Mittwoch, 22. Juni 2011

Freiheit für Chinas Gefangenen Nummer eins

Freiheit für Chinas Gefangenen Nummer eins

Ai nach seiner Entlassung mit einem Journalisten: "Vergehen" zugegeben?

China hat seinen bekanntesten Gefangenen Ai Weiwei aus der Haft entlassen. Der Zeitpunkt überrascht, nächste Woche trifft Premier Wen Angela Merkel. Ist die Freilassung ein Geschenk für die Kanzlerin? Denkbar ist auch, dass ein Machtkampf in Peking dahintersteckt.

Er war der bekannteste Gefangene Chinas - offiziell wegen Steuerhinterziehung inhaftiert, tatsächlich wohl aus politischen Gründen von der Bildfläche verschwunden, weil er der chinesischen Führung zu unbequem geworden war. Jetzt ist der Künstler Ai Weiwei wieder frei.

Ai selbst bestätigte mit einer kurzen Textmeldung seine Freilassung. Das teilte sein Freund Liu Xiaoyuan, ein Menschenrechtsanwalt, in Peking mit. "Ich kann nichts weiter sagen, weil ich auf Kaution frei bin", sagte Ai Reportern, die sich nach der Nachricht von seiner Entlassung vor sein Haus gekommen waren. Auch die Schwester des chinesischen Künstlers bestätigte, dass ihr Bruder frei sei. "Weiwei ist wieder zu Hause", teilte Gao Ge mit. Ihr Bruder sei "extrem glücklich", habe aber während der Haft deutlich an Gewicht verloren.


Seit Ais Inhaftierung am 3. April 2011 hatten Künstler und Politiker in der westlichen Welt und insbesondere in Deutschland immer wieder vehement die Freilassung des Regiemekritikers gefordert. Außenminister Guido Westerwelle (FDP) hatte ebenso protestiert wie der Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU). Auch Kanzlerin Angela Merkel (CDU) soll sich persönlich für den Inhaftierten eingesetzt haben. Klaus Staeck, Präsident der Akademie der Künste in Berlin, hatte in einem Interview gar eine militärische Befreiungsaktion gefordert.

Bemerkenswerter Zeitpunkt der Freilassung

Die überraschende Freilassung fällt auf einen bemerkenswerten Zeitpunkt: Am Montag besucht der chinesische Ministerpräsident Wen Jiabao Berlin. Hier sollen die ersten deutsch-chinesischen Regierungskonsultationen stattfinden. Die Vermutung, Ais Haftentlassung könnte eine Geste des guten Willens vor dem Staatsbesuch sein, ist zwar naheliegend, unterstellt jedoch ein beispielloses Eingehen auf westliche Forderungen durch die chinesische Führung. Peking hatte sich bisher stets betont unabhängig und unbeeindruckt von westlichen Wünschen nach mehr Meinungsfreiheit und Beachtung von Menschenrechten gegeben.

Denkbar ist auch, dass der überraschende Entlassungsakt mit den inneren Machtkämpfen im chinesischen Staatsapparat zu tun hat. Die Führung ist, was ihre Haltung zu kritischen Bürgern betrifft, nicht homogen. Auch ein Zusammenhang mit einem bevorstehenden Machtwechsel ist nicht ausgeschlossen. 2012 wird wohl Xi Jinping neuer Staatspräsident werden, über dessen Linie noch wenig bekannt ist.

Die aktuelle chinesische Führung hat sich die Forderungen nach Freilassung Ais stets als Einmischung in innere Angelegenheiten verbeten. Der Westen unterstütze einen "mutmaßlichen Kriminellen", kritisierte das chinesische Außenministerium. Nun gibt Peking an, Ai Weiwei sei aus gesundheitlichen Gründen aus der Haft entlassen worden. Der Künstler leidet an Diabetes. Zudem habe er "seine Vergehen" zugegeben, meldet Xinhua.

Dem Künstler war vorgeworfen worden, mit seiner Firma "Fake Cultural Development" eine "riesige Summe" an Steuern hinterzogen zu haben. Seine Familie hat diese Vorwürfe stets bestritten. Das Verfahren gegen Ai habe nichts mit Meinungsfreiheit oder Menschenrechten zu tun, verlautete die chinesische Führung.


