Sonntag, 22. Januar 2012

Das Comeback des totgesagten Scharfmachers

Das Comeback des totgesagten Scharfmachers

Der konservative Ex-Abgeordnetenpräsident Newt Gingrich triumphiert bei den Vorwahlen in South Carolina und sieht sich schon als Herausforderer von Barack Obama. Die gemäßigte Parteispitze reagiert entsetzt. Insider befürchten einen Krieg der Republikaner.

Newt Gingrich und seine Frau Callista
Der Mann des Tages lässt sich Zeit. Erst zweieinhalb Stunden nachdem er zum Sieger der republikanischen Vorwahlen im US-Staat South Carolina erklärt wurde, tritt Newt Gingrich endlich vor seine Anhänger. Dutzende von Handy-Kameras richten sich aus dem Publikum auf den 68-Jährigen. Die Fans skandieren lautstark „Newt, Newt, Newt“, als der frühere Präsident des US-Repräsentantenhauses die Bühne besteigt.

Gingrich hebt beide Arme, um die Menge zu beruhigen und quält sich ein kurzes Lächeln heraus. Er wirkt weder gelöst, noch zufrieden über den Erfolg. Seine Augen blitzen aggressiv, wie die eines Kriegers, der gerade eine Schlacht gewonnen hat und es nicht erwarten kann, gleich wieder ins nächste Gefecht zu ziehen.

Gingrich bezeichnet Obama als „Desater-Präsidenten“
Genauso wie er auftritt, spricht Gingrich auch. Seine Siegesrede wird zur offenen Kampfansage gegen seine Feinde. Die sind in Reihenfolge: die „führenden amerikanischen Medien“, die „anti-religiösen Eliten in den USA“ und natürlich Barack Obama, den der Historiker zum „Desaster-Präsidenten“ erklärt: „Wenn der wiedergewählt werden sollte, wäre das für unser Land eine Katastrophe.“

Aus diesem Grund will es Gingrich jetzt allen zeigen: den bösen Medien, den gottlosen Linken und vor allem dem verheerendsten Präsidenten der US-Geschichte. Er werde – so verspricht er – als nächstes Staatsoberhaupt Amerika vor dem Untergang retten: „Dies sind die wichtigsten Präsidentschaftswahlen, die es zu unseren Lebzeiten jemals gab.“

Gingrich wurde bereits abgeschrieben

Gingrich strotzt vor Selbstvertrauen. Ihm ist an diesem Samstag ein Comeback gelungen, das in der amerikanischen Politik seinesgleichen sucht. Vor einer Woche galt der Mann aus dem Südstaat Georgia noch als so gut wie erledigt. In Umfragen lag er zweistellig hinter dem bisherigen Favoriten, Ex-Gouverneur Mitt Romney. „Der soll endlich seinen Hut nehmen und gehen“, unkten einige Republikaner-Strategen-

Doch in den letzten beiden Fernsehdebatten vor den Vorwahlen riss Gingrich das Ruder plötzlich herum. Der Todgesagte präsentierte sich als angriffslustiger Alpha-Mann und glänzte damit bei den Wählern in dem streng-konservativen Südstaat. Als CNN-Moderator John King den dreimal verheirateten Gingrich live vor laufender Kamera auf jüngst geäußerte Vorwürfe von dessen zweiter Frau Marianne ansprach, wonach er sie zu einer „offenen Ehe“ aufgefordert haben soll, bellte dieser zurück: „Ich bin entsetzt darüber, dass CNN diesen Schund zum Gegenstand eines Präsidentschaftsduells macht.“

Der Moderator erntete Buh-Rufe aus dem Saal, der Kandidat stehenden Applaus. „John King hätte Gingrich kein besseres Wahlgeschenk machen können“, meinte anschließend der frühere Berater von Ex-Präsident George W. Bush und Republikaner-Stratege Karl Rove: „Gerade konservative Wähler lieben es, wenn einer ihrer Kandidaten die Medien attackiert. Denn diese sind den meisten viel zu links.“

Gingrich siegt mit deutlichem Vorsprung

Die Taktik zahlte sich aus: Gingrich gewann die Vorwahlen in South Carolina am Samstag mit 40 Prozent. Romney landete mit großem Abstand und nur 28 Prozent auf Platz zwei. Dritter wurde der frühere Senator Rick Santorum (17 Prozent), Vierter der Texas-Abgeordnete Ron Paul (13 Prozent).

Bei seiner Siegesrede inszeniert sich Gingrich schon als künftiger Obama-Gegner. „Ich werde den Präsidenten zu sieben Drei-Stunden-Debatten herausfordern“, kündigte er an und fügte spöttisch hinzu: „Er darf dabei sogar seinen Teleprompter verwenden.“ Der letzte Halbsatz ist eine Anspielung auf Obamas Redenstil. Er liest bei öffentlichen Auftritten fast alle seine Ansprachen vom Bildschirm ab.

Romney spricht von einem „harten Wettbewerb“

Mitt Romney (r.) und seine Frau Ann Romney
Doch bevor er sich mit dem Präsidenten im Fernsehen duellieren kann, muss Gingrich zunächst die republikanische Nominierung fürs Weiße Haus gewinnen. Und bis dahin ist es noch ein weiter Weg. South Carolina war erst die dritte von über 50 Vorwahlen, die bis Ende Juni in den Bundesstaaten und Territorien der USA stattfinden. Ein klarer Favorit ist bisher nicht in Sicht. Der Auftaktsieg in Iowa ging an Santorum, in New Hampshire setzte sich Romney durch und in South Carolina Gingrich.

Das Rennen ist wieder völlig offen

„Dies ist ein harter Wettbewerb und wir haben noch einen sehr langen Weg vor uns“, konstatiert denn auch Romney trocken. Eigentlich hatte der 64-Jährige frühere Gouverneur von Massachusetts, der zum gemäßigten Republikaner-Flügel zählt, auf den entscheidenden Durchbruch in South Carolina gehofft. Damit wäre er der klare Frontrunner im Kandidatenfeld gewesen und hätte die Nominierung bereits zum Greifen nahe gehabt. Jetzt ist das Rennen völlig offen.

Mehrere führende Republikaner, darunter auch South Carolinas populäre Gouverneurin Nikki Haley, hatten Romney bei seiner Kampagne unterstützt und zu Wahlkampfveranstaltungen begleitet – umsonst. Dagegen war Gingrich als radikal-konservativer Einzelkämpfer und Anti-Obama aufgetreten und hatte seinen Sieg ohne jede Hilfe von oben geschafft.

Parteikollegen über Gingrich: „Er überschätzt sich völlig“

Die gemäßigte republikanische Spitze zeigt sich entsetzt. Denn der machthungrige und streitsüchtige Gingrich gilt in der eigenen „Grand Old Party“ als undisziplinierter Scharfmacher. „Er überschätzt sich völlig, will stets im Mittelpunkt stehen“, klagt etwa der Republikaner-Abgeordnete Peter King: „Er besitzt weder die Kraft, noch die Fähigkeit, sich zu kontrollieren.“

Gingrich: „Kannibalismus gehört zum Geschäft“

Gingrich hat Politik schon immer als Kampfsport verstanden. Als er 1978 erstmals zum Kongressabgeordneten gewählt wurde, bläute er dem republikanischem Parteinachwuchs ein, mit politischen Feinden kurzen Prozess zu machen: „Das große Problem der Republikaner ist, dass wir Euch nicht dazu ermutigen, so richtig gemein zu sein“, klagte er: „Kannibalismus gehört zum Geschäft.“

Wie Gingrich sich politische Vernichtungsschlachten vorstellt, demonstrierte er in den 1990er-Jahren: Er führte eine republikanische Wählerrevolution an, die die 40-Jährige demokratische Herrschaft im US-Abgeordnetenhaus beendete. Er drehte dem damaligen US-Präsidenten Bill Clinton in einem erbitterten Haushaltsstreit den Geldhahn ab und erzwang die kurzzeitige Schließung der US-Regierung. Mit einem Schlag sah er sich neben dem Präsidenten als einflussreichster Mann der USA.

