginn eines jahrzehnteangen Kampfes der Strahlenopfer gegen die US-Regierung, die sie vor Gericht zwangen, Rechenschaft abzulegen und die Hanford-Geheimprotokolle zu öffnen. Die Sammelprozesse ziehen sie bis heute hin.

1988 wurde Hanford stillgelegt. Eine massive Dekontaminierung begann und dauert bis heute. Washington sprach von der "größten Entsorgungsaktion der Menschengeschichte", als sei man stolz darauf.

Mehr als zwei Milliarden Dollar pro Jahr kostet das immer noch. Fürs Haushaltsjahr 2013 sind 2,9 Milliarden Dollar veranschlagt. Immer wieder gibt es Schlampereien, Rückschläge, Unfälle. 2008, nach zwei Jahrzehnten Arbeit, war man gerade mal halb fertig. Erst vier der neun Reaktoren sind bisher "eingesargt". Die Außenzone soll nun spätestens 2020 dekontaminiert sein, die Tanks im Ende 2047.


Und dann ist da noch der aktive Reaktor. Seit 1984 am Netz, gilt er als einer der weniger sicheren US-Atomreaktoren. Nach der Japan-Katastrophe versicherte der Betreiber, das Konsortium Energy Northwest, die Anlage habe mehrere Backup-Systeme und könnte einem Erdbeben der Stärke 6.9 widerstehen.

Im vorigen Jahr wurden im Gebiet um Hanford insgesamt 210 Erdbeben gemessen. Das schwerste hatte gerade mal die Stärke 3.0. Unweltschützer beruhigt das kaum: "In Hanford droht weiter ein radiologisches Desaster", sagt Glen Spain, der Chef der Fischereivereinigung PCFFA. "Hanford ist eine tickende Zeitbombe."
 

Donnerstag, 17. März 2011

Wenn auch der beste Fall schlimm ist

Wenn auch der beste Fall schlimm ist

Wenn die Kühlversuche am havarierten AKW Fukushima scheitern, kommt es Experten zufolge zur Atomkatastrophe.


In Fukushima kämpfen Helfer verzweifelt darum, dass Schlimmste zu verhindern. Doch was ist das Schlimmste? Und wie gut kann der beste anzunehmende Ausgang dieses Dramas sein?
Best Case Szenario

Im besten anzunehmenden Fall bleibt es beim Status Quo in Fukushima: Denn noch gibt es Hoffnung, dass die japanischen Kraftwerkstechniker die Kontrolle über die havarierten Meiler zurückgewinnen. Entscheidend dafür wird sein, ob es ihnen gelingt, in den nächsten zwei Tagen die Brennelementebecken in den Reaktoren 3 und 4 mit Wasser zu bedecken und soweit herunterzukühlen, dass eine Kernschmelze abgewendet ist. Hubschrauber-Piloten hatten heute Morgen entdeckt, dass das Abklingbecken des Blockes 3 noch weniger Wasser enthält als das im Nachbarreaktor 4. Explosionen und Erschütterungen hatten die Dächer beider Reaktorgebäude zerstört. „Am wichtigsten ist jetzt, große Wassermengen auf die Reaktorblöcke 3 und 4 zu schütten, vor allem um die Kühlbecken zu füllen“, sagte Hidehiko Nishiyama, Sprecher der nationalen Agentur für Atomsicherheit der Agentur Kyodo. Die Brennelemente in Reaktor 3 enthalten – anders als in den anderen Reaktoren – zusätzlich hochgiftiges Plutonium, das bei einer Kernschmelze seine tödliche Wirkung in der Luft entfalten würde.

Derzeit versuchen die Helfer in drei Schritten, eine ausreichende Kühlung zu erreichen: Zunächst soll mit Hubschraubern aus der Luft und von Wasserwerfern am Boden versprühtes Wasser die Reaktoren kühlen. In einem zweiten Schritt soll wieder eine Stromversorgung zum Unglücks-AKW gelegt werden. Diese neue Energieversorgung könnte in Teilen schon am Donnerstagabend stehen, wie die Nachrichtenagentur Kyodo berichtete. In einem dritten Schritt solle dann mit Hilfe des Stroms wieder ein permanentes Kühlsystem in Gang gesetzt werden. Dafür wollen die Helfer Meerwasser nutzen.