Ai Weiwei war den chinesischen Autoritäten in den vergangenen Jahren zunehmend unangenehm geworden, weil er offen und ungeschminkt Missstände in seinem Land anprangerte, so zum Beispiel in seinem - später behördlich geschlossenen - Blog. Nach dem Erdbeben in Sichuan 2008 leitete er Untersuchungen zum Einsturz zahlreicher Schulen. Zudem initiierte er eine "Bürger-Ermittlung" zu einem Brand, bei dem im November 2010 in Shanghai 58 Menschen ums Leben kamen. Ai Weiwei gab zahlreichen westlichen Medien Interviews, die an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig ließen.

Sollte Ai Weiwei, dessen Familie noch nicht offiziell über die Freilassung unterrichtet ist, tatsächlich demnächst aus China ausreisen dürfen, könnte er in Berlin sofort eine neue Stelle antreten: Zwei Wochen nach seiner Verhaftung war ihm eine Professur an der Hochschule der Künste in Berlin angeboten worden. Zudem bereitete Ai noch kurz vor seiner Verhaftung die Eröffnung eines neuen Ateliers nahe der deutschen Hauptstadt vor.

Montag, 20. Juni 2011

Fotos enthüllen neue Details des Kannibalen

Fotos enthüllen neue Details des Kannibalen

Die Galaxie Centaurus A ist eines der spektakulärsten Himmelsobjekte, das die Astronomen kennen
Centaurus A ist eines der spektakulärsten und besterforschten Himmelsobjekte. Doch neue Teleskop-Aufnahmen des kosmischem Kannibalen überraschen selbst Experten.

Für ihre jüngsten Aufnahmen nutzten Astronomen die fortschrittliche Wide Field Camera 3 des Hubble-Weltraumteleskops. Sie lichtete Centaurus A in nie gekannter Detailfülle ab. Mit einer Entfernung von knapp zwölf Millionen Lichtjahren ist Centaurus A die unserer Milchstraße am nächsten gelegene Riesengalaxie. Ihr Durchmesser beträgt rund 150 000 Lichtjahren, damit übertrifft sie unsere Milchstraße um das 1,5-fache. Katalogisiert wurde sie 1847 von dem berühmten britischen Astronomen John Herschel, dem sie wegen ihres einzigartigen Erscheinungsbilds aufgefallen war.

Insbesondere zeigen die in mehreren Spektralbereichen angefertigten Hubble-Bilder die dunklen Staubwolken, die den Kern der Galaxie umschlingen, in herausragender Klarheit. Dabei entsteht ein plastischer Gesamteindruck der Sterneninsel, wie er sich einem Beobachter in einem Raumschiff böte, das in einiger Entfernung an ihrer Flanke schwebt. Die spinnwebfeinen Materiegewebe werden sichtbar, weil die Hubble-Kamera auch Anteile aus dem infraroten und UV-Bereich des Spektrums registriert. Sie enthüllen Strukturen, die im sichtbaren Licht nicht zu erkennen sind, weil der Staub sie verbirgt. Für diese Wellenlängenbereiche sind die dunklen Wolken aber durchlässig. Hobbyastronomen können Centaurus A mit einem guten Fernglas erkennen, während in Amateurteleskopen bereits die Staubwolken sichtbar sind.

Centaurus A verschlingt kleine Spiralgalaxie

Frühere Aufnahmen mit erdgebundenen Teleskopen zeigen, dass die Dunkelwolken nicht nur den Kern umschließen, sondern die gesamte Galaxie durchziehen. Zugleich ließen sie große Sternentstehungsgebiete erkennen, die in der Aufnahme als rötliche Flecken erscheinen. Den Grund für die rasante Neubildung von Sternen kennen die Himmelsforscher schon länger: Centaurus A verschlingt gerade eine kleinere Spiralgalaxie, mit der sie vor 200 bis 700 Millionen Jahren kollidierte. Die Staubwolken sind die Überreste des kleineren Kollisionspartners, der in der größeren Galaxie aufging. Deren Schwerkraft verbog die Scheibe des Spiralnebels und riss auch lang gestreckte Gasfilamente aus ihm heraus. Die Schockwelle des Aufpralls schob Wolken aus Wasserstoffgas zusammen. Ihre Materie verdichtete sich, sodass schließlich die Sternentstehung zündete.