„Gingrich dämonisiert jeden, der ihm im Weg ist“

Gingrich hatte Macht, doch populär war er nie. Selbst enge Parteifreunde beklagten sich immer wieder über den herablassenden Ton, mit dem der Ex-Universitätsprofessor seine Kollegen belehrte: „Er hält sich für schlauer, als alle anderen“, meint der frühere Republikaner-Abgeordnete Mickey Edwards. „Ein furchtbarer Mensch“, ergänzt Ex-Parlamentarier Joe Scarborough, der seinerzeit mit Gingrich im Kongress saß: „Er dämonisiert jeden, der ihm im Weg ist.“

Die eigene Hybris wurde für Gingrich schließlich zum Bumerang. Er verstrickte sich in eine Steuer- und Spendenaffäre, wurde vom Kongress als erster Abgeordnetenpräsident überhaupt öffentlich gerügt und zu einer Geldstrafe von 300 000 Dollar verurteilt. Als die Republikaner bei den Kongresswahlen 1998 fünf Sitze verloren, musste ihr Anführer seinen Hut nehmen. Seitdem schreibt er Bücher, dreht Dokumentarfilme und stand bis zu seiner Kandidatur als Kommentator beim konservativen TV-Nachrichtenkanal Fox News unter Vertrag.

Obama liegt in Umfragen vor Gingrich

Auch bei Amerikas Wählern ist Newt Gingrich nicht gerade populär. Nur 17 Prozent haben eine gute Meinung von ihm, sechs von zehn Amerikanern lehnen ihn dagegen als politische Führungsfigur ab. Bei Präsidentschaftswahlen würde er Obama mit 39 zu 50 Prozent unterliegen. Für Obamas Wahlkampfstrategen wäre Gingrich damit ein „Traumgegner“, der leicht zu besiegen ist. Viele Republikaner dagegen betrachten ihn eher als Albtraum.

„Gingrich kann nur bei den Fundamentalisten an der Parteibasis punkten, jedoch weder bei gemäßigten Republikanern, noch bei unabhängigen Wählern in der Mitte“, meint etwa Steve Schmidt, der vor vier Jahren Wahlkampfmanager des Kandidaten-Duos John McCain und Sarah Palin war: „Damit ist er als Präsidentschaftskandidat völlig ungeeignet.“

Gingrich hat bereits Florida im Visier
Gingrich lässt sich durch die Warnungen aus eigenen Reihen nicht beeindrucken. Im Gegenteil: Er mobilisiert seine Anhänger bereits für die nächsten Vorwahlen am 31. Januar in Florida „Ich brauche jetzt jede einzelne Stimme“, appelliert er, „und ich brauche sie in jedem einzelnen Staat.“

Republikaner-Stratege Schmidt schwant bereits Übles: „Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Republikaner-Führung zum offenen Krieg gegen Newt Gingrich bläst. Und wenn er auch noch in Florida gewinnen sollte, wird sie wahrscheinlich in helle Panik verfallen.“

Gingrich zwingt Romney in den Zweikampf

Gingrich zwingt Romney in den Zweikampf



Es ist ein Triumph für Newt Gingrich: Er gewinnt die republikanischen Vorwahlen in South Carolina, lässt Favorit Romney mehr als 12 Prozentpunkte hinter sich. Plötzlich ist das Rennen um die Präsidentschaftskandidatur völlig offen. Es könnte ein langer Zweikampf werden.


Beinahe kommt es in allerletzter Minute noch zum ungeplanten Showdown. Zum potentiellen Zusammenstoß, auf unsicherem Terrain, fernab der TV-Studios und Debattenhallen.

Dieses Territorium ist "Tommy's Country Ham House", ein Coffeeshop in Greenville, South Carolina. Kein Kandidat kommt daran vorbei, der Laden ist ein Wallfahrtsort für Wahlkämpfer. "Der Weg ins Weiße Haus", weiß die Lokalpostille "Taylors-Wade Hampton Patch", "führt durchs Ham House." Das wissen auch Newt Gingrich und Mitt Romney. Also sorgen sie dafür, dass sie "Tommy's" am Samstag schnell noch besuchen, Stunden nur vor Schließung der Wahllokale.


Dummerweise haben ihre Vorhuttruppen dafür die identische Uhrzeit avisiert: 10.45 Uhr.

Und so drängen sich bei "Tommy's" Hunderte Anhänger beider Seiten und scheinbar ebenso viele Reporter, in froher Erwartung eines Eklats zwischen den Rivalen um die republikanische Präsidentschaftskandidatur. "We want Mitt!", skandieren die einen. "Newt! Newt!", brüllen die anderen. High Noon im Ham House.

Wo ist Mitt?

Doch Romney macht einen Rückzieher. Er erscheint schon um 10 Uhr, hält eine fahrige Rede ohne Mikrofon, die keiner hören kann, und verschwindet dann schnell wieder, um Gingrich ja nicht über den Weg zu laufen. Der kommt um Punkt 10.45 Uhr, schnappt sich das Mikrofon und fragt frech: "Wo ist Mitt?" Wo ist Mitt? Diese Frage stellen sich bald auch noch andere. Die Szene im Ham House ist nicht nur bezeichnend für diese Vorwahl, bei der in den letzten Tagen nichts lief, wie es eigentlich laufen sollte. Sie ist vor allem auch ein Omen für das Ergebnis am Samstagabend.

Als die Wahllokale schließen, brauchen die TV-Networks nur Sekunden, um den Ex-Sprecher des US-Repräsentantenhauses zum Gewinner der Vorwahl von South Carolina auszurufen. Nichts ist unmöglich: Der Bibelstaat erhebt den seitenspringenden, doppelt geschiedenen, demagogischen Rebell Gingrich zum Sieger über den aalglatten Multi-Millionär Romney. Je länger die Nacht dauert, desto klarer wird das. Am Ende hängt Gingrich den Rivalen mit rund 40 zu 28 Prozent ab - ein vernichtender Schlag der Rechtsaußen-Basis gegen die Romney-treue Parteispitze.


Langer Weg statt Durchmarsch

Drei Staaten, drei Sieger: Rick Santorum (Iowa), Mitt Romney (New Hampshire), Newt Gingrich (South Carolina). Plötzlich ist wieder alles offen. Dabei sollte es ein Durchmarsch für Romney werden, so hatten es sich zumindest dessen Strategen erhofft. Den Kontrahenten sollte noch vor Florida - Vorwahl am 31. Januar - die Puste ausgehen. Daraus ist nichts geworden. "Wir haben einen laaaangen Weg vor uns", sagt nun ein reichlich zerknitterter Romney.

Gingrich dagegen: im Rampenlicht. Ein Mann, der im Sommer schon abgeschrieben schien, dessen Wahlkampfteam implodierte. Der sich im Herbst zurückarbeitete, bis an die Spitze. Und kurz vor dem Iowa-Caucus erneut zerlegt wurde - unter anderem durch die Kampagne eines Romney ergebenen "Super-PAC's", einer mächtigen Spendergruppe.

Doch in South Carolina haben die Basis-Fundamentalisten dem Partei-Establishment eine schallende Ohrfeige verpasst: Sie wollen Romney nicht. Was sie wollen, ist einer, der auf den Putz haut, poltert - und Rechtsaußen nicht scheut. Wie Gingrich denn vorhabe, "Obama die Nase blutig zu schlagen", erkundigte sich ein Wähler am Mittwoch beim Kandidaten. "Ich will nicht seine Nase blutig schlagen", antwortete Gingrich, ohne die Miene zu verziehen. "Ich will ihn K.o. schlagen."

