Sonntag, 30. Oktober 2011

Millionen Amerikaner ohne Strom

Millionen Amerikaner ohne Strom




Gesperrte Straßen, verspätete Flugzeuge und Züge: Millionen US-Bürger sind an der Ostküste von einem Schneesturm überrascht worden. Drei Menschen kamen bereits ums Leben. Mehrere Bundesstaaten haben den Notstand ausgerufen.


New York - So früh wurde die Ostküste der USA seit Jahrzehnten nicht von einem Schneesturm heimgesucht: Über 2,2 Millionen Menschen sind zwischen Maryland und Massachusetts ohne Strom. Nach Angaben der Versorger werden sie noch bis Mittwoch ohne Elektrizität sein. Allein im Raum New York sind mehr als 1,3 Millionen Kunden ohne Strom - wobei "ein Kunde" zuweilen ein ganzer Wohnblock mit Dutzenden oder gar Hunderten Haushalten ist.

Drei Menschen starben nach CNN-Angaben. In Temple in Pennsylvania wurde ein 84-Jähriger in seinem Haus von einem Baum erschlagen, der die Schneelast nicht mehr tragen konnte und durch das Dach brach. In Hebron in Connecticut starb ein Mann in seinem Auto. In Springfield, Massachusetts, starb ein Mann an einem Stromschlag, als er eine Polizeiabsperrung ignorierte und an heruntergerissene Starkstromkabel geriet.


Auf den New Yorker Airports hatten Flüge bis zu 75 Minuten Verspätung. Am Flughafen John F. Kennedy mussten die Reisenden sechs Stunden und mehr Verspätung in Kauf nehmen. Andere Airports schlossen ganz - darunter der internationale Flughafen Newark. Auch die U-Bahnen fuhren unregelmäßig.

Es kam auch zu etlichen Zugausfällen in der Region. An einigen Orten erwarteten die Meteorologen bis zum Sonntag bis zu 25 Zentimeter Schnee. "Das ist sehr, sehr ungewöhnlich", sagte John LaCorte vom Nationalen Wetterdienst in State College, Pennsylvania. Zuletzt wurde in dem US-Staat 1972 ein größerer Schneesturm so früh im Herbst verzeichnet, wie LaCorte sagte. "Das wird sehr gefährlich."

Auf einer Linie zwischen Washington über Philadelphia und New York bis Boston und darüber hinaus sieht es eher nach Weihnachten als nach Halloween aus. In einigen Orten gab es 15 Zentimeter Schnee. Auch im Central Park in New York fielen bis zum Nachmittag etwa drei Zentimeter Schnee.

In New Jersey und anderen Bundesstaaten wurde der Notstand wegen des Stromausfalls ausgerufen. Die Elektrizitätsfirmen ließen Techniker aus anderen Staaten kommen, um die Leitungen zu reparieren.


Es wurde erwartet, dass der Sturm noch schlimmer wird, wenn er weiter nach Norden zieht. Der stärkste Schneefall wurde für Sonntag vorhergesagt. An der Küste wurde mit Windgeschwindigkeiten bis zu 80 Kilometern in der Stunde gerechnet. "Das ist eher wie im Februar", sagte Vaccaro.

Viele Wetterstationen verzeichneten Rekordwerte. Schnee im Oktober ist in der Region ungewöhnlich. Im New Yorker Central Park hat es seit Beginn der Wetteraufzeichnungen 1869 erst zweimal im Oktober geschneit - aber noch nie so viel wie jetzt beim dritten Mal.

Drei Tote durch Schneechaos in den USA

Drei Tote durch Schneechaos in den USA

Eine Fahrzeug im US-Bundesstaat New York wird von einem unter den Schneemassen umgestürzten Baum befreit

Ein Schneesturm legt den Nordosten der USA lahm. Flüge fallen aus, bis zu 2,3 Millionen Haushalte bekommen keinen Strom – auch die Demonstranten auf der Wall Street ziehen sich in ihre Zelte zurück. Doch das Gröbste steht noch bevor.