Ob das große Atom-Desaster noch verhindert werden kann, entscheidet sich nach Einschätzung der Gesellschaft für Strahlenschutz vermutlich bis Samstag. Wenn die Kühlversuche an Block 4 des havarierten Atomkraftwerks scheiterten, komme es zur Katastrophe. „Das wird sich wahrscheinlich morgen, spätestens übermorgen entscheiden, ob es noch gelingt, da irgendwas zu machen“, sagte Sebastion Pflugbeil, der Vorsitzende der Gesellschaft für Strahlenschutz, der dpa.

Wie das Experiment für die Menschen vor Ort ausgeht, birgt noch viele Unwägbarkeiten. Gerade ist die maximal zumutbare Srahlenbelastung für Fukushima auf den Grenzwert von 250 Millisievert hochgesetzt worden. Manche Experten gehen davon aus, dass ab diesem Wert bereits Symptome der Strahlenkrankheit einsetzen können.

Worst-Case-Szenario

Denn gelingt die Kühlung nicht, steigen die Temperaturen in den Reaktoren kontinuierlich an, und mit ihnen der Austritt von Radioaktivität – bis zu dem Punkt, an dem weitere Rettungsarbeiten am Katastrophenreaktor nicht mehr möglich sein werden. Dann droht der Super-Gau, und zwar inzwischen in vier von sechs Reaktoren. Die Blöcke 3 und 4 sind besonders gefährdet, da dort der Wasserstand in den Brennelementebecken extrem niedrig ist und die Hitze beständig steigt. Kann diese Entwicklung nicht gestoppt werden, wäre es im schlimmsten Fall sogar möglich, dass sich das Zirkonium in den Brennstäben wieder von selbst entzündet. Mit dem Rauch würden dann große Mengen von radioaktiven Stoffen in die Luft gelangen.

Innerhalb der Reaktorhüllen droht weiterhin eine Kernschmelze. Tritt sie ein, könnte sich die Masse aus glutflüssigem radioaktiven Material und Stahl durch den Betonboden des Sicherheitsbehälters fressen und die Erde sowie das Grundwasser verseuchen. Bei dem Kontakt mit Wasserdampf schleudern auch hier die Explosionen radioaktive Materialien in die Atmosphäre, eine Wolke breitet sich aus, die Cäsium-137, Jod-131 und andere gefährliche Nuklide davonträgt – im Falle von Reaktor 3 in Fukushima auch Plutonium.

Die durch Lecks ausströmende radioaktive Wolke dürfte sich aber nur in niedrigeren Luftschichten ausbreiten, so dass sich ein Großteil der Radionuklide wahrscheinlich in einem relativ kleinen Gebiet um das Kraftwerk niederschlagen würde. Insbesondere das schwere Plutonium wird vermutlich nicht allzu weit durch die Luft transportiert. Menschen, die in eine solche Wolke geraten, droht eine tödliche Strahlendosis.

Anders verhält es sich mit Cäsium 137 und Jod 131. Die leicht flüchtigen Stoffe würden in einer solchen radioaktiven Wolke viele Kilometer weit geweht. Wieviele Menschen davon betroffen wären, hängt von Windrichtung und Wetterlage ab.

Durch Stromversorgung soll in AKW Fukushima 1 Super-GAU verhindert werden

Durch Stromversorgung soll in AKW Fukushima 1 Super-GAU verhindert werden


Flug über Fukushima: Luftbilder zeigen völlig zerstörte Reaktorgebäude


Die deutsche Botschaft wird von Tokio nach Osaka verlegt. Das Auswärtige Amt rät zur Abreise aus dem Großraum Tokio. Die Entwicklungen im FOCUS-Online-Live-Ticker.
18.03 Uhr: Angesichts der Katastrophe in Japan schwindet in der US-Bevölkerung einer Umfrage zufolge die Unterstützung für die Atomkraft. Rund 70 Prozent der Befragten einer Erhebung für die Zeitung „USA Today“ gaben an, sie sehen die Nutzung der Atomenergie mit Sorge. Vor zwei Wochen waren es noch 57 Prozent.

