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Montag, 20. Juni 2011

Fotos enthüllen neue Details des Kannibalen

Fotos enthüllen neue Details des Kannibalen

Die Galaxie Centaurus A ist eines der spektakulärsten Himmelsobjekte, das die Astronomen kennen
Centaurus A ist eines der spektakulärsten und besterforschten Himmelsobjekte. Doch neue Teleskop-Aufnahmen des kosmischem Kannibalen überraschen selbst Experten.

Für ihre jüngsten Aufnahmen nutzten Astronomen die fortschrittliche Wide Field Camera 3 des Hubble-Weltraumteleskops. Sie lichtete Centaurus A in nie gekannter Detailfülle ab. Mit einer Entfernung von knapp zwölf Millionen Lichtjahren ist Centaurus A die unserer Milchstraße am nächsten gelegene Riesengalaxie. Ihr Durchmesser beträgt rund 150 000 Lichtjahren, damit übertrifft sie unsere Milchstraße um das 1,5-fache. Katalogisiert wurde sie 1847 von dem berühmten britischen Astronomen John Herschel, dem sie wegen ihres einzigartigen Erscheinungsbilds aufgefallen war.

Insbesondere zeigen die in mehreren Spektralbereichen angefertigten Hubble-Bilder die dunklen Staubwolken, die den Kern der Galaxie umschlingen, in herausragender Klarheit. Dabei entsteht ein plastischer Gesamteindruck der Sterneninsel, wie er sich einem Beobachter in einem Raumschiff böte, das in einiger Entfernung an ihrer Flanke schwebt. Die spinnwebfeinen Materiegewebe werden sichtbar, weil die Hubble-Kamera auch Anteile aus dem infraroten und UV-Bereich des Spektrums registriert. Sie enthüllen Strukturen, die im sichtbaren Licht nicht zu erkennen sind, weil der Staub sie verbirgt. Für diese Wellenlängenbereiche sind die dunklen Wolken aber durchlässig. Hobbyastronomen können Centaurus A mit einem guten Fernglas erkennen, während in Amateurteleskopen bereits die Staubwolken sichtbar sind.

Centaurus A verschlingt kleine Spiralgalaxie

Frühere Aufnahmen mit erdgebundenen Teleskopen zeigen, dass die Dunkelwolken nicht nur den Kern umschließen, sondern die gesamte Galaxie durchziehen. Zugleich ließen sie große Sternentstehungsgebiete erkennen, die in der Aufnahme als rötliche Flecken erscheinen. Den Grund für die rasante Neubildung von Sternen kennen die Himmelsforscher schon länger: Centaurus A verschlingt gerade eine kleinere Spiralgalaxie, mit der sie vor 200 bis 700 Millionen Jahren kollidierte. Die Staubwolken sind die Überreste des kleineren Kollisionspartners, der in der größeren Galaxie aufging. Deren Schwerkraft verbog die Scheibe des Spiralnebels und riss auch lang gestreckte Gasfilamente aus ihm heraus. Die Schockwelle des Aufpralls schob Wolken aus Wasserstoffgas zusammen. Ihre Materie verdichtete sich, sodass schließlich die Sternentstehung zündete.

Diese Historie des galaktischen Zusammenpralls konnten Astronomen der Europäischen Südsternwarte anhand von Infrarot-Aufnahmen rekonstruieren, die sie 2009 mit dem 3,6-Meter-Spiegel des „New Technology Telescope“ anfertigten, das auf dem Berg La Silla in Chile steht. Auf den Bildern zeichnete sich eine ringförmige Struktur von etwa 16 500 Lichtjahren Durchmesser ab, die den Kern der elliptischen Sterneninsel umschlingt. Der Ring besteht aus Tausenden von Sternen und Sternhaufen, die vermutlich zum großen Teil erst durch den Verschmelzungsprozess der beiden Sterneninseln entstanden.


Das größte Radioteleskop der Welt

Das größte Radioteleskop der Welt

China ist nicht nur in der Industrie mitten im „Großen Sprung nach vorn“, sondern auch in der Astronomie. Das zeigt sich an dem Plan, das größte Radioteleskop der Welt zu bauen.