Ein überraschend früher und starker Wintereinbruch mit Schnee und Eis im Nordosten der USA hat am Samstag für Chaos im Flugverkehr und zu massiven Stromausfällen geführt. In 2,3 Millionen Haushalten und Geschäften fiel der Strom aus. An den internationalen Flughäfen in New York warteten Tausende von Menschen auf ihre verspäteten Flüge, in Newark im Bundesstaat New Jersey wurde der Flughafen komplett geschlossen. Auch auf den Straßen und Autobahnen herrschten teilweise chaotische Zustände, Bäume und Strommasten stürzten um. Es kam auch zu etlichen Zugausfällen in der Region. In insgesamt zwölf Bundesstaaten gab es eine offizielle Wintersturmwarnung.

Am meisten von den Stromausfällen betroffen war der Bundesstaat Connecticut. Gouverneur Dannel Malloy schätzte, dass bis Sonntag bis zu 550 000 Haushalte ohne Strom sein würden. „Wer keinen Strom hat, muss damit rechnen, dass er auch längere Zeit keinen Strom haben wird“, sagte er. Eine halbe Million Kunden waren es in New Jersey, darunter auch Gouverneur Chris Christie, der den Notstand in seinem Staat ausrief. Die Elektrizitätsfirmen ließen Techniker aus anderen Staaten kommen, um die Leitungen zu reparieren. In Pennsylvania wurde die Zahl der Haushalte ohne Strom auf knapp 380 000 geschätzt. Allein in der Metropolregion Philadelphia hätten 160 000 Kunden ohne Elektrizität auskommen müssen.



Mehr als 30 Zentimeter Neuschnee

In einigen Orten gab es 15 Zentimeter Schnee. Auch im Central Park in New York fielen bis zum Nachmittag etwa drei Zentimeter Schnee – laut CBS war das der größte Schneefall im Oktober seit Beginn der Wetteraufzeichnungen 1869. Die Demonstranten von „Occupy Wall Street“ verschanzten sich in ihren Zelten. Am stärksten betroffen waren jedoch Gebiete im Landesinneren, vor allem im Osten des Staates Pennsylvania, wie ein Sprecher des Wetterdienstes, Chris Vaccaro, mitteilte. An der Küste wurde mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 80 Kilometern in der Stunde gerechnet. „Das ist eher wie im Februar“, sagte Vaccaro.

Der verfrühte Schneesturm sollte nach Angaben des Nationalen Wetterdienstes bis Sonntag über weite Teile des Nordostens ziehen. Städte wie Allentown in Pennsylvania oder Worcester in Massachusetts mussten nach Angaben des TV-Senders „The Weather Channel“ gar mit mehr als 30 Zentimetern Schnee rechnen. Damit könnte der Sturm einen neuen Rekord für Oktober aufstellen. „Das ist sehr, sehr ungewöhnlich“, sagte John LaCorte vom Nationalen Wetterdienst in State College, Pennsylvania. Zuletzt wurde in dem US-Staat 1972 ein größerer Schneesturm so früh im Herbst verzeichnet, wie LaCorte sagte. „Das wird sehr gefährlich.“


Bereits drei Tote

Bislang hat der Schneesturm mindestens drei Menschen das Leben gekostet. In Pennsylvania kam ein 84-jähriger Mann ums Leben, als ein schneebeladener Baum auf sein Haus stürzte. In Connecticut wurde eine Person bei einem Verkehrsunfall getötet, der auf die Straßenverhältnisse zurückgeführt wurde. In Massachusetts wurde ein 20-Jähiger durch eine herabgestürzte Stromleitung getötet. Es wurde erwartet, dass der Sturm noch schlimmer wird, wenn er weiter nach Norden zieht. Der stärkste Schneefall wurde für Sonntag vorhergesagt.

Die betroffene Region wird nur sehr selten schon im Oktober von Winterwetter mit Minusgraden heimgesucht – in der Regel schneit es dort erstmals im Dezember. Bis Anfang November herrscht häufig der berühmte „Indian Summer“ mit sommerlichen Temperaturen und einer romantischen Laubfärbung. Touristen aus aller Welt machen deshalb zu dieser Zeit des Jahres im Nordosten der USA Urlaub. Der Schnee wird aber laut der Wettervorhersage ganz schnell wieder verschwunden sein – für die Wochenmitte werden wieder Temperaturen im zweistelligen Bereich erwartet.