Diese Historie des galaktischen Zusammenpralls konnten Astronomen der Europäischen Südsternwarte anhand von Infrarot-Aufnahmen rekonstruieren, die sie 2009 mit dem 3,6-Meter-Spiegel des „New Technology Telescope“ anfertigten, das auf dem Berg La Silla in Chile steht. Auf den Bildern zeichnete sich eine ringförmige Struktur von etwa 16 500 Lichtjahren Durchmesser ab, die den Kern der elliptischen Sterneninsel umschlingt. Der Ring besteht aus Tausenden von Sternen und Sternhaufen, die vermutlich zum großen Teil erst durch den Verschmelzungsprozess der beiden Sterneninseln entstanden.


Das größte Radioteleskop der Welt

Das größte Radioteleskop der Welt

China ist nicht nur in der Industrie mitten im „Großen Sprung nach vorn“, sondern auch in der Astronomie. Das zeigt sich an dem Plan, das größte Radioteleskop der Welt zu bauen.

Im Moment steht das größte Radioteleskop der Welt in Puerto Rico im National Astronomy and Ionosphere Center, Arecibo

Es entsteht in der südchinesischen Provinz Guizhou, Baubeginn war vor wenigen Wochen. Das Ohr zum All wird riesig: Sein Reflektor soll 500 Meter Durchmesser haben. Damit übertrifft es den bisherigen Rekordhalter, das 305-Meter-Teleskop von Arecibo auf Puerto Rico, bei weitem. „Five-hundred-metre Aperture Spherical Radio Telescope“ (Fast) nennen seine Konstrukteure den Koloss, zu deutsch: Sphärisches Radioteleskop mit 500 Meter Öffnung.

Sphärisch deshalb, weil der Reflektor des Teleskops eine kugelförmige Geometrie hat. Wie eine riesige Schüssel wird er in ein 800 Meter breites Tal eingepasst. Diese Konstruktion gleicht der von Arecibo. Dort gibt es ebenso wie in Guizhou eine ausgedehnte Karstlandschaft. Sie ist übersät von Dolinen, die entstanden, weil das Wasser über Äonen den dort dominierenden Kalkstein auswusch. Anhand von Satellitenbildern und Geländeexkursionen wählten Forscher der National Astronomical Observatories (NAO) in Peking die von Bergen umgebene Senke aus. Sie ist weit genug von Bevölkerungszentren entfernt, um vor Störstrahlung aus technischen Radioquellen sicher zu sein. Allerdings ist das Gebiet nicht völlig unbewohnt. Am Grund der Senke lebten rund 80 Menschen in einem kleinen Dorf. Darunter waren einige Kinder, die auf dem Weg zur Schule jeden Tag über die Berge gehen mussten. Diese Menschen wurden nach Angaben der NAO in die nächste Stadt umgesiedelt.

Gigantisch, aber unbeweglich

Für den Bau des Reflektors müssen Arbeiter eine Million Kubikmeter Boden bewegen. Sie schaffen in dem Tal eine halbkugelförmige Konstruktion, auf der die 4400 dreieckigen Aluminiumlatten ruhen, die zusammen den Reflektor bilden. Er bündelt die aus dem All einfallenden Radiowellen auf die eigentliche Antenne, die – an Kabeln befestigt – im Focus des Reflektors hängt. Die Grundkonstruktion gleicht damit dem Radioteleskop von Arecibo. Doch einen entscheidenden Unterschied gibt es: Die Anlage auf Puerto Rico hat einen unbeweglichen Reflektor mit kugelförmiger Geometrie. Er reflektiert die einfallende Strahlung auf weitere Spiegel, die in einer Kuppel an einem bogenförmigen, über 100 Meter langen Arm untergebracht sind. Dieser wiederum ist an einer großen Plattform befestigt, die an Kabeln über dem Reflektor hängt.

Die Kuppel ist beweglich und kann so das größte Manko des Riesenteleskops ausgleichen: Weil es nicht schwenkbar ist, kann es nur die Strahlung aus dem gerade über ihm liegenden Teil des Firmaments empfangen. Die Kuppel lässt sich aber an dem Arm entlang bewegen. Die Reflektoren darin können so Strahlung aus verschiedenen Himmelsarealen empfangen oder Objekte verfolgen, die durch die Erddrehung aus dem Focus laufen. Sie fokussieren die Radiowellen auf Hornantennen, die den Wellensalat zu den Detektoren leiten.

