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Mittwoch, 11. Mai 2011

Großbanken mussten jeden dritten Geldautomaten auswechseln

Großbanken mussten jeden dritten Geldautomaten auswechseln

Gefälschtes Tastenfeld: Fast 200.000 Geheimnummern ausgespäht

Fast 190.000 Geheimnummern haben Betrüger an Geldautomaten ausgespäht und die Konten von Verbrauchern leergeräumt. Für deutsche Großbanken wird der Datenklau teuer: Laut einem Zeitungsbericht mussten sie 2010 ein Drittel ihrer Cash-Maschinen austauschen - wegen Sicherheitsproblemen.

Hamburg - Der Betrug mit gefälschten EC-Karten wird für Deutschlands Banken zu einem teuren Problem: Laut "Financial Times Deutschland" mussten die großen Privatbanken 2010 einen beträchtlichen Teil ihrer Geldautomaten austauschen, weil diese zu leicht manipulierbar waren.

Insgesamt seien rund 2500 Automaten betroffen gewesen. Das entspricht rund einem Drittel der rund 9000 Automaten, die die Banken der sogenannten Cash Group betreiben. Diese umfasst die größten Privatbanken wie die Deutsche Bank und Commerzbank. Für andere Cash-Maschinen, wie die rund 25.000 Geldautomaten der Sparkassen, lagen zunächst keine Erhebungen vor, wie viele Automaten ausgetauscht worden sind.



Nach Angaben des Bundeskriminalamts (BKA) nimmt das sogenannte Skimming stark zu. Täter montieren dabei Kameras und Tastatur-Attrappen an Geldautomaten, um an die Geheimnummern von Kunden zu kommen. In anderen Fällen überstülpen die Betrüger den Kartenschlitz mit einem Lesegerät, das die EC-Karte ausliest. Danach setzen sie sich meist ins Ausland ab, erstellen gefälschte EC-Karten und räumen die Konten ausgespähter Verbraucher leer.

Laut BKA manipulierten die Täter im vergangenen Jahr knapp 3200-mal Geldautomaten - eine Zunahme um 55 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Rund 190.000 Bankkunden seien von den Betrugsfällen betroffen gewesen, 300.000 Karten seien vorsorglich gesperrt worden. Insgesamt entstand durch den Einsatz gefälschter Bankkarten ein geschätzter Schaden von rund 60 Millionen Euro.

Die ausgetauschten Automaten sollen laut "FTD" allesamt von Wincor Nixdorf stammen. Der Automatenhersteller hatte jüngst seine Aktionäre mit einer Gewinnwarnung schockiert. Wincor Nixdorf wollte den Bericht nicht kommentieren.

Tabuthema Skimming

Die Bankenbranche ergreift immer neue Maßnahmen, um Betrug am Geldautomaten einzudämmen. So montierte die Deutsche Bank zuletzt an ihren Filialen die automatischen Türöffner ab, durch die Kunden ihre Karte schieben mussten, wenn sie außerhalb der Öffnungszeiten kamen.

Einen Befreiungsschlag erhoffte sich die Branche auch von einem sogenannten EMV-Chip, der das Geldabheben mit gefälschten Karten verhindern soll. Diese Technik funktioniert allerdings nur in Europa. Um die Sicherheitsschranke zu umgehen, brauchen Skimmer-Banden nur Helfer außerhalb Europas anzuheuern.

Dennoch scheinen die Maßnahmen der Banken allmählich Wirkung zu zeigen. Laut BKA ist die Zahl der Attacken im zweiten Halbjahr 2010 zurückgegangen. Auch in den ersten Monaten des Jahres 2011 war die Zahl rückläufig.


dagegen den Umgang der Banken mit dem Thema Skimming. Aus Angst, die Kunden zu verunsichern, geben sich die meisten Institute verschlossen. Die Deutsche Bank zum Beispiel wollte einen kostspieligen Austausch von 1200 Geldautomaten im vergangenen Jahr gegenüber der "FTD" nicht kommentieren.


Wie Kunden sich wehren können

Die Täter erweitern zudem ihr Betätigungsfeld. Laut BKA wurden 2010 erstmals auch an Tankautomaten und Fahrkartenautomaten der Bahn Daten abgegriffen. Ein lohnenswertes Geschäft: Mit Daten aus einer einzigen Tanksäule in Nordrhein-Westfalen hätten sie 600.000 Euro Beute gemacht.