Gingrich spricht niedere Instinkte an. Er keilt gegen Medien, wenn kritische Fragen gestellt werden, und gegen die "Eliten in Washington und New York". Er dämonisiert Arme. Er flirtet mit Rassismus. Er sendet Codewörter nach rechts. Schwarze sollten sich um Jobs kümmern statt um Essensmarken, sagt er. Darin steckt untergründig viel, das er gar nicht erst aussprechen muss - und das die Vorurteile so vieler Weißer bestätigt.

"Jetzt ziehen wir nach Florida"

"Ich artikuliere", triumphiert er in seiner Siegesrede am Samstagabend, "die tiefsten Werte des amerikanischen Volks." MSNBC-Moderator Chris Matthews sagt: "Er trifft alle erogenen Zonen." Gingrich ist die Sarah Palin von 2012 - nur zungenfertiger und belesener. Sein Publikum reagiert genauso, wie auch Palins Publikum reagierte, bis hin zu den patriotischen Sprechchören: "USA! USA! USA!" Das ist die Stimmung bei Gingrichs Anhängern am Samstagabend, in einem Hotel-Ballsaal in South Carolinas Hauptstadt Columbia.

"Dies ist der wichtigste Wahlkampf zu unseren Lebzeiten", deklamiert Gingrich, ein alle vier Jahre beliebter Mobilisierungsslogan, mit dem auch Palin 2008 die Massen aufpeitschte. "Jetzt ziehen wir nach Florida - und darüber hinaus." Dieses Szenario wollte Mitt Romney vermeiden. Unbedingt. Trotzdem muss er sich an diesem Abend auf seiner Wahlparty mühen, wie ein Sieger zu reden. Eine "großartige Nacht" sei das, sagt er, "danke, vielen Dank". Seine Worte suchen die bitterböse Schlappe zu verdecken, doch in seinem Gesicht zeichnet sie sich unbarmherzig ab: Tiefe Augenringe, aufgesetztes Lächeln. Seine Leute animieren die Anhänger jetzt zu einer La-Ola-Welle.

Es ist ein tiefer Fall. Vor wenigen Tagen noch lag der als moderat geltende Ex-Massachusetts-Gouverneur zweistellig vor Gingrich. Jetzt ist es genau umgekehrt. Romney ist daran nicht unschuldig. Bei zwei TV-Debatten in South Carolina ist er aus der Spur geraten. Er verhedderte sich in der Diskussion um seine Einkommensverhältnisse, die er erst im April offenlegen will; er geriet zunehmend in die Defensive wegen seiner Vergangenheit bei der Investmentfirma Bain Capital. Gingrich ist es, der Romney in dieser Sache seit zwei Wochen vor sich hertreibt. Und Romney lässt sich treiben.

Romney knöpft sich Gingrich vor

Die Quittung hat er jetzt bekommen. Wie groß der Ärger des einst so siegessicheren Mannes ist, zeigt sich, nachdem er seine Niederlage in dem Südstaat eingestanden hat. Romney knöpft sich Gingrich vor. Er tut das, indem er ihn auf eine Stufe mit Präsident Obama stellt - die Höchststrafe für Republikaner.

Obama habe weder Erfahrung in der Geschäftswelt noch in einem US-Staat, sagt also Romney, der Geschäftsmann und Ex-Gouverneur. "Und unsere Partei kann nicht zum Sieg geführt werden von einem, der ebenfalls keine Erfahrung hat in Business und Staat." Obama habe die Nation gespalten, führe einen Klassenkrieg und attackiere den freien Markt. "Wir können diesen Präsidenten nicht schlagen mit einem, der bei diesem Anschlag auf das freie Unternehmertum mitgewirkt hat." Das geht voll gegen Gingrich. Wer seinen Erfolg als Geschäftsmann attackiere, sagt Romney, der attackiere die Träume der Menschen auf eine bessere Zukunft.


Als Romney durch ist mit seiner Rede in Columbia, drehen sie bei Gingrich um die Ecke die Musik auf. "Another One Bites the Dust" von Queen schallt durch den stickigen Raum - zu Deutsch: Der nächste beißt ins Gras. Leicht denkbar, gegen wen wiederum das jetzt geht.


Jedenfalls nicht gegen Rick Santorum. Der Hardcore-Katholik, der sich mit Gingrich einen Kampf um die Stimmen der Konservativen in South Carolina geliefert hat und nun mit 17 Prozent vor Ron Paul gelandet ist, wird auf der Wahlparty des Siegers mit ausschließlich freundlichen Worten bedacht: Santorum habe "enorme Courage" gezeigt, lobt Gingrich. "VP! VP!", rufen da die Leute. VP steht für Vizepräsident, für ein Team Gingrich-Santorum gegen Obama und Vize Joe Biden. Soweit aber ist es noch lange nicht.

Klar ist seit Samstagabend nur: Die US-Vorwahlen haben sich zum Zweikampf gewandelt. Romney oder Gingrich - das ist jetzt die Frage. Santorum kann Gingrich die Rolle des Anti-Romney kaum mehr streitig machen. Einen Beleg dafür liefern in South Carolina ausgerechnet die Evangelikalen, deren über hundert diverse Anführer Santorum kurz vor der Wahl noch wärmstens empfohlen hatten. Gewirkt hat das nicht. Santorum holt in dieser Gruppe nur knapp 20, Gingrich aber gut 40 Prozent.

Montag, 9. Januar 2012

Götze spricht von Vertragsverlängerung

Götze spricht von Vertragsverlängerung


BVB-Profi Götze: "Das Gesamtpaket ist einfach überragend"

Neustädter zum FC Schalke

[11.36 Uhr] Nach Informationen des "kicker" ist der Wechsel von Borussia Mönchengladbachs Roman Neustädter zu Schalke 04 bereits perfekt. Demnach soll der Gladbacher Mittelfeldspieler im Sommer einen Vierjahresvertrag in Gelsenkirchen unterschreiben.

BVB-Star Götze spricht von Verlängerung

[10.42 Uhr] Gute Nachrichten für die Fans von Borussia Dortmund: Jungstar Mario Götze spielt offenbar mit dem Gedanken, noch länger beim BVB zu bleiben. "Ja, klar kann ich mir vorstellen, noch einmal in Dortmund zu verlängern! Ich habe immer betont, wie wohl ich mich hier fühle", sagte der 19-Jährige der "Bild"-Zeitung.


Der Nationalspieler hat beim Deutschen Meister noch einen Vertrag bis 2014. "Hier habe ich meine Familie und meine Freunde. Und das Gesamtpaket Borussia Dortmund mit dem Trainer und der Mannschaft ist einfach überragend", wird Götze zitiert.

Der Mittelfeldspieler bekommt in der kommenden Saison Gesellschaft von 17,5-Millionen-Euro-Zugang Marco Reus. "Ich kann's kaum abwarten, mit ihm zusammen zu spielen", sagte Götze.


Olic kann sich Verbleib in München vorstellen

[10.31 Uhr] Ivica Olic bleibt dem FC Bayern möglicherweise doch über das Saisonende hinaus erhalten. Sportdirektor Christian Nerlinger lobte den Kroaten bei Sport 1: "Olic ist nach langer Verletzungspause zurückgekommen, ich habe volles Vertrauen in ihn."


Auch Trainer Jupp Heynckes schätzt die Qualitäten des Angreifers: "Ich weiß, dass der Spieler etwas hat, was nicht jeder hat: eine kämpferische Einstellung."

Olic selbst, dessen Vertrag am 30. Juni ausläuft, sagte: "Ich habe mit den Bossen noch nicht gesprochen. Bis zum Sommer werde ich für meinen Platz kämpfen. Ich kann mir sehr gut vorstellen zu bleiben, denn ich bin sehr glücklich hier."