Eine vergleichbare Konstruktion würde über 10 000 Tonnen wiegen. Deshalb ersannen die Konstrukteure eine Alternative: Sie nutzen den großen Primärreflektor, um die einfallenden Signale zu bündeln. Dazu wird jeweils eine gewisse Zahl der Aluminiumplatten zu einem Subreflektor zusammengefasst. Ein System aus Kabeln und Motoren formt sie zu einem Parabolspiegel von 300 Meter Durchmesser, der damit fast ebenso groß ist wie das Teleskop von Arecibo. Diese Untereinheit lässt sich überall auf dem 500 Meter durchmessenden Reflektor positionieren. Sie reflektiert die Wellen in einen Empfänger, der an Kabeln über dem Reflektor hängt. Durch diese Technik können die Astronomen bis zu 19 Himmelsareale simultan in verschiedenen Wellenlängenbereichen des Radiospektrums beobachten. In Arecibo lassen sich nur sieben Gebiete am Firmament parallel erfassen.

Ein beeindruckendes Objekt

Touristen besichtigen das „Ohr zum All“

Auf diese Weise kann Fast sein Gesichtsfeld ausweiten und größere Himmelsareale beobachten. Ebenso ermöglicht der technische Trick das Nachführen des Focus, um Himmelsobjekten auf ihrem Weg über das Firmament zu folgen. „Fast ist ein beeindruckendes Objekt“, erklärt der Astronom Subramaniam Ananthakrishnan vom National Centre for Radio Astrophysics im indischen Pune. „Wenn es fertig gestellt ist, wird es das größte und empfindlichste Radioteleskop der Welt sein.“ Im September 2016 soll der Koloss in Betrieb gehen.

Die Riesenantenne kann dann Signale aus einer dreimal größeren Entfernung empfangen als Arecibo. Die Himmelsforscher erwarten, Zehntausende neuer Galaxien und andere Himmelsobjekte zu finden, die bis zu sieben Milliarden Lichtjahre entfernt sind. Dazu zählen Pulsare und Supernova-Überreste. Solche Beobachtungen können helfen, die Allgemeine Relativitätstheorie Albert Einsteins zu testen. Viele der Galaxien werden im sichtbaren Licht unsichtbar bleiben. Fast kann sie jedoch anhand der Strahlung identifizieren, die das neutrale Wasserstoffgas in ihren Scheiben emittiert. Daraus können die Forscher Schlüsse über die Evolution des Universums und die Natur der Dunklen Materie ziehen.

Erde an ET

Mit dem neuen Riesenteleskop verfolgen die Astronomen noch einen besonderen Zweck. Wie schon mit der großen Schüssel von Arecibo wollen sie damit nach Signalen außerirdischer Zivilisationen lauschen und dazu 5000 sonnenähnliche Sterne anpeilen. „Fast könnte einen starken Sender, mit dem Radarwellen abgestrahlt werden, noch in 1000 oder mehr Lichtjahren Distanz aufspüren“, meint der Astrophysiker Seth Shostak vom SETI Institute im kalifornischen Ort Mountain View.

Umgekehrt lässt sich das neue Radioteleskop auch als Sender nutzen. Seine Riesenschüssel reflektiert Signale, die hineingestrahlt werden, hinaus ins All. Bei der Antenne von Arecibo haben dies die Astronomen Frank Drake und Carl Sagan bereits praktiziert. Im November 1974 sandten sie eine Botschaft in Richtung des Kugelsternhaufens Messier 13, der in rund 25 000 Lichtjahren Entfernung im Sternbild Herkules steht. Sie enthält binär codierte Informationen über die Biologie des Menschen, die Menschheit sowie die Erde. Ziel ist, Kontakt mit einer außerirdischen Intelligenz aufzunehmen. Den Kugelsternhaufen wählten die Forscher aus, weil sich darin sehr viele Sterne auf engstem Raum tummeln. Dies sollte die Chance erhöhen, auf eine bewohnte Welt zu treffen. Mittlerweile haben die Signale gut 270 Billionen Kilometer zurückgelegt. Auf eine Antwort – so denn eine kommt – müssen die Nachfolger von Drake und Sagan allerdings noch eine Weile warten: Bei der Laufzeit der mit Lichtgeschwindigkeit fliegenden Funkwellen könnte die Rückmeldung einer technisch entwickelten Zivilisation frühestens nach knapp 50 000 Jahren auf der Erde eintreffen.