Samstag, 16. Juli 2011

Termin-Frust und Krawall-Ängste vermiesen den Auftakt

Termin-Frust und Krawall-Ängste vermiesen den Auftakt

Zum Auftakt ein Risikospiel: Cottbus gegen Dresden. Die Zweitligasaison beginnt früh und voller Brisanz. Die Laune ihrer Verantwortlichen ist deswegen schon versaut.

Frankfurts Trainer Armin Veh

Der Plan hörte sich gar nicht schlecht an. Weil die Bundesliga von Jahr zu Jahr beliebter wird, hatte sich der Ligaverband DFL im vergangenen Spätherbst folgenden Gedanken überlegt: Die Zweite Bundesliga mit vielen finanziell wankenden Traditionsvereinen hat sportlich so viel zu bieten, dass sie mal aus dem Schatten der Ersten Liga heraus müsse. Also entschied man sich, den Saisonstart der Liga ein paar Wochen nach vorne zu verlegen – „das Alleinstellungsmerkmal der Liga stand für die meisten eindeutig im Vordergrund“, erklärt Augsburg-Manager Andreas Rettig, dessen Verein zwar mittlerweile erstklassig spielt, der jedoch als DFL-Vorstand an der Spielplanbestimmung beteiligt war.

Doch nun hat man den Salat. Ligaweit machte sich schon vor dem Auftakt an diesem Freitagabend Frust über den frühen Start breit. Eintracht Frankfurts Trainer Armin Veh etwa schimpfte: Für mich ist die Regelung Unsinn. Ein Praktiker kann das nicht initiiert haben.“ Cottbus-Trainer Claus-Peter Wollitz ging noch weiter: „Das ist unverantwortlich. Es ist eine Katastrophe, Schwachsinn, unlogisch.“ Und Hans-Jürgen Boysen, Trainer des FSV Frankfurt, der als einziger der 36 deutschen Profivereine gegen den Frühstart stimmte, sagt: „Ich sehe keine stichhaltigen Argumente dafür.“

Dresden hat nur einen Stürmer
 
Die Trainer fürchten Verletzungen wegen der kurzen Pause. Manche Vereine, etwa 1860 München, gaben ihren Spielern nur rund zweieinhalb Wochen frei, ehe sie zur Vorbereitung auf die neue Saison wieder antreten mussten. „Man muss aufpassen, dass man nicht überzieht. Die Spieler hatten kaum Regeneration“, sagte 1860-Trainer Reiner Maurer, und Aachens Coach Peter Hyballa erklärte: „Das ist einfach zu wenig. Mich würde mal interessieren, ob Mediziner oder Sportwissenschaftler dabei waren, als über den frühen Start gesprochen wurde.“

Neben den erwarteten Verletzungen aufgrund der arg verkürzten Erholungsphase, mit denen Aachens Manager Erik Meijer ab „Ende September, Anfang Oktober“ rechnet, ärgern sich die Vereine auch darüber, dass sie ihre Kader kaum planen konnten. Dresdens Trainer Ralf Loose etwa schimpfte, nach dem Aufstieg keine Zeit gehabt zu haben, seine Abgänge zu ersetzen. Nun hat er beim Saisonstart in dem Tschechen Pavel Fort nur einen Stürmer im Kader und sagt: „Natürlich habe ich Angst, dass er sich verletzt, denn dann stehe ich ohne Angriff da. Wir brauchen noch fünf Spieler.“


„Der Markt ist tot“
 
Und bei 1860 München haben sie sich nach der vermiedenen Pleite durch den Einstieg des arabischen Investors Hasan Ismaik einen derart knallharten Sparplan auferlegt, dass sie jene Spieler, die in ihren Augen zu viel Geld verdienen, lieber heute als morgen abgeben möchten. Das einzige Problem dabei: Noch gibt es keine Anfragen. 1860-Sportchef Florian Hinterberger erklärt: „Wir wollen Antonio Rukavina und Djordje Rakic abgeben. Aber der Markt ist tot. Wir Zweitligisten sind eben viel früher dran als alle anderen, da müssen wir uns gedulden.“