Kunden können sich gegen Betrugsversuche allerdings wehren - vor allem durch Achtsamkeit. Vor allem an Bahnhöfen und in Fußgängerzonen sollten sie aufpassen und nach Mini-Kameras oder kleinen Löchern am Geldautomaten suchen. In jedem Fall sei es sinnvoll, bei der PIN-Eingabe mit der anderen Hand die Tastatur abzudecken, empfiehlt Hans-Werner Niklasch, Geschäftsführer der Euro-Kartensysteme.

Dienstag, 22. März 2011

Darf ich jetzt noch Sushi essen?

Darf ich jetzt noch Sushi essen?

Fischhändler in Tokio: Achtung bei der Endziffer 61
Soja-Soße, Grüntee, Sushi: Deutsche Verbraucher lieben japanisches Essen. Doch nach dem Atomunglück von Fukushima ist die Verunsicherung groß. Wovor muss man wirklich Angst haben - und was ist unbedenklich?

Hamburg - So schnell kann es gehen: Noch vor wenigen Wochen wähnte sich die deutsche Fischindustrie auf der Gewinnerseite. Damals machte der Dioxin-Skandal den Verbrauchern Angst vor Eiern und Fleisch. "Da haben plötzlich alle Fisch gegessen", sagt Matthias Keller vom Bundesverband der deutschen Fischindustrie und des Fischgroßhandels.

Nun aber sind es nicht mehr Fleischproduzenten oder Hühnerbauern, die skeptische Fragen gestellt bekommen - sondern Fischhändler. Schließlich liegt das japanische Unglückskraftwerk Fukushima direkt am Meer. Der Bundesverband Fischindustrie hat deshalb in der vergangenen Woche angekündigt, seine Eigenkontrollen zu verschärfen. "Wir haben veranlasst, dass bereits bei der Anladung Proben gezogen und analysiert werden", sagt Keller. Sollten sich in einer Region erhöhte Strahlenwerte zeigen, würden in Deutschland weitere Untersuchungen folgen.



Mag Fukushima rund 9000 Kilometer entfernt sein: Die Deutschen sind beunruhigt, das merkt auch Silke Schwartau. Die Ernährungsexpertin bei der Hamburger Verbraucherzentrale bekommt zurzeit zahlreiche Anfragen besorgter Bürger. "Am meisten fragen sie nach Grünem Tee, weil dort die Ernte bevorsteht", berichtet Schwartau. Auf die Frage, ob man sich hierzulande Sorgen machen müsse, hat sie eine klare Antwort: "Kurzfristig kann man Entwarnung geben, langfristig auf keinen Fall."

Drei Fakten sprechen dafür, dass das Unglück vorerst kaum Folgen für deutsche Konsumenten haben wird. Zunächst exportiert Japan generell nur wenig Lebensmittel. So kamen 2010 laut Verbraucherschutzministerium nur 60 von insgesamt 913.000 Tonnen importierten Fisches aus Japan. Insgesamt hat das Land nur einen Anteil von 0,1 Prozent an den deutschen Lebensmitteleinfuhren.

Sojasoße ist noch ein Jahr unbedenklich

Zum zweiten können möglicherweise belastete Produkte in dem meisten Fällen noch gar nicht nach Deutschland gelangt sein. So wird der Seelachs, der in der Meeresregion um Japan gefangen wird, zunächst an Bord zu sogenannten Filetblöcken verarbeitet und erst nach rund einem Monat an Land gebracht. "Fisch aus dieser Meeresregion wird frühestens in drei Monaten in den Handel gelangen", sagt Keller. Zeitliche Gründe sprechen vorerst auch gegen eine Belastung von Gewürzsoßen, die mit einer jährlichen Einfuhrmenge von gut 1500 Tonnen der wichtigste Import nach Deutschland sind. "Sojasoße reift in Fässern, sie ist noch mindestens ein Jahr lang unbedenklich", beruhigt Schwartau.