Samstag, 11. Juni 2011

Qualm bedroht Gesundheit der Bevölkerung

Qualm bedroht Gesundheit der Bevölkerung

4400 Feuerwehrleute sind in Arizona im Einsatz

Ein gewaltiger Waldbrand im US-Staat Arizona hat bereits ein Gebiet von 1.600 Quadratkilometern vernichtet. Die hohe Rußkonzentration wird zu einem Risiko für die Feuerwehrleute.

Die Konzentration von Rußpartikeln in der Luft sei astronomisch, sagte Mark Shaffer von der Umweltschutzbehörde Arizonas. „Die Lage ist jenseits von Gut und Böse“, warnte er am Freitagabend (Ortszeit). Zurzeit sind 4400 Feuerwehrleute im Einsatz.

Der nachlassende Wind am Donnerstag und Freitag half den eingesetzten Feuerwehrleuten bei der Bekämpfung der Brände. Aber durch die geringe Luftbewegung staute sich der Qualm, und die Rußkonzentration stieg auf bislang unerreichte Höhen. „Wir haben ein möglicherweise ernsthaftes Gesundheitsproblem vor uns“, sagte Shaffer. Die Behörden riefen die Bevölkerung zur Meidung des Gebiets auf.


Starker Wind bereit den Einsatzkräften sorgen

Für Samstag befürchten die Brandbekämpfer wieder stärkeren Wind. „Die Atmosphäre ist sehr instabil und beschleunige das Wachstum des Brands“, sagte ein Feuerwehrsprecher. „Wir machen uns große Sorgen um den Wind.“ Mittlerweile bedroht der Waldbrand auch den Nachbarstaat New Mexico, mehrere Ortschaften und zwei wichtige Stromleitungen, die Elektrizität von Arizona nach West-Texas bringen. Der Stromversorger El Paso Electric warnte bereits 370 000 Kunden vor Stromausfällen, wenn die Leitungen durchtrennt würden.

Möglicherweise müssen die Brandbekämpfer selbst rund 60 Hektar Land anzünden, um eine Brandschneise zu errichten, die die Flammen stoppen kann. „Es wird wirklich schwierig“, sagte der Feuerwehrsprecher.

Bisher vernichteten die Flammen mehr als 1600 Quadratkilometer Wald – fast 300 Quadratkilometer allein an einem Tag. 30 Häuser wurden zerstört und fast 10 000 Menschen aus den Ortschaften Springerville und Eager in Arizona mussten ihre Häuser verlassen.

Das Feuer ist bereits jetzt das zweitgrößte in der Geschichte des Staates und könnte das Rodeo-Chediski-Feuer von 2002 noch übertreffen. Allerdings ging bislang nur ein Bruchteil der Häuser in Flammen auf wie damals.

Freitag, 20. Mai 2011

Bundesbank sagt Dauerboom voraus

Bundesbank sagt Dauerboom voraus

Der deutsche Maschinenbau profitiert besonders vom Aufschwung


Die Bundesbank widerspricht allen Konjunktur-Pessimisten: Nach ihrer Einschätzung wird der Aufschwung noch lange anhalten. Nur für die Verbraucher gibt es einen Wermutstropfen.

Die Bundesbank hält einen Dauerboom in Deutschland für möglich. „Der in Gang gekommene und an Breite gewinnende Aufschwung könnte die Wirtschaftsaktivität in Deutschland über längere Zeit tragen“, schrieb die Bundesbank in ihrem am Freitag veröffentlichten Monatsbericht. „Dafür sprechen die günstigen externen wie internen Rahmenbedingungen.“ Der Exportnation komme die robuste Weltkonjunktur zugute, während die steigende Beschäftigung und die Aussicht auf spürbare Verdienstzuwächse den privaten Konsum stütze.

Wachstum verlangsamt sich

Allerdings dürfte der Aufschwung das im ersten Quartal erreichte Tempo nicht halten, als das Bruttoinlandsprodukt mit 1,5 Prozent wuchs. „Angesichts der bereits erreichten hohen Auslastung der Wirtschaft ist eine Verlangsamung der konjunkturellen Gangart wahrscheinlich“, hieß es. Analysten rechnen bis Ende 2012 mit einem durchschnittlichen Quartalswachstum von 0,5 Prozent.