17.48 Uhr: An den aus Japan kommenden Flugzeugen ist auf dem Frankfurter Airport bisher keine erhöhte Radioaktivität gemessen worden, wie der Betreiber Fraport mitteilte. Auf dem größten deutschen Flughafen landen derzeit täglich sieben Maschinen aus Japan, darunter fünf Lufthansa-Flugzeuge und je eines der japanischen Gesellschaften ANA und JAL.

17.38 Uhr: Die Strahlung in der Evakuierungszone um das AKW Fukushima hat sich am Donnerstag deutlich erhöht. In Tokio liegt sie aber unverändert unter einem nicht gesundheitsschädlichen Wert, wie die Internationale Atomenergiebehörde (IAEO) mitteilte. Die Lage im Katastrophen-AKW spitzte sich demnach zunächst nicht weiter zu. Sie sei aber immer noch „sehr ernst“. In den Reaktoren 1 und 3 sind die Brennstäbe nach IAEO-Informationen nur halb mit Wasser bedeckt, im Reaktor 2 liegt der Wasserstand etwas über der Mitte der Brennstäbe.

17.13 Uhr: Neben Deutschland und Spanien haben auch die skandinavischen Länder und die USA ihre Bürger zum Verlassen der Gefahrenzone aufgerufen.

17.07 Uhr: Auch die spanische Regierung empfiehlt den in Japan lebenden Spaniern, das Gebiet im Umkreis von 120 Kilometern um das Unglückskraftwerk Fukushima zu meiden.

17.04 Uhr: Das Auswärtige Amt, das eine Teilreisewarnung für Japan herausgegeben hat, empfiehlt allen Deutschen, die Region um Fukushima 1 sowie den Großraum um die benachbarten Städte Tokio und Yokohama vorübergehend zu verlassen. Sie sollten nach Osaka oder über Osaka ins Ausland ausweichen, rät das Ministerium.

17.03 Uhr: Aufgrund der Entwicklungen in dem schwer beschädigten Atomkraftwerk Fukushima 1 wird die deutsche Botschaft vorübergehend von Tokio nach Osaka verlegt. Von der Stadt im Südwesten der Hauptinsel Honshu werde die Beratung und Betreuung deutscher Staatsbürger fortgeführt, teilt das Auswärtige Amt mit.

16.50 Uhr: Das US-Verteidigungsministerium gibt die Entsendung eines neun Mitglieder zählenden Teams zur atomaren Gefahrenabwehr bekannt. Die Soldaten sollen die japanischen Streitkräfte beraten.

16.15 Uhr: Japan sollte nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) alle Kraft auf humanitäre Hilfe für die Opfer des Erdbebens und die Wiederherstellung seiner Infrastruktur richten. Das finanzielle Potenzial dazu habe das Land, sagt eine IWF-Sprecherin in Washington. Es komme vor allem darauf an, alles zu tun, damit die Wirtschaft des Landes schnell wieder in Gang komme und Japan seine Wachstumspotenziale wieder ausschöpfen könne.

15.57 Uhr: Die Zahl der Toten und Vermissten ist auf mehr als 15 000 gestiegen. Offiziell seien bislang 5692 Tote registriert, wie der Fernsehsender NHK am Donnerstag unter Berufung auf die Polizei berichtete. 9506 Menschen würden weiterhin vermisst. Ein Großteil der Vermissten wird noch in den Trümmerbergen der vom Tsunami überschwemmten Siedlungen im Nordosten vermutet. Die Rettungskräfte haben die Hoffnung praktisch aufgegeben, noch Überlebende zu finden.

15.15 Uhr: Eineinhalb Jahre vor der Atomkatastrophe ist der damalige japanische Sicherheitschef der IAEO laut Wikileaks wegen Führungsschwäche ins Visier der USA geraten. Tomihiro Taniuchi sei vor allem mit Blick auf die Sicherheitsbestimmungen für japanische AKW ein schlechter Manager, hieß es in einer diplomatischen Depesche der USA vom Juli 2009.