Doch die Terminierung ist nicht mal das größte Problem, mit der die Zweite Liga in die neue Saison startet. Weitaus größere Sorgen bereitet den Vereinen die Vielzahl sogenannter Risikospiele, die durch die brisante Ligakonstellation entsteht. Die Anhänger aller drei Aufsteiger – Dresden, Hansa Rostock und Eintracht Braunschweig – sind nicht unbedingt für ihr friedliches Auftreten bekannt. Und dass die Fans von Erstligaabsteiger Eintracht Frankfurt zuletzt sogar selbst als „Randalemeister“ feierten, löst bei den Zweitligaverantwortlichen auch nur geringe Begeisterung aus. Da überrascht es kaum, dass Rainer Wendt, der Vorsitzende der deutschen Polizeigewerkschaft, zuletzt vermutete: „Die Zweite Liga droht zur Chaos-Liga zu werden.“

Look des Tages: Brooklyn Decker

Look des Tages: Brooklyn Decker

In den USA ist sie in aller Munde: Brooklyn Decker ist Model, Schauspielerin und, nebenberuflich, Frau von Andy Roddick. Wem der Name kein Begriff ist, der sollte die nachfolgenden Bilder nicht versäumen. Für ihren Körper — und ihre Schuhe — braucht diese heiße Blondine nämlich einen Waffenschein.

Brooklyn Decker in scharfen Tretern (Bilder: Splash/WireImages)

Ihr Vorname steht für ein New Yorker Stadtviertel. Sie ist ein amerikanisches Model und war auf dem Cover der „Sports Illustrated" zu sehen. Als Schauspielerin hatte sie erst kleinere Nebenrollen in Fernsehserien wie „Chuck" oder „Ugly Betty". 2011 folgte dann ihr Kino-Debüt in der Komödie „Meine erfundene Frau" an der Seite von Adam Sandler und Jennifer Aniston. Brooklyn Decker ist ein wahrer Hingucker und außerdem mit Andy Roddick verheiratet. Doch es ist nicht der US-Tennisspieler, um den wir sie beneiden. Es ist ihr sexy Lederkleid und die scharfen Schuhe, die sie auf den ESPY Awards in Los Angeles trug.

In einem roten, hautengen Lederdress von Jay Ahr und goldenen High-Heels von Christian Louboutin war Brooklyn Decker sofort im Blitzlichtgewitter der Fotografen gefangen. Nur zu Nahe durften sie der Blondine nicht kommen. Schließlich herrscht bei den Schuhen mit den scharfen Spitzen aus Metall tatsächlich Verletzungsgefahr. Letztes Jahr veröffentlichte bereits Kim Kardashian ein Foto der trendigen Treter auf ihrer Webseite und schrieb: „Hab mich an einer der Spitzen geschnitten. Diese Schuhe sind gefährlich."

Die Hacken sind allerdings nicht nur bedrohlich, sondern zaubern auch wunderschöne, lange Beine. Die goldene Farbe bildet einen tollen Kontrast zum schulterfreien, blutroten Kleid, das die sexy Kurven der 24-Jährigen betont. Für den perfekten Stilbruch zum dunklen Gothic-Look des Kleides sorgen die gold schimmernden, leicht hochgesteckten Haare des Models. Dieser Style ist eindeutig hot!

Doch wie findet ihr den Look von Brooklyn Decker? Sind die Schuhe scharf oder nicht?

Dienstag, 5. Juli 2011

3-D ohne Brille

3-D ohne Brille

Zur IFA will Toshiba einen 3-D-Fernseher vorstellen, der ohne Brille funktioniert
Erst wenn für 3-D-Fernseher keine Brillen mehr nötig sind, dürfte die dritte Dimension den TV-Massenmarkt erobern. Toshiba will zur IFA mit einem Seriengerät vorpreschen. Auch ein Notebook des Herstellers arbeitet mit brillenloser 3-D-Technologie.