Im Moment steht das größte Radioteleskop der Welt in Puerto Rico im National Astronomy and Ionosphere Center, Arecibo

Es entsteht in der südchinesischen Provinz Guizhou, Baubeginn war vor wenigen Wochen. Das Ohr zum All wird riesig: Sein Reflektor soll 500 Meter Durchmesser haben. Damit übertrifft es den bisherigen Rekordhalter, das 305-Meter-Teleskop von Arecibo auf Puerto Rico, bei weitem. „Five-hundred-metre Aperture Spherical Radio Telescope“ (Fast) nennen seine Konstrukteure den Koloss, zu deutsch: Sphärisches Radioteleskop mit 500 Meter Öffnung.

Sphärisch deshalb, weil der Reflektor des Teleskops eine kugelförmige Geometrie hat. Wie eine riesige Schüssel wird er in ein 800 Meter breites Tal eingepasst. Diese Konstruktion gleicht der von Arecibo. Dort gibt es ebenso wie in Guizhou eine ausgedehnte Karstlandschaft. Sie ist übersät von Dolinen, die entstanden, weil das Wasser über Äonen den dort dominierenden Kalkstein auswusch. Anhand von Satellitenbildern und Geländeexkursionen wählten Forscher der National Astronomical Observatories (NAO) in Peking die von Bergen umgebene Senke aus. Sie ist weit genug von Bevölkerungszentren entfernt, um vor Störstrahlung aus technischen Radioquellen sicher zu sein. Allerdings ist das Gebiet nicht völlig unbewohnt. Am Grund der Senke lebten rund 80 Menschen in einem kleinen Dorf. Darunter waren einige Kinder, die auf dem Weg zur Schule jeden Tag über die Berge gehen mussten. Diese Menschen wurden nach Angaben der NAO in die nächste Stadt umgesiedelt.

Gigantisch, aber unbeweglich

Für den Bau des Reflektors müssen Arbeiter eine Million Kubikmeter Boden bewegen. Sie schaffen in dem Tal eine halbkugelförmige Konstruktion, auf der die 4400 dreieckigen Aluminiumlatten ruhen, die zusammen den Reflektor bilden. Er bündelt die aus dem All einfallenden Radiowellen auf die eigentliche Antenne, die – an Kabeln befestigt – im Focus des Reflektors hängt. Die Grundkonstruktion gleicht damit dem Radioteleskop von Arecibo. Doch einen entscheidenden Unterschied gibt es: Die Anlage auf Puerto Rico hat einen unbeweglichen Reflektor mit kugelförmiger Geometrie. Er reflektiert die einfallende Strahlung auf weitere Spiegel, die in einer Kuppel an einem bogenförmigen, über 100 Meter langen Arm untergebracht sind. Dieser wiederum ist an einer großen Plattform befestigt, die an Kabeln über dem Reflektor hängt.

Die Kuppel ist beweglich und kann so das größte Manko des Riesenteleskops ausgleichen: Weil es nicht schwenkbar ist, kann es nur die Strahlung aus dem gerade über ihm liegenden Teil des Firmaments empfangen. Die Kuppel lässt sich aber an dem Arm entlang bewegen. Die Reflektoren darin können so Strahlung aus verschiedenen Himmelsarealen empfangen oder Objekte verfolgen, die durch die Erddrehung aus dem Focus laufen. Sie fokussieren die Radiowellen auf Hornantennen, die den Wellensalat zu den Detektoren leiten.

Eine vergleichbare Konstruktion würde über 10 000 Tonnen wiegen. Deshalb ersannen die Konstrukteure eine Alternative: Sie nutzen den großen Primärreflektor, um die einfallenden Signale zu bündeln. Dazu wird jeweils eine gewisse Zahl der Aluminiumplatten zu einem Subreflektor zusammengefasst. Ein System aus Kabeln und Motoren formt sie zu einem Parabolspiegel von 300 Meter Durchmesser, der damit fast ebenso groß ist wie das Teleskop von Arecibo. Diese Untereinheit lässt sich überall auf dem 500 Meter durchmessenden Reflektor positionieren. Sie reflektiert die Wellen in einen Empfänger, der an Kabeln über dem Reflektor hängt. Durch diese Technik können die Astronomen bis zu 19 Himmelsareale simultan in verschiedenen Wellenlängenbereichen des Radiospektrums beobachten. In Arecibo lassen sich nur sieben Gebiete am Firmament parallel erfassen.