Doris Schröder-Köpf will in den Landtag

Doris Schröder-Köpf will in den Landtag

Doris Schröder-Köpf: Vorstellung in den Ortsverbänden
Doris Schröder-Köpf strebt eine politische Karriere an. Sie will 2013 für die SPD in den niedersächsischen Landtag einziehen. Bevor sie sich zur Wahl stellen kann, muss sie allerdings noch eine parteiinterne Hürde nehmen.

Oldenburg/Hannover - Aufsehenerregende Kandidatur für den Landtag in Niedersachsen: Doris Schröder-Köpf will nach Informationen der Oldenburger "Nordwest-Zeitung" bei der Parlamentswahl 2013 für die SPD in Hannover antreten. Die Ehefrau von Alt-Bundeskanzler Gerhard Schröder will sich um ein Mandat bewerben. Das bestätigte Hannovers Bezirkschef Stefan Schostok der Zeitung. Bisher war die 48-Jährige in der niedersächsischen Landespolitik noch nicht politisch aktiv.

Laut "Bild"-Zeitung will sie als SPD-Direktkandidatin den Wahlkreis 24 (Hannover-Döhren) erobern, der bisher von der CDU gehalten wird. 2008 hatte die SPD dort nur 32 Prozent der Erststimmen erzielt, der CDU-Kandidat 42 Prozent. Schröder-Köpf müsse sich aber zunächst in einem internen Duell gegen die bisherige Landtagsabgeordnete Sigrid Leuschner durchsetzen, so Schostok gegenüber der "Nordwest-Zeitung". Leuschner sitzt seit 1994 für die SPD im Landtag. Die beiden Kandidatinnen hätten bereits begonnen, sich in den Ortsverbänden vorzustellen.


Laut Schostock hat sich Schröder-Köpf vergangene Woche im Ortsverein Kleefeld den Mitgliedern als Kandidatin vorgestellt. Eine Entscheidung werde frühestens Ende März fallen. Die Gattin des Ex-Bundeskanzlers habe sich selbst zu der Kandidatur entschlossen. "Das war keine Sache von oben", sagte der SPD-Bezirkschef.

Vor fünf Jahren sei Schröder-Köpf einmal gefragt worden, ob sie nicht kandidieren wolle. "Damals hatte sie abgelehnt wegen der Kinder", sagte Schostok. Schröder-Köpf wolle sich "aus Respekt vor der Basis" zunächst nur "intern" vorstellen, machte der SPD-Abgeordnete klar. Vor der Presse wolle sie sich zunächst nicht äußern, fügte er hinzu.

Der Landtag wird im Januar nächsten Jahres gewählt. Die frühere Journalistin Schröder-Köpf ist seit 1997 mit Schröder verheiratet. Sie gehört seit einem Jahr zum Aufsichtsrat von Karstadt.

Montag, 26. Dezember 2011

Anonymous hackt Website von US-Sicherheitsfirma

Anonymous hackt Website von US-Sicherheitsfirma


Die Online-Guerilla Anonymous hat offenbar Tausende Kreditkartendaten von Kunden der US-Sicherheitsberatungsfirma Stratfor gestohlen. Sie will eine Million Dollar als Weihnachtsspenden umverteilen. Außerdem soll der mutmaßliche WikiLeaks-Informant Manning in einem schicken Restaurant essen dürfen.


London - "MERRY LULZXMAS!! h0h0h0h0h0", "Wie gefällt euch Lulzxmas bislang?", "Freut ihr euch über die epische Verunstaltung und Zerstörung der Stratfor-Website?", so beginnt das jüngste Bekennerschreiben der Online-Aktivisten Anonymous. Die Gruppe hat am Sonntag offenbar den Server des in den USA ansässigen Sicherheitsberatungsinstituts Stratfor gehackt und eine große Zahl an E-Mail- und Kreditkartendaten gestohlen. "Lulz" kommt von der Abkürzung "lol" (laughing out loud - laut lachen) und steht für die anarchische Grundmotivation von Anonymous.


Einer der Anonymous-Hacker vermeldete über den Kurznachrichtendienst Twitter, die Zugangsdaten für 90.000 Kreditkarten seien geknackt worden. So sei es möglich gewesen, von diesen Karten unfreiwillige Überweisungen im Gesamtumfang von mehr als einer Million Dollar zu tätigen - das Geld sei in Form von Weihnachtsspenden verschenkt worden, teilten die Hacker mit.


Zum Beweis veröffentlichten sie mutmaßliche Online-Überweisungen - so wurden offenbar von dem Konto eines Regierungsmitarbeiters, der für das Homeland Security Department arbeitet, 180 Dollar an das Rote Kreuz überwiesen. Aufgelistet sind der volle Name, Privat- und E-Mail-Adresse sowie die Steuernummer. Auf einem anderen Beleg steht der Name eines langjährigen Mitarbeiters einer texanischen Bankabteilung, der kürzlich in Rente gegangen ist. Der Mann bestätigte laut Nachrichtenagentur AP, er habe am Freitag gemerkt, dass 700 Dollar von seinem Konto abgebucht worden sind - insgesamt seien fünf Überweisungen an Nichtregierungs- und Charity-Organisationen wie Care und Save the Children getätigt worden.

Laut Bekennerschreiben hat die Gruppe Tausende Kreditkartendaten, Passwörter und Privatadressen gestohlen - viele weitere Überweisungen sollen in den nächsten Tagen folgen. Das Pikante: Die Kundenliste von Stratfor ist streng geheim. Per Twitter veröffentlichte Anonymous einen Link, der nach ihrer Darstellung die Kundenliste anzeigt - dazu zählen laut AP das US-Militär, das Polizeidezernat in Miami, Banken, Medienunternehmen wie MSNBC sowie Internetfirmen wie Apple und Microsoft. Die Firmen wollten sich bislang nicht zu dem mutmaßlichen Angriff äußern.



Die Daten waren laut Anonymous nicht verschlüsselt

Für Stratfor könnte die Aktion ein unangenehmes Nachspiel haben, bietet die Firma mit Hauptsitz in Texas laut eigener Aussage ihren Kunden doch politische, ökonomische und militärische Beratung und Analysen an - mit dem Ziel, deren Risiko zu reduzieren. Doch die Stratfor-Daten waren laut Anonymous leicht zugänglich, weil sie nicht verschlüsselt waren. "Nicht mehr so geheim und privat?", verspottet Anonymous die Sicherheitsagentur in ihrem Schreiben.

Die Stratfor-Website wurde zunächst gesperrt. Nachdem sie am frühen Sonntagabend gar nicht aufzurufen war, ist dort später am Abend zu lesen: "Die Seite wird derzeit gewartet. Bitte versuchen Sie es bald noch einmal." Das Unternehmen teilte in einer E-Mail mit, der Server sei abgeschaltet worden, nachdem die Firma erfahren habe, dass die Webseite gehackt worden sei. "Wir haben Gründe anzunehmen, dass Namen unserer Kunden auf anderen Web-Seiten auftauchen", heißt es in der E-Mail, die laut AP von Firmenchef George Friedman unterschrieben wurde.


Die Web-Guerilla, die in der Vergangenheit bereits Firmen wie MasterCard, Visa sowie die Sekte Scientology angegriffen hat, hatte kürzlich bereits mit Stratfor zu tun: Die Sicherheitsberatungsfirma hatte Anfang Oktober ein Video veröffentlicht - darin: Ein maskiertes mutmaßliches Anonymous-Mitglied, das mit der Veröffentlichung der Machenschaften eines der mächtigsten und brutalsten Drogenkartelle Mexikos, Los Zetas, droht, wenn einer seiner Kollege nicht freigelassen werde. Stratfor warnte daraufhin, die Zetas könnten als nächstes zum Gegenschlag gegen Anonymous ausholen.