Die IFA wirft ihren Schatten voraus. Bereits zwei Monate vor dem Start der internationalen Technikmesse haben mehrere Hersteller Journalisten erste Einblicke in die Neuheiten gegeben, die sie im September in Berlin präsentieren werden. Einer der wichtigsten Trends seit zwei Jahren: 3-D – kein Produzent von Fernsehgeräten kommt an diesem Thema vorbei.

Doch der Massenmarkt ist von der dritten Dimension noch nicht durchdrungen. Nicht zuletzt die Notwendigkeit, für den 3-D-Konsum von Filmen oder Games eine spezielle Brille tragen zu müssen, steht gegen eine massenhafte Verbreitung der zukunftsträchtigen Technologie.

Toshiba setzt deswegen bereits auf die nächste Generation der räumlichen Wahrnehmung – und bringt mit dem Qosmio F750 ein 3-D-fähiges Notebook auf den Markt, das ohne eine Sehhilfe auskommt. Per Knopfdruck kann man auf dem High-End-Computer zwischen 2-D und 3-D wechseln, auch die gleichzeitige Darstellung dieser beiden Ansichten ist möglich. Dass so etwas durchaus funktioniert, hat zum Beispiel Nintendo mit seiner Spielkonsole 3DS vorgemacht. Der Qosmio F750 soll bereits im Sommer für 1649 Euro in der

Auch im TV-Bereich wird fieberhaft an der brillenlosen 3-D-Technologie gearbeitet – denn dies dürfte den Durchbruch für das räumliche Fernsehen bedeuten. Allerdings ist mit einer größeren Anzahl ausgereifter Geräte erst in ein paar Jahren zu rechnen, denn die Bildqualität ist noch nicht auf dem Stand aktueller Fernseher. Ein Problem dabei: Die Rechenleistung von High-End-Computern reicht zwar in der Regel aus, um brillenlose 3-D-Bilder zu erzeugen, aber Fernseher sind in der Regel nicht mit entsprechend leistungsstarken Prozessoren ausgestattet.

Deutlich höherer Preis

Toshiba macht nun Ernst und will auf der IFA TV-Geräte zeigen, die mit einer erweiterten Multi-Prozessor-Plattform arbeiten und so 3-D-Fernsehen ohne Brille ermöglichen sollen. Die Fernseher mit Diagonalen von über 40 Zoll sollen dreidimensionalen Filmkonsum für mehrere Zuschauer gleichzeitig ermöglichen – also nicht nur für die Person, die frontal und mittig vor dem Fernseher sitzt. Ob sie bereits eine wirkliche Alternative zu herkömmlichen Geräten bieten können, muss sich dann aber noch erweisen. Die brillenlosen 3-D-Fernseher sollen 2012 auf den Markt kommen – und sie werden nach Auskunft eines Toshiba-Sprechers im Preis deutlich über bislang erhältlichen TV-Geräten liegen.


Mittwoch, 22. Juni 2011

Freiheit für Chinas Gefangenen Nummer eins

Freiheit für Chinas Gefangenen Nummer eins

Ai nach seiner Entlassung mit einem Journalisten: "Vergehen" zugegeben?

China hat seinen bekanntesten Gefangenen Ai Weiwei aus der Haft entlassen. Der Zeitpunkt überrascht, nächste Woche trifft Premier Wen Angela Merkel. Ist die Freilassung ein Geschenk für die Kanzlerin? Denkbar ist auch, dass ein Machtkampf in Peking dahintersteckt.

Er war der bekannteste Gefangene Chinas - offiziell wegen Steuerhinterziehung inhaftiert, tatsächlich wohl aus politischen Gründen von der Bildfläche verschwunden, weil er der chinesischen Führung zu unbequem geworden war. Jetzt ist der Künstler Ai Weiwei wieder frei.