Ein beeindruckendes Objekt

Touristen besichtigen das „Ohr zum All“

Auf diese Weise kann Fast sein Gesichtsfeld ausweiten und größere Himmelsareale beobachten. Ebenso ermöglicht der technische Trick das Nachführen des Focus, um Himmelsobjekten auf ihrem Weg über das Firmament zu folgen. „Fast ist ein beeindruckendes Objekt“, erklärt der Astronom Subramaniam Ananthakrishnan vom National Centre for Radio Astrophysics im indischen Pune. „Wenn es fertig gestellt ist, wird es das größte und empfindlichste Radioteleskop der Welt sein.“ Im September 2016 soll der Koloss in Betrieb gehen.

Die Riesenantenne kann dann Signale aus einer dreimal größeren Entfernung empfangen als Arecibo. Die Himmelsforscher erwarten, Zehntausende neuer Galaxien und andere Himmelsobjekte zu finden, die bis zu sieben Milliarden Lichtjahre entfernt sind. Dazu zählen Pulsare und Supernova-Überreste. Solche Beobachtungen können helfen, die Allgemeine Relativitätstheorie Albert Einsteins zu testen. Viele der Galaxien werden im sichtbaren Licht unsichtbar bleiben. Fast kann sie jedoch anhand der Strahlung identifizieren, die das neutrale Wasserstoffgas in ihren Scheiben emittiert. Daraus können die Forscher Schlüsse über die Evolution des Universums und die Natur der Dunklen Materie ziehen.

Erde an ET

Mit dem neuen Riesenteleskop verfolgen die Astronomen noch einen besonderen Zweck. Wie schon mit der großen Schüssel von Arecibo wollen sie damit nach Signalen außerirdischer Zivilisationen lauschen und dazu 5000 sonnenähnliche Sterne anpeilen. „Fast könnte einen starken Sender, mit dem Radarwellen abgestrahlt werden, noch in 1000 oder mehr Lichtjahren Distanz aufspüren“, meint der Astrophysiker Seth Shostak vom SETI Institute im kalifornischen Ort Mountain View.

Umgekehrt lässt sich das neue Radioteleskop auch als Sender nutzen. Seine Riesenschüssel reflektiert Signale, die hineingestrahlt werden, hinaus ins All. Bei der Antenne von Arecibo haben dies die Astronomen Frank Drake und Carl Sagan bereits praktiziert. Im November 1974 sandten sie eine Botschaft in Richtung des Kugelsternhaufens Messier 13, der in rund 25 000 Lichtjahren Entfernung im Sternbild Herkules steht. Sie enthält binär codierte Informationen über die Biologie des Menschen, die Menschheit sowie die Erde. Ziel ist, Kontakt mit einer außerirdischen Intelligenz aufzunehmen. Den Kugelsternhaufen wählten die Forscher aus, weil sich darin sehr viele Sterne auf engstem Raum tummeln. Dies sollte die Chance erhöhen, auf eine bewohnte Welt zu treffen. Mittlerweile haben die Signale gut 270 Billionen Kilometer zurückgelegt. Auf eine Antwort – so denn eine kommt – müssen die Nachfolger von Drake und Sagan allerdings noch eine Weile warten: Bei der Laufzeit der mit Lichtgeschwindigkeit fliegenden Funkwellen könnte die Rückmeldung einer technisch entwickelten Zivilisation frühestens nach knapp 50 000 Jahren auf der Erde eintreffen.

Samstag, 30. April 2011

Japans Atomberater wirft Regierung Rechtsbruch vor

Japans Atomberater wirft Regierung Rechtsbruch vor

Weinender Atomberater Kosako: "Ich kann das als Wissenschaftler nicht zulassen"



Der Atomberater des japanischen Ministerpräsidenten hat seinen Rücktritt erklärt - weil die Regierung nach seiner Ansicht geltendes Recht bricht. Japans Führung findet ihr Krisenmanagement zwar weiter tadellos, doch viele Menschen sehen das mittlerweile anders.