Bradley Manning soll in den nächsten Stunden ein gutes Essen bekommen

Als Grund für ihre Weihnachtsaktion nennen die Hacker auch die Haft der mutmaßlichen WikiLeaks-Quelle Bradley Manning: "Während die Reichen und Mächtigen sich an ihren gutbürgerlichen Geschenken und verschwenderischen Mahlzeiten erfreuen, hat unser Kamerad Bradley Manning in der Haft keine so gute Zeit", so die Internetaktivisten in ihrem Bekennerschreiben.

Derzeit wird im Rahmen eines Prozesses entschieden, ob der US-Soldat Manning vor ein Kriegsgericht kommt. Er soll geheimes Videomaterial und interne Berichte von US-Botschaften an die Web-Plattform WikiLeaks weitergegeben haben. Anonymous fordert nun: "Wir wollen, dass Bradley Manning an diesem Lulzxmas ein köstliches Essen bekommt. Wir wollen, dass er draußen in einem schicken Restaurant seiner Wahl essen kann, und wir wollen, dass dieses in weniger als fünf Stunden passiert."

Gabriel gegen Rücktritt von Wulff

Gabriel gegen Rücktritt von Wulff



SPD-Chef Gabriel hat sich dafür ausgesprochen, Bundespräsident Christian Wulff im Amt zu halten. Er befürchtet, dass Deutschland in eine schwere Krise schlittern könnte, wenn schon wieder ein Staatsoberhaupt den Hut nimmt. Gleichzeitig fordert er eine „rückhaltlose Aufklärung“.



Es wäre verheerend und nahe an einer echten Staatskrise, wenn innerhalb von zwei Jahren zum zweiten Mal ein Bundespräsident zurückträte“, sagte Sigmar Gabriel der Zeitung „Die Welt“ vom Dienstag. „Rückhaltlose Aufklärung soll nicht zum Rücktritt, sondern zu einer Rückkehr in eine angemessene und glaubwürdige Amtsführung führen.“

Wulff war in den vergangenen Wochen in Kritik geraten, weil er als niedersächsischer Regierungschef einen Privatkredit von der Frau des befreundeten Unternehmers Egon Geerkens angenommen hatte. Als er von den Grünen im Landtag befragt wurde, ob er mit Geerkens geschäftliche Beziehungen unterhalte, verneinte er. Den Kredit ließ er unerwähnt. Später kam heraus, dass der Unternehmer die Kreditbedingungen ausgehandelt hatte und das Geld von einem gemeinsamen Konto stammt. Wulff beteuert, dass die 500 000 Euro aber von Edith Geerkens stammen. Am vergangenen Donnerstag entschuldigte sich Wulff dafür, nicht sofort über den Kredit informiert zu haben.


Gabriel rügt Wulffs Verhalten

Gabriel sagte, es müsse vor allem im niedersächsischen Landtag geklärt werden, ob Wulff sich als Ministerpräsident an Recht und Gesetz gehalten habe. Außerdem gehe es darum, ob Wulff der Öffentlichkeit die Wahrheit gesagt habe. Würden die offenen Fragen nicht beantwortet, wäre „der Schaden für das Amt des Bundespräsidenten und für das Vertrauen in die Politik enorm“.

Träger öffentlicher Ämter dürften auch Fehler machen, müssten aber „besonders klar, eindeutig und glaubwürdig“ damit umgehen, sagte Gabriel. „Taktisches Verhalten und Bauernopfer wie die Entlassung seines Pressesprechers sind fehl am Platz.“

Der SPD-Chef erinnerte daran, dass Wulff „seinen moralischen Anspruch sehr klar formuliert“ habe. Sein Buch „Besser die Wahrheit“ sei ein schönes Beispiel dafür. „Daran muss er sich jetzt messen lassen“, sagte Gabriel.


Gabriel für Offenlegung der Politikereinkünfte

Weiter regte der Sozialdemokrat neue Anstrengungen an, um das Vertrauen der Bürger in die Politik zu stärken. „Die Affäre Wulff berührt nicht nur die Glaubwürdigkeit des Bundespräsidenten. Sie trägt dazu bei, dass das Grundvertrauen in die Politik weiter abnimmt.“ Um der Politikverdrossenheit zu begegnen, brauche man eine „neue Ehrlichkeit. Wir müssen uns an unsere eigenen Regeln halten. Und manchmal müssen wir uns auch neue Regeln geben.“

Er forderte, sämtliche Einkünfte von Politikern sollten offengelegt werden. Die Bürger hätten ein Recht darauf zu wissen, wer ihre Abgeordneten bezahlt. Die Politik müsse sich auch viel mehr wehren gegen die Einflussnahme von Lobbyisten.


„Neue Instrumente direkter Demokratie“

Außerdem müssten „neue Instrumente direkter Demokratie“ geschaffen werden. Volksabstimmungen über Gesetze oder Gesetzesvorhaben auf Bundesebene hätten „eine heilsame Wirkung“ auf die Politik. Gabriel: „Wenn Politiker wüssten, dass notfalls das Volk noch einmal über ein im Parlament verabschiedetes Gesetz abstimmen kann, würden sie sich viel mehr Mühe bei der Gesetzgebung und bei der öffentlichen Begründung geben.“ Dieses Verfahren würde"mehr Ernsthaftigkeit und Substanz in die Politik bringen.

Sonntag, 30. Oktober 2011

Millionen Amerikaner ohne Strom

Millionen Amerikaner ohne Strom




Gesperrte Straßen, verspätete Flugzeuge und Züge: Millionen US-Bürger sind an der Ostküste von einem Schneesturm überrascht worden. Drei Menschen kamen bereits ums Leben. Mehrere Bundesstaaten haben den Notstand ausgerufen.


New York - So früh wurde die Ostküste der USA seit Jahrzehnten nicht von einem Schneesturm heimgesucht: Über 2,2 Millionen Menschen sind zwischen Maryland und Massachusetts ohne Strom. Nach Angaben der Versorger werden sie noch bis Mittwoch ohne Elektrizität sein. Allein im Raum New York sind mehr als 1,3 Millionen Kunden ohne Strom - wobei "ein Kunde" zuweilen ein ganzer Wohnblock mit Dutzenden oder gar Hunderten Haushalten ist.

Drei Menschen starben nach CNN-Angaben. In Temple in Pennsylvania wurde ein 84-Jähriger in seinem Haus von einem Baum erschlagen, der die Schneelast nicht mehr tragen konnte und durch das Dach brach. In Hebron in Connecticut starb ein Mann in seinem Auto. In Springfield, Massachusetts, starb ein Mann an einem Stromschlag, als er eine Polizeiabsperrung ignorierte und an heruntergerissene Starkstromkabel geriet.


Auf den New Yorker Airports hatten Flüge bis zu 75 Minuten Verspätung. Am Flughafen John F. Kennedy mussten die Reisenden sechs Stunden und mehr Verspätung in Kauf nehmen. Andere Airports schlossen ganz - darunter der internationale Flughafen Newark. Auch die U-Bahnen fuhren unregelmäßig.

Es kam auch zu etlichen Zugausfällen in der Region. An einigen Orten erwarteten die Meteorologen bis zum Sonntag bis zu 25 Zentimeter Schnee. "Das ist sehr, sehr ungewöhnlich", sagte John LaCorte vom Nationalen Wetterdienst in State College, Pennsylvania. Zuletzt wurde in dem US-Staat 1972 ein größerer Schneesturm so früh im Herbst verzeichnet, wie LaCorte sagte. "Das wird sehr gefährlich."