Gegen allzu große Sorgen spricht noch ein dritter Umstand: Selbst typisch japanische Lebensmittel stammen in vielen Fällen gar nicht aus dem Land. In Deutschland gekaufte Shiitake-Pilze etwa kommen fast ausschließlich aus deutschen Gewächshäusern, in Deutschland serviertes Sushi fast nie aus dem Nordpazifik. Fische aus dieser Meeresregion um Japan können Verbraucher im Supermarkt erkennen: Sie sind auf der Packung durch eine Nummer der Welternährungsorganisation (FAO) mit der Endziffer 61 gekennzeichnet.

Was aber gilt für Fische, die tatsächlich aus der Umgebung von Japan kommen - und erst nach dem Reaktorunglück gefangen wurden? Bei dieser Frage gehen die Meinungen auseinander. "Wir gehen immer noch davon aus, dass es bei Fisch keine Belastung geben wird", sagt Ulrich Rieth vom Johann-Heinrich-von-Thünen-Institut, das in Deutschland die Radioaktivität von Fischen überwacht.

Rieth verweist auf die berüchtigte irische Atomanlage Sellafield, wo über rund 20 Jahre radioaktiv belastetes Spülwasser ins Meer geleitet wurde. Dennoch seien bei Fischen aus der Region nur Werte von maximal zehn Bequerel pro Kilogramm gemessen worden - in Deutschland gilt bei Lebensmitteln generell ein Limit von 600 Becquerel. "Da bestehen keinerlei Bedenken", sagt Rieth. "Gleiches würde ich auch für Japan erwarten."

Damals Wildschweine, heute Raubfische?

Doch es gibt auch andere Stimmen. "Nie wieder Sushi", sagte der Strahlenbiologe Edmund Lengfelder der "Frankfurter Rundschau". Seiner Ansicht nach könnte der Verzehr von Fisch aus Japan künftig nur noch nach aufwändigen Kontrollen vertretbar sein. Lengfelder bezieht sich auf die Erfahrungen nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl im Jahr 1986, deren krebskranke Opfer er bis heute betreut. Die Folgen des radioaktiven Fallouts lassen sich noch heute in belasteten Pilzen nachweisen, die etwa in Bayern an der Grenze zu Tschechien wachsen. Die Belastung wird an Wildtiere weitergeben, die aus dem Pilz Cäsium 137 aufnehmen. Als in Baden-Württemberg vor drei Jahren 240 erlegte Wildschweine untersucht wurden, war fast ein Fünftel von ihnen mit mehr als 600 Becquerel pro Kilogramm belastet.

Eine ähnliche Weitergabe von Strahlung fürchtet Verbraucherschützerin Schwartau nun auch im Meer. "Wir wissen, dass sich die Strahlung in der Nahrungskette anreichert. Raubfische haben deshalb eine höhere Belastung." Bislang mangele es aber an Daten aus Japan, um die Bedenken zu überprüfen. "Es gibt sehr wenig Informationen."


Positiver bewertet Schwartau, dass Industrievertreter diesmal von sich aus auf verstärkte Kontrollen und Information der Kunden setzen. So informiert etwa der Teegroßhändler Gschwender seine Kunden im Internet, dass der derzeit verkaufte Grüntee noch aus der Ernte 2010 stamme. Mit Blick auf die anstehende Ernte heißt es offen, man könne "zurzeit noch nicht abschätzen", ob die eigenen Anbaugebiete betroffen seien.


"Das ist anders als nach Tschernobyl", sagt Schwartau über die Informationspolitik. Auch Wissenschaftler Rieth glaubt, dass die Warnsysteme in Deutschland heute wesentlich besser funktionieren. "Damals war völliges Chaos. Keiner wusste, wie die Werte vorher waren."

Deutsche Fisch-Esser könnte noch ein weiterer Umstand beruhigen: Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters sind die Materialschäden durch den Tsunami so schwer, dass japanische Fischer manche Sorten für mindestens ein Jahr überhaupt nicht mehr liefern können.