Tokio - Es war ein Abgang voller Wut und Trauer. Toshiso Kosako, offizieller Atomberater der japanischen Regierung, hat seinen Job hingeschmissen. Die Regierung halte sich nicht an geltende Gesetze, beklagte Kosako unter Tränen bei einer Pressekonferenz. Sein Eindruck sei, dass man sich nur mit Notlösungen und Provisorien über die Zeit rette, anstatt eine wirkliche Lösung für die Atomkrise zu suchen.

Das Kabinett habe seinen Rat zum Umgang mit der Krise von Fukushima ignoriert. Und weil niemand auf ihn höre, habe es "keinen Sinn, dass ich auf meinem Posten bleibe", sagte Kosako. So sei der von der Regierung eingeführte Grenzwert von 20 Millisievert pro Jahr für die Strahlenbelastung von Schülern in der Nähe von Fukushima inakzeptabel. "Ich kann das als Wissenschaftler nicht zulassen", sagte Kosako.



Zum Vergleich: Der Wert entspricht der Höchstdosis für einen deutschen Atomkraftwerksmitarbeiter. Zahlreiche Experten hatten sich bereits kritisch zu diesem Grenzwert für die Schüler geäußert. "Das ist viel zu viel", sagt Shaun Burnie, der als unabhängiger Experte für Greenpeace arbeitet, dem SPIEGEL. "Kinder sind doch viel strahlenempfindlicher als Erwachsene." Edmund Lengfelder vom Otto Hug Strahleninstitut beklagte: "Man nimmt damit ganz bewusst zusätzliche Krebsfälle in Kauf. Durch den Grenzwert ist die Regierung juristisch aus dem Schneider - moralisch aber nicht."

Parlament beschließt Nothaushalt

Bei seinem Rücktritt kritisierte Regierungsberater Kosako nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Kyodo auch mangelnde Transparenz bei der Strahlungsmessung rund um die Meiler von Fukushima und die Anhebung der Grenzwerte für Arbeiter in der Anlage. Der Professor für atomare Strahlung an der Universität Tokio war im März von Ministerpräsident Naoto Kan zum Regierungsberater ernannt worden. Das Amt gilt in Japan als prestigeträchtig. Es kommt äußerst selten vor, dass Wissenschaftler solch einen Posten aus Protest räumen.


Ministerpräsident Kan verteidigte das Krisenmanagement seiner Regierung am Samstag noch einmal. Man stütze sich auf die Empfehlungen eines Expertenkomitees, sagte er im Parlament. Kosako sei aufgrund von Meinungsverschiedenheiten unter Fachkollegen zurückgetreten. "Wir begrüßen unterschiedliche Sichtweisen unter unseren Beratern", so Kan. Das Unterhaus des Parlaments beschloss am Samstag einen Nothaushalt im Umfang von 48 Milliarden Dollar, um die Schäden in den verwüsteten Landesteilen langsam auszubessern. Am Montag muss noch das Oberhaus des Parlaments zustimmen.


In einer Umfrage der Agentur Kyodo erklären 76 Prozent der befragten Japaner, sie seien unzufrieden mit Kans Führung nach Erdbeben, Tsunami und Atomkatastrophe. Knapp ein Viertel forderte, der Ministerpräsident solle sofort zurücktreten. Im Yoyogi Park in Tokio trafen sich am Samstag rund 450 Demonstranten, um gegen die Regierung zu protestieren. Sie schlugen Trommeln und skandierten Parolen gegen die Atomkraft. "Elektrizität in Tokio - Opfer in Fukushima" war auf einem Transparent zu lesen. "Ich wusste immer, dass Atomkraft gefährlich ist", sagte eine der Demonstrantinnen, Yoshiko Nakamura. "Das ist eine gute Möglichkeit, meine Ängste zu äußern."

Die deutsche Botschaft in Japan arbeitet seit Freitag wieder vollständig von Tokio aus. Das hat das Auswärtige Amt mitgeteilt. Die Auslagerung nach Osaka sei beendet. Mitte März war der Botschaftsbetrieb von der japanischen Hauptstadt zunächst komplett in die etwa 500 Kilometer entfernte Stadt verlegt worden. Hintergrund waren Bedenken wegen radioaktiver Strahlung aus der Atomanlage in Fukushima. Zuletzt waren Botschaftsmitarbeiter sowohl in Tokio als auch in Osaka tätig.