Auf einer Linie zwischen Washington über Philadelphia und New York bis Boston und darüber hinaus sieht es eher nach Weihnachten als nach Halloween aus. In einigen Orten gab es 15 Zentimeter Schnee. Auch im Central Park in New York fielen bis zum Nachmittag etwa drei Zentimeter Schnee.

In New Jersey und anderen Bundesstaaten wurde der Notstand wegen des Stromausfalls ausgerufen. Die Elektrizitätsfirmen ließen Techniker aus anderen Staaten kommen, um die Leitungen zu reparieren.


Es wurde erwartet, dass der Sturm noch schlimmer wird, wenn er weiter nach Norden zieht. Der stärkste Schneefall wurde für Sonntag vorhergesagt. An der Küste wurde mit Windgeschwindigkeiten bis zu 80 Kilometern in der Stunde gerechnet. "Das ist eher wie im Februar", sagte Vaccaro.

Viele Wetterstationen verzeichneten Rekordwerte. Schnee im Oktober ist in der Region ungewöhnlich. Im New Yorker Central Park hat es seit Beginn der Wetteraufzeichnungen 1869 erst zweimal im Oktober geschneit - aber noch nie so viel wie jetzt beim dritten Mal.

Drei Tote durch Schneechaos in den USA

Drei Tote durch Schneechaos in den USA

Eine Fahrzeug im US-Bundesstaat New York wird von einem unter den Schneemassen umgestürzten Baum befreit

Ein Schneesturm legt den Nordosten der USA lahm. Flüge fallen aus, bis zu 2,3 Millionen Haushalte bekommen keinen Strom – auch die Demonstranten auf der Wall Street ziehen sich in ihre Zelte zurück. Doch das Gröbste steht noch bevor.

Ein überraschend früher und starker Wintereinbruch mit Schnee und Eis im Nordosten der USA hat am Samstag für Chaos im Flugverkehr und zu massiven Stromausfällen geführt. In 2,3 Millionen Haushalten und Geschäften fiel der Strom aus. An den internationalen Flughäfen in New York warteten Tausende von Menschen auf ihre verspäteten Flüge, in Newark im Bundesstaat New Jersey wurde der Flughafen komplett geschlossen. Auch auf den Straßen und Autobahnen herrschten teilweise chaotische Zustände, Bäume und Strommasten stürzten um. Es kam auch zu etlichen Zugausfällen in der Region. In insgesamt zwölf Bundesstaaten gab es eine offizielle Wintersturmwarnung.

Am meisten von den Stromausfällen betroffen war der Bundesstaat Connecticut. Gouverneur Dannel Malloy schätzte, dass bis Sonntag bis zu 550 000 Haushalte ohne Strom sein würden. „Wer keinen Strom hat, muss damit rechnen, dass er auch längere Zeit keinen Strom haben wird“, sagte er. Eine halbe Million Kunden waren es in New Jersey, darunter auch Gouverneur Chris Christie, der den Notstand in seinem Staat ausrief. Die Elektrizitätsfirmen ließen Techniker aus anderen Staaten kommen, um die Leitungen zu reparieren. In Pennsylvania wurde die Zahl der Haushalte ohne Strom auf knapp 380 000 geschätzt. Allein in der Metropolregion Philadelphia hätten 160 000 Kunden ohne Elektrizität auskommen müssen.



Mehr als 30 Zentimeter Neuschnee

In einigen Orten gab es 15 Zentimeter Schnee. Auch im Central Park in New York fielen bis zum Nachmittag etwa drei Zentimeter Schnee – laut CBS war das der größte Schneefall im Oktober seit Beginn der Wetteraufzeichnungen 1869. Die Demonstranten von „Occupy Wall Street“ verschanzten sich in ihren Zelten. Am stärksten betroffen waren jedoch Gebiete im Landesinneren, vor allem im Osten des Staates Pennsylvania, wie ein Sprecher des Wetterdienstes, Chris Vaccaro, mitteilte. An der Küste wurde mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 80 Kilometern in der Stunde gerechnet. „Das ist eher wie im Februar“, sagte Vaccaro.

Der verfrühte Schneesturm sollte nach Angaben des Nationalen Wetterdienstes bis Sonntag über weite Teile des Nordostens ziehen. Städte wie Allentown in Pennsylvania oder Worcester in Massachusetts mussten nach Angaben des TV-Senders „The Weather Channel“ gar mit mehr als 30 Zentimetern Schnee rechnen. Damit könnte der Sturm einen neuen Rekord für Oktober aufstellen. „Das ist sehr, sehr ungewöhnlich“, sagte John LaCorte vom Nationalen Wetterdienst in State College, Pennsylvania. Zuletzt wurde in dem US-Staat 1972 ein größerer Schneesturm so früh im Herbst verzeichnet, wie LaCorte sagte. „Das wird sehr gefährlich.“


Bereits drei Tote

Bislang hat der Schneesturm mindestens drei Menschen das Leben gekostet. In Pennsylvania kam ein 84-jähriger Mann ums Leben, als ein schneebeladener Baum auf sein Haus stürzte. In Connecticut wurde eine Person bei einem Verkehrsunfall getötet, der auf die Straßenverhältnisse zurückgeführt wurde. In Massachusetts wurde ein 20-Jähiger durch eine herabgestürzte Stromleitung getötet. Es wurde erwartet, dass der Sturm noch schlimmer wird, wenn er weiter nach Norden zieht. Der stärkste Schneefall wurde für Sonntag vorhergesagt.

Die betroffene Region wird nur sehr selten schon im Oktober von Winterwetter mit Minusgraden heimgesucht – in der Regel schneit es dort erstmals im Dezember. Bis Anfang November herrscht häufig der berühmte „Indian Summer“ mit sommerlichen Temperaturen und einer romantischen Laubfärbung. Touristen aus aller Welt machen deshalb zu dieser Zeit des Jahres im Nordosten der USA Urlaub. Der Schnee wird aber laut der Wettervorhersage ganz schnell wieder verschwunden sein – für die Wochenmitte werden wieder Temperaturen im zweistelligen Bereich erwartet.

Samstag, 16. Juli 2011

Termin-Frust und Krawall-Ängste vermiesen den Auftakt

Termin-Frust und Krawall-Ängste vermiesen den Auftakt

Zum Auftakt ein Risikospiel: Cottbus gegen Dresden. Die Zweitligasaison beginnt früh und voller Brisanz. Die Laune ihrer Verantwortlichen ist deswegen schon versaut.

Frankfurts Trainer Armin Veh

Der Plan hörte sich gar nicht schlecht an. Weil die Bundesliga von Jahr zu Jahr beliebter wird, hatte sich der Ligaverband DFL im vergangenen Spätherbst folgenden Gedanken überlegt: Die Zweite Bundesliga mit vielen finanziell wankenden Traditionsvereinen hat sportlich so viel zu bieten, dass sie mal aus dem Schatten der Ersten Liga heraus müsse. Also entschied man sich, den Saisonstart der Liga ein paar Wochen nach vorne zu verlegen – „das Alleinstellungsmerkmal der Liga stand für die meisten eindeutig im Vordergrund“, erklärt Augsburg-Manager Andreas Rettig, dessen Verein zwar mittlerweile erstklassig spielt, der jedoch als DFL-Vorstand an der Spielplanbestimmung beteiligt war.