Ai selbst bestätigte mit einer kurzen Textmeldung seine Freilassung. Das teilte sein Freund Liu Xiaoyuan, ein Menschenrechtsanwalt, in Peking mit. "Ich kann nichts weiter sagen, weil ich auf Kaution frei bin", sagte Ai Reportern, die sich nach der Nachricht von seiner Entlassung vor sein Haus gekommen waren. Auch die Schwester des chinesischen Künstlers bestätigte, dass ihr Bruder frei sei. "Weiwei ist wieder zu Hause", teilte Gao Ge mit. Ihr Bruder sei "extrem glücklich", habe aber während der Haft deutlich an Gewicht verloren.


Seit Ais Inhaftierung am 3. April 2011 hatten Künstler und Politiker in der westlichen Welt und insbesondere in Deutschland immer wieder vehement die Freilassung des Regiemekritikers gefordert. Außenminister Guido Westerwelle (FDP) hatte ebenso protestiert wie der Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU). Auch Kanzlerin Angela Merkel (CDU) soll sich persönlich für den Inhaftierten eingesetzt haben. Klaus Staeck, Präsident der Akademie der Künste in Berlin, hatte in einem Interview gar eine militärische Befreiungsaktion gefordert.

Bemerkenswerter Zeitpunkt der Freilassung

Die überraschende Freilassung fällt auf einen bemerkenswerten Zeitpunkt: Am Montag besucht der chinesische Ministerpräsident Wen Jiabao Berlin. Hier sollen die ersten deutsch-chinesischen Regierungskonsultationen stattfinden. Die Vermutung, Ais Haftentlassung könnte eine Geste des guten Willens vor dem Staatsbesuch sein, ist zwar naheliegend, unterstellt jedoch ein beispielloses Eingehen auf westliche Forderungen durch die chinesische Führung. Peking hatte sich bisher stets betont unabhängig und unbeeindruckt von westlichen Wünschen nach mehr Meinungsfreiheit und Beachtung von Menschenrechten gegeben.

Denkbar ist auch, dass der überraschende Entlassungsakt mit den inneren Machtkämpfen im chinesischen Staatsapparat zu tun hat. Die Führung ist, was ihre Haltung zu kritischen Bürgern betrifft, nicht homogen. Auch ein Zusammenhang mit einem bevorstehenden Machtwechsel ist nicht ausgeschlossen. 2012 wird wohl Xi Jinping neuer Staatspräsident werden, über dessen Linie noch wenig bekannt ist.

Die aktuelle chinesische Führung hat sich die Forderungen nach Freilassung Ais stets als Einmischung in innere Angelegenheiten verbeten. Der Westen unterstütze einen "mutmaßlichen Kriminellen", kritisierte das chinesische Außenministerium. Nun gibt Peking an, Ai Weiwei sei aus gesundheitlichen Gründen aus der Haft entlassen worden. Der Künstler leidet an Diabetes. Zudem habe er "seine Vergehen" zugegeben, meldet Xinhua.

Dem Künstler war vorgeworfen worden, mit seiner Firma "Fake Cultural Development" eine "riesige Summe" an Steuern hinterzogen zu haben. Seine Familie hat diese Vorwürfe stets bestritten. Das Verfahren gegen Ai habe nichts mit Meinungsfreiheit oder Menschenrechten zu tun, verlautete die chinesische Führung.


Ai Weiwei war den chinesischen Autoritäten in den vergangenen Jahren zunehmend unangenehm geworden, weil er offen und ungeschminkt Missstände in seinem Land anprangerte, so zum Beispiel in seinem - später behördlich geschlossenen - Blog. Nach dem Erdbeben in Sichuan 2008 leitete er Untersuchungen zum Einsturz zahlreicher Schulen. Zudem initiierte er eine "Bürger-Ermittlung" zu einem Brand, bei dem im November 2010 in Shanghai 58 Menschen ums Leben kamen. Ai Weiwei gab zahlreichen westlichen Medien Interviews, die an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig ließen.

Sollte Ai Weiwei, dessen Familie noch nicht offiziell über die Freilassung unterrichtet ist, tatsächlich demnächst aus China ausreisen dürfen, könnte er in Berlin sofort eine neue Stelle antreten: Zwei Wochen nach seiner Verhaftung war ihm eine Professur an der Hochschule der Künste in Berlin angeboten worden. Zudem bereitete Ai noch kurz vor seiner Verhaftung die Eröffnung eines neuen Ateliers nahe der deutschen Hauptstadt vor.