Sonntag, 10. April 2011

Warum die Erde nicht zur Ruhe kommt

Warum die Erde nicht zur Ruhe kommt

Ein Monitor zeigt eine Grafik des Epizentrums des juengsten schweren Nachbebens in Japan


Wieder erzitterte der Nordosten Japans. Ein schweres Nachbeben erschütterte östlich der Küstenstadt Sendai die Erde. Und es wird nicht das letzte sein.
Allein 262 Mal erzitterte die Erde in der Woche nach dem 11. März. Die Nachbeben hätten die Stärke 5 oder mehr gehabt, teilte das Meteorologische Institut in Japan mit. Nun ereignete sich am Donnerstag das bisher stärkste Nachbeben mit einer Magnitude von 7,4.

Experten des Geoforschungszentrums Potsdam (GFZ) glauben, dass noch über Monate starke Beben auftreten werden. Dabei könnten die Erschütterungen eine Magnitude von 7 oder 8 erreichen, prognostizieren sie. „Man kann von der Faustregel ausgehen, dass die stärksten Nachbeben etwa eine Stufe kleiner sind als das Hauptbeben“, sagt Jochen Zschau vom GFZ. Genaue Vorhersagen über die Stärke sind aber nicht möglich. Bedroht ist die gesamte Region, die vom Hauptbeben im März erschüttert wurde, auch Randgebiete der Krisenregion sind betroffen.

Spannungsverlagerungen auf Nachbarsegmente
Der Grund für die Nachbeben: Durch das Brechen des Gesteins werden ungeheure Kräfte frei, die zu physikalischen Veränderungen entlang der Störungszone führen.

Vor der Küste Japans stoßen die pazifische und die eurasische Platte aufeinander. Die pazifische Platte schiebt sich unter die eurasische. Das Gestein verhakt sich, sodass die eurasische Platte von der pazifischen mit nach unten gezogen wird. Wird die Spannung zu groß, bricht das Gestein, die Oberfläche reißt auf. Das geschah am 11. März 2011. Die eurasische Platte schnellte wieder nach oben. Dadurch wurden riesige Wassermassen nach oben verdrängt – es entstand ein Tsunami.

Nun bilden sich neue Verhakungen im Erdmantel, erklärt Thomas Jahr vom Institut für Geowissenschaftlen der Universität Jena. Das gesamte Spannungsmuster verändert sich. An manchen Stellen kann das Gestein dem Druck der Verhakung nicht standhalten, es entstehen neue Brüche, die als Nachbeben zu spüren sind.

Die Spannung verlagert sich zum Teil auch auf die Nachbarsegmente, die dann ebenfalls brechen können. Nach dem Dezember-Erdbeben vor Sumatra 2004 mit der Magnitude 9,1 zum Beispiel folgte 2005 das Osterbeben auf dem nach Süden angrenzenden Segment, erklärt Birger Lühr vom GFZ. Dieses hatte die Magnitude 8,7. Auch auf das Izmit-Beben in der Türkei 1999 der Magnitude 7,1 folgte auf dem im Osten anschließenden Segment das Düzce Erdbeben vom 12. November mit einer Magnitude von 7,1.

„Noch nach Jahren wird sich die Aktivität in der Region nicht völlig beruhigt haben“, sagt Zschau. Die Gefahr eines großen Nachbebens allerdings „dürfte in etwa einem Jahr vorbei sein“.

Samstag, 26. März 2011

AKW Fukushima Sorgenfall Reaktor 3

AKW Fukushima Sorgenfall Reaktor 3

AFP/ MINISTRY OF LAND, INFRASTRUCTURE AND TOURISM VIA JIJI PRESS

Im japanischen Unglücks-AKW Fukushima wird immer deutlicher: Reaktor 3 ist das gefährlichste Problem. Möglicherweise ist der Druckbehälter beschädigt - und ausgerechnet in diesem Meiler wird neben Uran auch das hochgiftige Plutonium verwendet.