Doch nun hat man den Salat. Ligaweit machte sich schon vor dem Auftakt an diesem Freitagabend Frust über den frühen Start breit. Eintracht Frankfurts Trainer Armin Veh etwa schimpfte: Für mich ist die Regelung Unsinn. Ein Praktiker kann das nicht initiiert haben.“ Cottbus-Trainer Claus-Peter Wollitz ging noch weiter: „Das ist unverantwortlich. Es ist eine Katastrophe, Schwachsinn, unlogisch.“ Und Hans-Jürgen Boysen, Trainer des FSV Frankfurt, der als einziger der 36 deutschen Profivereine gegen den Frühstart stimmte, sagt: „Ich sehe keine stichhaltigen Argumente dafür.“

Dresden hat nur einen Stürmer
 
Die Trainer fürchten Verletzungen wegen der kurzen Pause. Manche Vereine, etwa 1860 München, gaben ihren Spielern nur rund zweieinhalb Wochen frei, ehe sie zur Vorbereitung auf die neue Saison wieder antreten mussten. „Man muss aufpassen, dass man nicht überzieht. Die Spieler hatten kaum Regeneration“, sagte 1860-Trainer Reiner Maurer, und Aachens Coach Peter Hyballa erklärte: „Das ist einfach zu wenig. Mich würde mal interessieren, ob Mediziner oder Sportwissenschaftler dabei waren, als über den frühen Start gesprochen wurde.“

Neben den erwarteten Verletzungen aufgrund der arg verkürzten Erholungsphase, mit denen Aachens Manager Erik Meijer ab „Ende September, Anfang Oktober“ rechnet, ärgern sich die Vereine auch darüber, dass sie ihre Kader kaum planen konnten. Dresdens Trainer Ralf Loose etwa schimpfte, nach dem Aufstieg keine Zeit gehabt zu haben, seine Abgänge zu ersetzen. Nun hat er beim Saisonstart in dem Tschechen Pavel Fort nur einen Stürmer im Kader und sagt: „Natürlich habe ich Angst, dass er sich verletzt, denn dann stehe ich ohne Angriff da. Wir brauchen noch fünf Spieler.“


„Der Markt ist tot“
 
Und bei 1860 München haben sie sich nach der vermiedenen Pleite durch den Einstieg des arabischen Investors Hasan Ismaik einen derart knallharten Sparplan auferlegt, dass sie jene Spieler, die in ihren Augen zu viel Geld verdienen, lieber heute als morgen abgeben möchten. Das einzige Problem dabei: Noch gibt es keine Anfragen. 1860-Sportchef Florian Hinterberger erklärt: „Wir wollen Antonio Rukavina und Djordje Rakic abgeben. Aber der Markt ist tot. Wir Zweitligisten sind eben viel früher dran als alle anderen, da müssen wir uns gedulden.“

Doch die Terminierung ist nicht mal das größte Problem, mit der die Zweite Liga in die neue Saison startet. Weitaus größere Sorgen bereitet den Vereinen die Vielzahl sogenannter Risikospiele, die durch die brisante Ligakonstellation entsteht. Die Anhänger aller drei Aufsteiger – Dresden, Hansa Rostock und Eintracht Braunschweig – sind nicht unbedingt für ihr friedliches Auftreten bekannt. Und dass die Fans von Erstligaabsteiger Eintracht Frankfurt zuletzt sogar selbst als „Randalemeister“ feierten, löst bei den Zweitligaverantwortlichen auch nur geringe Begeisterung aus. Da überrascht es kaum, dass Rainer Wendt, der Vorsitzende der deutschen Polizeigewerkschaft, zuletzt vermutete: „Die Zweite Liga droht zur Chaos-Liga zu werden.“

Look des Tages: Brooklyn Decker

Look des Tages: Brooklyn Decker

In den USA ist sie in aller Munde: Brooklyn Decker ist Model, Schauspielerin und, nebenberuflich, Frau von Andy Roddick. Wem der Name kein Begriff ist, der sollte die nachfolgenden Bilder nicht versäumen. Für ihren Körper — und ihre Schuhe — braucht diese heiße Blondine nämlich einen Waffenschein.

Brooklyn Decker in scharfen Tretern (Bilder: Splash/WireImages)

Ihr Vorname steht für ein New Yorker Stadtviertel. Sie ist ein amerikanisches Model und war auf dem Cover der „Sports Illustrated" zu sehen. Als Schauspielerin hatte sie erst kleinere Nebenrollen in Fernsehserien wie „Chuck" oder „Ugly Betty". 2011 folgte dann ihr Kino-Debüt in der Komödie „Meine erfundene Frau" an der Seite von Adam Sandler und Jennifer Aniston. Brooklyn Decker ist ein wahrer Hingucker und außerdem mit Andy Roddick verheiratet. Doch es ist nicht der US-Tennisspieler, um den wir sie beneiden. Es ist ihr sexy Lederkleid und die scharfen Schuhe, die sie auf den ESPY Awards in Los Angeles trug.

In einem roten, hautengen Lederdress von Jay Ahr und goldenen High-Heels von Christian Louboutin war Brooklyn Decker sofort im Blitzlichtgewitter der Fotografen gefangen. Nur zu Nahe durften sie der Blondine nicht kommen. Schließlich herrscht bei den Schuhen mit den scharfen Spitzen aus Metall tatsächlich Verletzungsgefahr. Letztes Jahr veröffentlichte bereits Kim Kardashian ein Foto der trendigen Treter auf ihrer Webseite und schrieb: „Hab mich an einer der Spitzen geschnitten. Diese Schuhe sind gefährlich."

Die Hacken sind allerdings nicht nur bedrohlich, sondern zaubern auch wunderschöne, lange Beine. Die goldene Farbe bildet einen tollen Kontrast zum schulterfreien, blutroten Kleid, das die sexy Kurven der 24-Jährigen betont. Für den perfekten Stilbruch zum dunklen Gothic-Look des Kleides sorgen die gold schimmernden, leicht hochgesteckten Haare des Models. Dieser Style ist eindeutig hot!

Doch wie findet ihr den Look von Brooklyn Decker? Sind die Schuhe scharf oder nicht?

Dienstag, 5. Juli 2011

3-D ohne Brille

3-D ohne Brille

Zur IFA will Toshiba einen 3-D-Fernseher vorstellen, der ohne Brille funktioniert
Erst wenn für 3-D-Fernseher keine Brillen mehr nötig sind, dürfte die dritte Dimension den TV-Massenmarkt erobern. Toshiba will zur IFA mit einem Seriengerät vorpreschen. Auch ein Notebook des Herstellers arbeitet mit brillenloser 3-D-Technologie.

Die IFA wirft ihren Schatten voraus. Bereits zwei Monate vor dem Start der internationalen Technikmesse haben mehrere Hersteller Journalisten erste Einblicke in die Neuheiten gegeben, die sie im September in Berlin präsentieren werden. Einer der wichtigsten Trends seit zwei Jahren: 3-D – kein Produzent von Fernsehgeräten kommt an diesem Thema vorbei.

Doch der Massenmarkt ist von der dritten Dimension noch nicht durchdrungen. Nicht zuletzt die Notwendigkeit, für den 3-D-Konsum von Filmen oder Games eine spezielle Brille tragen zu müssen, steht gegen eine massenhafte Verbreitung der zukunftsträchtigen Technologie.

Toshiba setzt deswegen bereits auf die nächste Generation der räumlichen Wahrnehmung – und bringt mit dem Qosmio F750 ein 3-D-fähiges Notebook auf den Markt, das ohne eine Sehhilfe auskommt. Per Knopfdruck kann man auf dem High-End-Computer zwischen 2-D und 3-D wechseln, auch die gleichzeitige Darstellung dieser beiden Ansichten ist möglich. Dass so etwas durchaus funktioniert, hat zum Beispiel Nintendo mit seiner Spielkonsole 3DS vorgemacht. Der Qosmio F750 soll bereits im Sommer für 1649 Euro in der

Auch im TV-Bereich wird fieberhaft an der brillenlosen 3-D-Technologie gearbeitet – denn dies dürfte den Durchbruch für das räumliche Fernsehen bedeuten. Allerdings ist mit einer größeren Anzahl ausgereifter Geräte erst in ein paar Jahren zu rechnen, denn die Bildqualität ist noch nicht auf dem Stand aktueller Fernseher. Ein Problem dabei: Die Rechenleistung von High-End-Computern reicht zwar in der Regel aus, um brillenlose 3-D-Bilder zu erzeugen, aber Fernseher sind in der Regel nicht mit entsprechend leistungsstarken Prozessoren ausgestattet.