Donnerstag, 10. März 2011

Berichte über tausendfache Fehlberatung bei AWD

Berichte über tausendfache Fehlberatung bei AWD

Der Finanzdienstleister AWD hat Privatanlegern in Deutschland nach Medienberichten in bislang ungeahntem Ausmaß hochriskante Beteiligungen an Immobilienfonds empfohlen. Wie das Magazin "Stern" unter Berufung auf eine interne Kundenliste von AWD berichtet, vertrieb das Unternehmen allein aus der Serie der Drei-Länder-Fonds in den neunziger Jahren mehr als 34.000 Beteiligungen mit einem Wert von insgesamt rund einer Milliarde Euro. Die meisten Anleger hätten mit diesen Fonds viel Geld verloren, da ihre Beteiligungen inzwischen nur noch einen Bruchteil wert seien.

Berichte über tausendfache Fehlberatung bei AWD

Die Liste belegt nach Angaben des NDR-Magazins "Panorama" erstmals, dass die AWD-Berater an mindestens ein Fünftel der Kunden die hoch riskanten Beteiligungen auf Kredit verkauften. Als wegen schlechter Entwicklung der Fonds die Ausschüttungen zurückgegangen oder gar ganz ausgeblieben seien, hätten diese Kunden nicht nur ihr Investments verloren, sondern seien auch auf hohen Kreditschulden sitzen geblieben.

Der Düsseldorfer Anwalt Julius Reiter, der seit Jahren AWD-Opfer vertritt, geht laut "Stern" und "Panorama" davon aus, dass der Finanzdienstleister bei seinen Kunden durch die Vermittlung zahlreicher Finanzprodukte einen Gesamtschaden in Milliardenhöhe verursachte.

AWD-Sprecher Béla Anda verwies dem "Panorama"-Bericht zufolge auf das Geschäftsgeheimnis, als er zu der Liste befragt wurde. AWD-Gründer Carsten Maschmeyer gehört mit mehreren hundert Millionen Euro Vermögen zu den reichsten Männern Deutschlands.

Samstag, 5. März 2011

Debatte über Neuwahlen in NRW

Debatte über Neuwahlen in NRW

Düsseldorf (dapd). Die NRW-SPD droht zehn Tage vor dem mit Spannung erwarteten Urteil des Verfassungsgerichtshofs in Münster zum nordrhein-westfälischen Nachtragsetat 2010 mit Neuwahlen. Fraktionschef Norbert Römer sagte: "Wenn die CDU weiterhin die verfassungsrechtliche Auseinandersetzung sucht, werden wir die Wähler befragen." Das werde nach dem Urteil umgehend geschehen, man werde nicht warten, bis der Gerichtshof sein Urteil über den Haushalt 2011 gefällt habe. CDU-Landeschef Norbert Röttgen hatte in einem Interview bereits eine Klage angekündigt, sollte die rot-grüne Minderheitsregierung keinen verfassungskonformen Haushalt für 2011 vorlegen.




Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) schaltete sich auf ihrer Auslandsreise nach Israel in die Debatte ein. "Klar ist, dass wir über den künftigen Kurs von Nordrhein-Westfalen politisch diskutieren müssen und nicht ständig vor dem Landesverfassungsgericht", konterte sie Röttgens Ankündigung. Politik dürfe sich "nicht selbst entmündigen".

SPD-Sprecher Ralf Kapschack räumte ein, dass Neuwahlen nichts an der Verfassungsmäßigkeit des Etats ändern würden. Er verteidigte die Drohung jedoch damit, dass es unabhängig von einem möglichen Richterspruch darum gehe, das Thema "von der Rechtsebene auf eine politische Ebene" zu bringen. Bevor man sich "dauerhaft lähmen" lasse, müsse man über Neuwahlen nachdenken.

Finanzstaatssekretär Steffen Kampeter (CDU), erwartet hingegen keine raschen Neuwahlen. Vielmehr setze er seine Hoffnungen darauf, dass der Gerichtshof die rot-grüne Minderheitsregierung in Düsseldorf zu einer "korrekten Haushaltsführung" zwinge. Dann werde die CDU-Opposition im Landtag "diesen Prozess konstruktiv begleiten", sagte Kampeter.