Die Bundesbank sieht trotz der guten Aussichten auch erhebliche Risiken – etwa durch hohe Preise. „Die Stimmung der Verbraucher ist zwar weiterhin alles in allem gut. Gleichwohl realisieren die Arbeitnehmer immer mehr, dass ein erheblicher Teil der vereinbarten Entgeltzuwächse durch die steigende Teuerung aufgezehrt werden könnte.“ Die Inflationsrate hatte im April mit 2,4 Prozent den höchsten Stand seit zweieinhalb Jahren erreicht.

Mittwoch, 18. Mai 2011

Bundeswehr wird um bis zu 45.000 Soldaten verringert

Bundeswehr wird um bis zu 45.000 Soldaten verringert

Auch Zahl der zivilen Mitarbeiter soll sinken

Die Bundeswehr wird in den kommenden Jahren um bis zu 45.000 Soldaten verringert. …

Die Bundeswehr wird in den kommenden Jahren um bis zu 45.000 Soldaten verringert. Die Truppenstärke soll von derzeit rund 220.000 Soldaten auf 175.000 bis 185.000 sinken, wie aus den von Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) vorgestellten Eckpunkten für die Bundeswehr-Reform hervorgeht. Geplant ist außerdem, die Zahl der Stellen für zivile Mitarbeiter drastisch auf 55.000 zu senken und die Organisation der Bundeswehr deutlich zu straffen.

Die Streitkräfte sollen künftig - wie auch schon bisher geplant - hauptsächlich aus 170.000 Berufs- und Zeitsoldaten bestehen. Bei den darüber hinaus freiwillig Wehrdienstleistenden rechnet de Maizière im Gegensatz zu seinem Vorgänger Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) wegen der sinkenden Geburtenzahlen nur noch mit 5000 Soldaten, möglich sind allerdings bis zu 15.000. Mit dieser Größenordnung hatte Guttenberg geplant. Die Reform soll zugleich erreichen, dass trotz sinkender Gesamtstärke künftig mehr Truppen gleichzeitig in Einsätze geschickt werden können: Statt wie bislang 7000 Soldaten sollen es dann 10.000 sein.

Umgebaut und verkleinert wird auch das Verteidigungsministerium selbst. Von den derzeit rund 3500 Stellen sollen nur rund 2000 bleiben. Der Generalinspekteur wird aufgewertet und erstmalig zum Vorgesetzten aller Soldaten, er bleibt aber der politischen Führung unterstellt.

Nach Angaben de Maizières richtet sich die Neuorientierung der Bundeswehr an drei Prinzipien aus: an der sicherheitspolitischen Notwendigkeit, der langfristigen Finanzierbarkeit und der demografischen Entwicklung. Eine Grundlage der Reform sind von de Maizière neu formulierte verteidigungspolitische Richtlinien, die den Rahmen für den Auftrag und die Aufgaben der Bundeswehr beschreiben. Die bislang gültigen Richtlinien stammen aus dem Jahr 2003.

De Maizière (CDU) warb in einer Rede zudem für die stärkere Übernahme internationaler Verantwortung durch Deutschland. Er äußerte die Erwartung, dass die Vereinten Nationen Deutschland künftig häufiger auch dann um Unterstützung bitten würden, wenn deutsche Interessen nicht unmittelbar berührt seien."

Die Bundeswehr müsse in der Lage sein, mit ihren Fähigkeiten "einen wesentlichen Beitrag in NATO, EU und UNO zu leisten", der dem anderer großer europäischer Staaten entspreche, sagte der Minister.

Noch nicht entschieden wurde über die Zukunft der rund 400 Bundeswehr-Standorte. Wieviele und welche geschlossen werden sollen, wird im Herbst festgelegt. Einzelheiten zur Finanzierung der Reform wurden zunächst ebenfalls nicht bekannt. Es zeichnete sich aber ab, dass de Maizière auf ein gewisses Entgegenkommen von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) bauen kann.

Mittwoch, 11. Mai 2011

Großbanken mussten jeden dritten Geldautomaten auswechseln

Großbanken mussten jeden dritten Geldautomaten auswechseln

Gefälschtes Tastenfeld: Fast 200.000 Geheimnummern ausgespäht

Fast 190.000 Geheimnummern haben Betrüger an Geldautomaten ausgespäht und die Konten von Verbrauchern leergeräumt. Für deutsche Großbanken wird der Datenklau teuer: Laut einem Zeitungsbericht mussten sie 2010 ein Drittel ihrer Cash-Maschinen austauschen - wegen Sicherheitsproblemen.