Montag, 20. Juni 2011

Fotos enthüllen neue Details des Kannibalen

Fotos enthüllen neue Details des Kannibalen

Die Galaxie Centaurus A ist eines der spektakulärsten Himmelsobjekte, das die Astronomen kennen
Centaurus A ist eines der spektakulärsten und besterforschten Himmelsobjekte. Doch neue Teleskop-Aufnahmen des kosmischem Kannibalen überraschen selbst Experten.

Für ihre jüngsten Aufnahmen nutzten Astronomen die fortschrittliche Wide Field Camera 3 des Hubble-Weltraumteleskops. Sie lichtete Centaurus A in nie gekannter Detailfülle ab. Mit einer Entfernung von knapp zwölf Millionen Lichtjahren ist Centaurus A die unserer Milchstraße am nächsten gelegene Riesengalaxie. Ihr Durchmesser beträgt rund 150 000 Lichtjahren, damit übertrifft sie unsere Milchstraße um das 1,5-fache. Katalogisiert wurde sie 1847 von dem berühmten britischen Astronomen John Herschel, dem sie wegen ihres einzigartigen Erscheinungsbilds aufgefallen war.

Insbesondere zeigen die in mehreren Spektralbereichen angefertigten Hubble-Bilder die dunklen Staubwolken, die den Kern der Galaxie umschlingen, in herausragender Klarheit. Dabei entsteht ein plastischer Gesamteindruck der Sterneninsel, wie er sich einem Beobachter in einem Raumschiff böte, das in einiger Entfernung an ihrer Flanke schwebt. Die spinnwebfeinen Materiegewebe werden sichtbar, weil die Hubble-Kamera auch Anteile aus dem infraroten und UV-Bereich des Spektrums registriert. Sie enthüllen Strukturen, die im sichtbaren Licht nicht zu erkennen sind, weil der Staub sie verbirgt. Für diese Wellenlängenbereiche sind die dunklen Wolken aber durchlässig. Hobbyastronomen können Centaurus A mit einem guten Fernglas erkennen, während in Amateurteleskopen bereits die Staubwolken sichtbar sind.

Centaurus A verschlingt kleine Spiralgalaxie

Frühere Aufnahmen mit erdgebundenen Teleskopen zeigen, dass die Dunkelwolken nicht nur den Kern umschließen, sondern die gesamte Galaxie durchziehen. Zugleich ließen sie große Sternentstehungsgebiete erkennen, die in der Aufnahme als rötliche Flecken erscheinen. Den Grund für die rasante Neubildung von Sternen kennen die Himmelsforscher schon länger: Centaurus A verschlingt gerade eine kleinere Spiralgalaxie, mit der sie vor 200 bis 700 Millionen Jahren kollidierte. Die Staubwolken sind die Überreste des kleineren Kollisionspartners, der in der größeren Galaxie aufging. Deren Schwerkraft verbog die Scheibe des Spiralnebels und riss auch lang gestreckte Gasfilamente aus ihm heraus. Die Schockwelle des Aufpralls schob Wolken aus Wasserstoffgas zusammen. Ihre Materie verdichtete sich, sodass schließlich die Sternentstehung zündete.

Diese Historie des galaktischen Zusammenpralls konnten Astronomen der Europäischen Südsternwarte anhand von Infrarot-Aufnahmen rekonstruieren, die sie 2009 mit dem 3,6-Meter-Spiegel des „New Technology Telescope“ anfertigten, das auf dem Berg La Silla in Chile steht. Auf den Bildern zeichnete sich eine ringförmige Struktur von etwa 16 500 Lichtjahren Durchmesser ab, die den Kern der elliptischen Sterneninsel umschlingt. Der Ring besteht aus Tausenden von Sternen und Sternhaufen, die vermutlich zum großen Teil erst durch den Verschmelzungsprozess der beiden Sterneninseln entstanden.