Reaktordruckbehälter im Block 3 der havarierten Atomanlage Fukushima I ist nach Angaben der Betreiberfirma Tepco möglicherweise beschädigt", meldete die Nachrichtenagentur AFP. Eine Beschädigung sei "möglich", sagte ein Tepco-Sprecher. In Reaktor 3 befinden sich - anders als in den anderen fünf Reaktoren des Kraftwerks Fukushima I - sogenannte Mischoxid-Brennstäbe. Sie enthalten neben Uran auch Plutonium, ein hochradioaktives, extrem giftiges Schwermetall.

Um 9.35 Uhr aber meldete die Agentur Reuters: "Für Block 3 gibt es nach Angaben der Atomsicherheitsbehörde keine Hinweise auf ein Auseinanderbrechen des Reaktors." Später, um 11.06 Uhr, legt Reuters nach: Risse im Container von Reaktor 3 und den Druckbehältern seien unwahrscheinlich.


Zwei Quellen, zwei Aussagen. Ist der Reaktordruckbehälter nun beschädigt oder nicht? Falls ja, wie schwer? Und welche Auswirkungen hat das - für die Arbeiter vor Ort, für die Reparaturen an den anderen Reaktoren, für die gesamte Anlage, für die Umwelt, für die japanische Bevölkerung und möglicherweise den Rest der Welt?

Es gibt immer noch keine Klarheit

Zwei Wochen sind nach dem verheerenden Erdbeben in Japan und dem Beginn des Reaktorunfalls vergangen. Klarheit über den tatsächlichen Zustand der Anlage gibt es bisher nicht. Auf unzähligen Kanälen laufen Informationsschnipsel ein. Sie alle geben einen kurzen und lokal begrenzten Ist-Zustand wieder - manchmal richtig, manchmal falsch. Einen Überblick zu gewinnen oder daraus gar mögliche Folgen abzuleiten, ist äußerst schwierig.

Die Frage, ob das Kernkraftwerk überhaupt noch unter Kontrolle zu bringen ist, bleibt von den meisten Experten unbeantwortet. Die Lage in Fukushima I, so fasst es der japanische Premierminister Naoto Kan zusammen, sei auch zwei Wochen nach dem Beben noch immer "äußerst unvorhersehbar".

Unvorhersehbar ist auch, welche Gesundheitsschäden die Arbeiter vor Ort davontragen. Drei von ihnen bekamen am Freitag beim Kabellegen im Maschinenhaus bei Block 3 Strahlungsdosen von mehr als 170 Millisievert ab. Zwei erlitten sogar eine Kontamination der Haut an den Beinen und dadurch Verbrennungen. Jetzt forderte die Atomaufsichtsbehörde die Betreiberfirma Tepco auf, die Sicherheitsbedingungen für die in der Anlage arbeitenden Techniker zu verbessern. Eine Untersuchung solle klären, warum die drei Mitarbeiter verstrahlt wurden.

Die Lage im Reaktorblock 3 ist auch deshalb besonders beunruhigend, weil dort seit einigen Monaten nicht nur Uran-, sondern auch Mox-Brennelemente eingesetzt werden. Derartige Brennstäbe sind weltweit in vielen Druckwasser- und Siedewasserreaktoren im Einsatz. Auch in Deutschland wurden bis 2008 insgesamt neun AKW teilweise mit Mox-Elementen betrieben. Sie bergen aber ein größeres Risiko, denn sie haben einen höheren Anteil an Plutonium 239.

Die Inhalation von 40 Milliardstelgramm Plutonium 239 genügt, um eine akute Strahlenbelastung von 15 Sievert im Körper zu verursachen. Dann kommt es zu einer schweren Strahlenkrankheit (siehe Kasten links), die innerhalb weniger Tage tödlich endet. Zudem ist Plutonium 239 ein hochgiftiges Schwermetall, das sich in Knochen festsetzen kann, und eines, das erst nach 24.110 Jahren zur Hälfte zerfallen ist.


Eine Beschädigung ist "möglich"

Eine größere Freisetzung von Plutonium in die Umwelt wäre deshalb "äußerst bedenklich", wie Joachim Knebel, Reaktorexperte am Karlsruher Institut für Technologie (KIT), bereits vor einigen Tagen sagte. Ob Plutonium 239 aus Reaktor 3 freigesetzt werden kann oder nicht, ist derzeit nicht klar. Das hängt vor allem davon ab, wie stark der Reaktordruckbehälter sowie der Sicherheitsbehälter in Mitleidenschaft gezogen wurden.