Hamburg - Der Betrug mit gefälschten EC-Karten wird für Deutschlands Banken zu einem teuren Problem: Laut "Financial Times Deutschland" mussten die großen Privatbanken 2010 einen beträchtlichen Teil ihrer Geldautomaten austauschen, weil diese zu leicht manipulierbar waren.

Insgesamt seien rund 2500 Automaten betroffen gewesen. Das entspricht rund einem Drittel der rund 9000 Automaten, die die Banken der sogenannten Cash Group betreiben. Diese umfasst die größten Privatbanken wie die Deutsche Bank und Commerzbank. Für andere Cash-Maschinen, wie die rund 25.000 Geldautomaten der Sparkassen, lagen zunächst keine Erhebungen vor, wie viele Automaten ausgetauscht worden sind.



Nach Angaben des Bundeskriminalamts (BKA) nimmt das sogenannte Skimming stark zu. Täter montieren dabei Kameras und Tastatur-Attrappen an Geldautomaten, um an die Geheimnummern von Kunden zu kommen. In anderen Fällen überstülpen die Betrüger den Kartenschlitz mit einem Lesegerät, das die EC-Karte ausliest. Danach setzen sie sich meist ins Ausland ab, erstellen gefälschte EC-Karten und räumen die Konten ausgespähter Verbraucher leer.

Laut BKA manipulierten die Täter im vergangenen Jahr knapp 3200-mal Geldautomaten - eine Zunahme um 55 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Rund 190.000 Bankkunden seien von den Betrugsfällen betroffen gewesen, 300.000 Karten seien vorsorglich gesperrt worden. Insgesamt entstand durch den Einsatz gefälschter Bankkarten ein geschätzter Schaden von rund 60 Millionen Euro.

Die ausgetauschten Automaten sollen laut "FTD" allesamt von Wincor Nixdorf stammen. Der Automatenhersteller hatte jüngst seine Aktionäre mit einer Gewinnwarnung schockiert. Wincor Nixdorf wollte den Bericht nicht kommentieren.

Tabuthema Skimming

Die Bankenbranche ergreift immer neue Maßnahmen, um Betrug am Geldautomaten einzudämmen. So montierte die Deutsche Bank zuletzt an ihren Filialen die automatischen Türöffner ab, durch die Kunden ihre Karte schieben mussten, wenn sie außerhalb der Öffnungszeiten kamen.

Einen Befreiungsschlag erhoffte sich die Branche auch von einem sogenannten EMV-Chip, der das Geldabheben mit gefälschten Karten verhindern soll. Diese Technik funktioniert allerdings nur in Europa. Um die Sicherheitsschranke zu umgehen, brauchen Skimmer-Banden nur Helfer außerhalb Europas anzuheuern.

Dennoch scheinen die Maßnahmen der Banken allmählich Wirkung zu zeigen. Laut BKA ist die Zahl der Attacken im zweiten Halbjahr 2010 zurückgegangen. Auch in den ersten Monaten des Jahres 2011 war die Zahl rückläufig.


dagegen den Umgang der Banken mit dem Thema Skimming. Aus Angst, die Kunden zu verunsichern, geben sich die meisten Institute verschlossen. Die Deutsche Bank zum Beispiel wollte einen kostspieligen Austausch von 1200 Geldautomaten im vergangenen Jahr gegenüber der "FTD" nicht kommentieren.


Wie Kunden sich wehren können

Die Täter erweitern zudem ihr Betätigungsfeld. Laut BKA wurden 2010 erstmals auch an Tankautomaten und Fahrkartenautomaten der Bahn Daten abgegriffen. Ein lohnenswertes Geschäft: Mit Daten aus einer einzigen Tanksäule in Nordrhein-Westfalen hätten sie 600.000 Euro Beute gemacht.

Kunden können sich gegen Betrugsversuche allerdings wehren - vor allem durch Achtsamkeit. Vor allem an Bahnhöfen und in Fußgängerzonen sollten sie aufpassen und nach Mini-Kameras oder kleinen Löchern am Geldautomaten suchen. In jedem Fall sei es sinnvoll, bei der PIN-Eingabe mit der anderen Hand die Tastatur abzudecken, empfiehlt Hans-Werner Niklasch, Geschäftsführer der Euro-Kartensysteme.