Vor Neuwahlen müsste Landtag aufgelöst werden

Vor dem höchsten NRW-Gericht läuft derzeit ein Rechtsstreit über zusätzliche Schulden im Nachtragshaushalt 2010. CDU und FDP hatten geklagt, weil sie unter anderem die 1,3 Milliarden Euro hohe WestLB-Risikovorsorge für unnötig und verfassungswidrig halten. SPD und Grüne werfen der alten schwarz-gelben Regierung hingegen vor, Etatrisiken im Stammhaushalt 2010 verschleiert zu haben.

Das für den 15. März erwartete Urteil des Gerichts könnte noch Auswirkungen auf den Haushalt 2011 haben, der wohl im Mai oder Juni vom Düsseldorfer Landtag verabschiedet wird. In beiden Haushalten liegt die Nettoneuverschuldung auf dem nordrhein-westfälischen Rekordniveau von 7,1 Milliarden Euro. Die Opposition erwartet ein Scheitern. Laut Verfassung darf die Neuverschuldung normalerweise nicht über der Höhe der Investitionen liegen. Angesichts der Störung des gesamtwirtschaftlichen Gleichgewichts sei die hohe Nettoneuverschuldung jedoch "gerechtfertigt", hatte SPD-Finanzminister Norbert Walter-Borjans gesagt.

An Rhein und Ruhr wird seit Monaten immer wieder über Neuwahlen spekuliert. Voraussetzung ist die Auflösung des Landtages, in dem SPD und Grüne gemeinsam über 90 Mandate verfügen. Die absolute Mehrheit, die bei einer Abstimmung über eine Auflösung notwendig ist, liegt bei 91 Stimmen. Um Neuwahlen zu verhindern, müssten alle 91 Abgeordneten von CDU, FDP und Linkspartei geschlossen gegen eine Auflösung des Landtages votieren.

Joop will Wunderkind zurückkaufen

Joop will Wunderkind zurückkaufen

Potsdam (dpa) - Der Potsdamer Modedesigner Wolfgang Joop (66) will beim Label Wunderkind wieder den Ton angeben.




In den kommenden Tagen werde er vom Investoren-Ehepaar Hans-Joachim und Gisa Sander deren Anteile übernehmen, sagte Joops persönlicher Sprecher Edwin Lemberg am Samstag und bestätigte einen Bericht der «Potsdamer Neuesten Nachrichten». Im Anschluss wolle sich der Designer einen Investor an Bord holen. «Dazu laufen gleichzeitig Verhandlungen mit drei potenziellen Investoren», so der Sprecher. Einer von ihnen soll dann in das Mode-Unternehmen einsteigen.

Die Marke Wunderkind ist laut Lemberg je zur Hälfte im Besitz von Joop und dem Ehepaar Sander. Vom Unternehmen befinden sich jedoch 65 Prozent der Anteile in der Hand der Kunstsammler und Wella-Erben Sander. Für diese verfügt Mitinhaber Joop über ein Vorkaufsrecht - das er nun nutzen will. Über die Höhe des Kaufpreises könne noch nichts gesagt werden, so Lemberg. Auch zu den Investoren schwieg er zunächst.

Der Verkauf würde einen Schlusspunkt setzen unter einen längeren Streit über die Ausrichtung von Wunderkind. Der Modeschöpfer hatte auf zugesagte Investitionen des Kunstsammler-Paares gepocht. Anfang des Jahres schien es, als ob sich das Ehepaar durchgesetzt hätte. Das Modelabel befindet sich im Umbau, es gab Entlassungen. Der Firmensitz sollte von Potsdam nach Berlin verlegt werden. Zuletzt hieß es, die Sanders hätten sich auf einen Kaufvertrag mit dem Finanzinvestor Clemens Vedder verständigt.

Inzwischen ist der Umzug von Potsdam nach Berlin jedoch laut Lemberg vom Tisch. Mit dem Rückkauf des Labels soll die Kreativität des Gründers Joops wieder zum Tragen kommen. «Wir denken, dass wir bei den Herbstschauen in Paris wieder dabei sind - mit einer neue Kollektion», sagte Lemberg. Auch in Mailand wolle sich das Unternehmen präsentieren. Wegen der schwierigen Finanzlage des Unternehmens und dem Streit unter den Inhabern wird derzeit nicht an einer Kollektion gearbeitet. «Mit seinen neuen Partner will Wolfgang Joop wieder die Dynamik für Wunderkind aufbringen», sagte Lemberg.