15.01 Uhr: Experten der Internationalen Atomenergiebehörde IAEO wollen in den nächsten Tagen das Unglücks-Atomkraftwerk Fukushima 1 besuchen.

14.09 Uhr: AKW-Betreiber Tepco hat den Einsatz der Wasserwerfer als Erfolg bewertet: Es sei Dampf aufgestiegen, folglich hätten die Wasserwerfer das Becken mit den Brennstäben getroffen, zitierte die Nachrichtenagentur Kyodo einen Sprecher.

13.33 Uhr: Trotz aller Rettungsmaßnahmen hat sich die Lage in den Druckbehältern der Reaktoren Fukushima in den vergangenen 30 Stunden nicht verändert. Nach Angaben der Atomaufsicht NISA liegen die Brennstäbe in Reaktor 1 weiterhin auf etwa 1,80 Meter Länge frei, in Einheit 2 sind es 1,40 Meter, in Einheit 3 bis zu 2,30 Meter. Der Wasserstand hat sich damit seit Mittwochmorgen nicht verändert.

13.31 Uhr: Frühestens am Freitag sei ein Anschluss des AKW Fukushima ans Stromnetz möglich, teilt der Betreiber Tepco mit. Am gleichen Tag soll zunächst auf den Reaktor 3 Wasser aus einem Helikopter abgelassen werden. Aus Reaktor 2 soll momentan Dampf aufsteigen.

13:07 Uhr: Die USA haben eine unbemannte Drohne zur Dokumentation der Schäden über das havarierte japanische Atomkraftwerk Fukushima 1 fliegen lassen. Die dabei gemachten Fotos seien der Regierung in Tokio übermittelt worden, berichtete der japanische Fernsehsender NHK.

13.09 Uhr: Die japanischen Behörden haben die Hubschrauber-Flüge zur Kühlung eines überhitzten Reaktors in Fukushima ausgesetzt. Es sollte zunächst überprüft werden, ob die ungewöhnliche Maßnahme Erfolg zeige.

12.29 Uhr: Russland hat mehr als 50 seiner Staatsbürger ausgeflogen.

12.09 Uhr: Die im Katastrophen-AKW Fukushima eingesetzten Wasserwerfer haben mit ihrem Einsatz begonnen, wie der staatliche Fernsehsender NHK berichtete.

12.04 Uhr: Die französische Luftwaffe hat rund 250 Franzosen von Japan nach Südkorea ausgeflogen.

Kizuna to the world. "kizuna311"

Message to everybody all over the world. "kizuna311" 

Message from Ken Watanabe



We wish to express our sentiments of deepest sorrow and solidarity to
the victims of Tohoku Kanto Earthquake.
Our prayers and thoughts are with everyone who has been affected by
the disaster, and we pray from our hearts that everybody will
peacefully overcome this hardship, and return to normalcy.

We are saddened to see and hear the news of the devastating earthquake
in the Tohoku and Kanto area, and we couldn't resist but ask
ourselves, "what can we do to help earthquake and tsunami victims?".

Then....

Being involved in the Entertainment industry, we concluded that we
must do what we can to the best of our ability.
In the past few days, the media has brought attention to the world of
earthquake and devastation, much foreign press has warmly applauded
our orderliness and solidarity under the catastrophic circumstances,
and has encouraged us to recuperate from the calamity.

And from reading these reports, we have come to realize that we have
great assets. We Japanese can take pride in our "Kizuna", the
solidarity that binds us.

To overcome this painful catastrophe, we must find a way to unite and
find our Kizuna among people.
We decided to create a video library showing the power and benefits
from voluntary work efforts. We wish to deliver the message of hope to
the victims and kindle a light in each one's heart.

We understand that each medium has its role. We would like to show a
different point of view from what the mass media reports everyday. Our
hope is that our message will show the uplifting efforts we Japanese
are making to come together and help one another rebuild our lives
after the earthquake and tsunami. We believe that this message
inspires the power of Kizuna among the victims of these tragedies, and
demonstrates our Kizuna to the world.

We would like to turn our attention toward the rebuilding we must now
do, and inspire the Kizuna required for us to achieve it.

http://www.kizuna311.com/index_eng.html