Das heißt, die Strahlung des Plutoniums reicht in der Luft nur einige Zentimeter weit und wird zum Beispiel schon von einem Blatt Papier oder von Stoffhandschuhen vollständig zurückgehalten. Ist es allerdings erst einmal im Körper, kann die Alphastrahlung schwere Schäden an den Organen anrichten.

Unklar ist auch, wie viel Plutonium derzeit noch in den Brennelementen von Reaktor 3 steckt. Neue Mox-Brennstäbe enthalten üblicherweise drei bis sechs Prozent Plutonium. Der Anteil sinkt jedoch mit der Dauer der Benutzung. Je höher der Anteil noch ist, desto höher ist die Gefahr, dass plötzlich wieder eine Kettenreaktion eintritt.


Nach Angaben der Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS) in Köln, die im Auftrag des Bundesumweltministeriums Informationen zur Lage aller Reaktoren in Fukushima I sammelt und bewertet, wird Reaktor 3 derzeit auf der Internationalen Bewertungsskala für nukleare Ereignisse (INES) auf Stufe 5 eingeordnet, das heißt, es handelt sich um einen "schweren Unfall". Die höchste Stufe 7 entspricht einem "katastrophalen Unfall", wie es in Tschernobyl der Fall war. Die Atombehörde schloss indes nicht aus, die Schwere der Vorfälle in Fukushima von Stufe 5 auf Stufe 6 heraufzusetzen.

Der GRS zufolge sind Reaktorkern und Brennstäbe von Reaktor 3 beschädigt, eine geringe Kernschmelze könnte möglicherweise schon stattgefunden haben. Zudem liegen die Brennstäbe teilweise oder ganz frei - "weit entfernt" vom Reaktor seien stark erhöhte Konzentrationen radioaktiver Substanzen gemessen worden, sagte ein Sprecher der japanischen Atomsicherheitsbehörde. Der Sicherheitsbehälter des Reaktors könne jedoch nach den vorliegenden Messdaten noch "auf einem gewissen Niveau" funktionieren. Und genau davon hängt es ab, wie es in Reaktor 3 in den kommenden Tagen und Wochen weitergehen wird. 

Dienstag, 8. März 2011

Forscher will außerirdisches Leben entdeckt haben

Forscher will außerirdisches Leben entdeckt haben

Bei der Untersuchung verschiedener Meteoriten hat ein Astrobiologe der Nasa nach eigenen Angaben Spuren außerirdischen Lebens entdeckt. Der Bericht soll nun von Experten kommentiert werden.

Brachte ein Meteorit das Leben auf die Erde?

Der Astrobiologe Richard Hoover veröffentlichte in dem US-Magazin „Journal of Cosmology“ Bilder, die Würmern ähnelnde kleine Kreaturen zeigen. Der Wissenschaftler hatte dafür Fragmente verschiedener Meteoriten, die Wasser und organische Materien einschließen können, in Scheiben geschnitten und diese unter dem Mikroskop untersucht.

Dabei fand Hoover Spuren, die wie Bakterien aussehen. Er bezeichnete diese als „autochtone Fossilien“. Seiner Ansicht nach stammen sie aus dem All und gelangten nicht erst auf den Meteoriten, nachdem dieser auf der Erde eingeschlagen war. Dies scheine zu beweisen, „dass es überall Leben gibt und dass das Leben auf der Erde von anderen Planeten stammen könnte“, schreibt Hoover in seinem Artikel, der auf der Website des Magazins zu lesen ist.

Der Chefredakteur des „Journal of Cosmology“, Rudy Schild, erklärte, Hoover sei ein „hoch angesehener Forscher und ein Astrobiologe von vorbildlichem Ruf bei der Nasa“. Die Zeitschrift habe nun hundert Experten eingeladen, den Bericht zu studieren und in den kommenden drei Tagen im Internet zu kommentieren. Ähnliche Berichte über außerirdisches Leben auf Meteoriten führten in der Vergangenheit wiederholt zu heftigen Debatten, wie Organismen im All überleben könnten.