Deutlich höherer Preis

Toshiba macht nun Ernst und will auf der IFA TV-Geräte zeigen, die mit einer erweiterten Multi-Prozessor-Plattform arbeiten und so 3-D-Fernsehen ohne Brille ermöglichen sollen. Die Fernseher mit Diagonalen von über 40 Zoll sollen dreidimensionalen Filmkonsum für mehrere Zuschauer gleichzeitig ermöglichen – also nicht nur für die Person, die frontal und mittig vor dem Fernseher sitzt. Ob sie bereits eine wirkliche Alternative zu herkömmlichen Geräten bieten können, muss sich dann aber noch erweisen. Die brillenlosen 3-D-Fernseher sollen 2012 auf den Markt kommen – und sie werden nach Auskunft eines Toshiba-Sprechers im Preis deutlich über bislang erhältlichen TV-Geräten liegen.


Mittwoch, 22. Juni 2011

Freiheit für Chinas Gefangenen Nummer eins

Freiheit für Chinas Gefangenen Nummer eins

Ai nach seiner Entlassung mit einem Journalisten: "Vergehen" zugegeben?

China hat seinen bekanntesten Gefangenen Ai Weiwei aus der Haft entlassen. Der Zeitpunkt überrascht, nächste Woche trifft Premier Wen Angela Merkel. Ist die Freilassung ein Geschenk für die Kanzlerin? Denkbar ist auch, dass ein Machtkampf in Peking dahintersteckt.

Er war der bekannteste Gefangene Chinas - offiziell wegen Steuerhinterziehung inhaftiert, tatsächlich wohl aus politischen Gründen von der Bildfläche verschwunden, weil er der chinesischen Führung zu unbequem geworden war. Jetzt ist der Künstler Ai Weiwei wieder frei.

Ai selbst bestätigte mit einer kurzen Textmeldung seine Freilassung. Das teilte sein Freund Liu Xiaoyuan, ein Menschenrechtsanwalt, in Peking mit. "Ich kann nichts weiter sagen, weil ich auf Kaution frei bin", sagte Ai Reportern, die sich nach der Nachricht von seiner Entlassung vor sein Haus gekommen waren. Auch die Schwester des chinesischen Künstlers bestätigte, dass ihr Bruder frei sei. "Weiwei ist wieder zu Hause", teilte Gao Ge mit. Ihr Bruder sei "extrem glücklich", habe aber während der Haft deutlich an Gewicht verloren.


Seit Ais Inhaftierung am 3. April 2011 hatten Künstler und Politiker in der westlichen Welt und insbesondere in Deutschland immer wieder vehement die Freilassung des Regiemekritikers gefordert. Außenminister Guido Westerwelle (FDP) hatte ebenso protestiert wie der Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU). Auch Kanzlerin Angela Merkel (CDU) soll sich persönlich für den Inhaftierten eingesetzt haben. Klaus Staeck, Präsident der Akademie der Künste in Berlin, hatte in einem Interview gar eine militärische Befreiungsaktion gefordert.

Bemerkenswerter Zeitpunkt der Freilassung

Die überraschende Freilassung fällt auf einen bemerkenswerten Zeitpunkt: Am Montag besucht der chinesische Ministerpräsident Wen Jiabao Berlin. Hier sollen die ersten deutsch-chinesischen Regierungskonsultationen stattfinden. Die Vermutung, Ais Haftentlassung könnte eine Geste des guten Willens vor dem Staatsbesuch sein, ist zwar naheliegend, unterstellt jedoch ein beispielloses Eingehen auf westliche Forderungen durch die chinesische Führung. Peking hatte sich bisher stets betont unabhängig und unbeeindruckt von westlichen Wünschen nach mehr Meinungsfreiheit und Beachtung von Menschenrechten gegeben.

Denkbar ist auch, dass der überraschende Entlassungsakt mit den inneren Machtkämpfen im chinesischen Staatsapparat zu tun hat. Die Führung ist, was ihre Haltung zu kritischen Bürgern betrifft, nicht homogen. Auch ein Zusammenhang mit einem bevorstehenden Machtwechsel ist nicht ausgeschlossen. 2012 wird wohl Xi Jinping neuer Staatspräsident werden, über dessen Linie noch wenig bekannt ist.

Die aktuelle chinesische Führung hat sich die Forderungen nach Freilassung Ais stets als Einmischung in innere Angelegenheiten verbeten. Der Westen unterstütze einen "mutmaßlichen Kriminellen", kritisierte das chinesische Außenministerium. Nun gibt Peking an, Ai Weiwei sei aus gesundheitlichen Gründen aus der Haft entlassen worden. Der Künstler leidet an Diabetes. Zudem habe er "seine Vergehen" zugegeben, meldet Xinhua.

Dem Künstler war vorgeworfen worden, mit seiner Firma "Fake Cultural Development" eine "riesige Summe" an Steuern hinterzogen zu haben. Seine Familie hat diese Vorwürfe stets bestritten. Das Verfahren gegen Ai habe nichts mit Meinungsfreiheit oder Menschenrechten zu tun, verlautete die chinesische Führung.


Ai Weiwei war den chinesischen Autoritäten in den vergangenen Jahren zunehmend unangenehm geworden, weil er offen und ungeschminkt Missstände in seinem Land anprangerte, so zum Beispiel in seinem - später behördlich geschlossenen - Blog. Nach dem Erdbeben in Sichuan 2008 leitete er Untersuchungen zum Einsturz zahlreicher Schulen. Zudem initiierte er eine "Bürger-Ermittlung" zu einem Brand, bei dem im November 2010 in Shanghai 58 Menschen ums Leben kamen. Ai Weiwei gab zahlreichen westlichen Medien Interviews, die an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig ließen.

Sollte Ai Weiwei, dessen Familie noch nicht offiziell über die Freilassung unterrichtet ist, tatsächlich demnächst aus China ausreisen dürfen, könnte er in Berlin sofort eine neue Stelle antreten: Zwei Wochen nach seiner Verhaftung war ihm eine Professur an der Hochschule der Künste in Berlin angeboten worden. Zudem bereitete Ai noch kurz vor seiner Verhaftung die Eröffnung eines neuen Ateliers nahe der deutschen Hauptstadt vor.

Montag, 20. Juni 2011

Fotos enthüllen neue Details des Kannibalen

Fotos enthüllen neue Details des Kannibalen

Die Galaxie Centaurus A ist eines der spektakulärsten Himmelsobjekte, das die Astronomen kennen
Centaurus A ist eines der spektakulärsten und besterforschten Himmelsobjekte. Doch neue Teleskop-Aufnahmen des kosmischem Kannibalen überraschen selbst Experten.

Für ihre jüngsten Aufnahmen nutzten Astronomen die fortschrittliche Wide Field Camera 3 des Hubble-Weltraumteleskops. Sie lichtete Centaurus A in nie gekannter Detailfülle ab. Mit einer Entfernung von knapp zwölf Millionen Lichtjahren ist Centaurus A die unserer Milchstraße am nächsten gelegene Riesengalaxie. Ihr Durchmesser beträgt rund 150 000 Lichtjahren, damit übertrifft sie unsere Milchstraße um das 1,5-fache. Katalogisiert wurde sie 1847 von dem berühmten britischen Astronomen John Herschel, dem sie wegen ihres einzigartigen Erscheinungsbilds aufgefallen war.

Insbesondere zeigen die in mehreren Spektralbereichen angefertigten Hubble-Bilder die dunklen Staubwolken, die den Kern der Galaxie umschlingen, in herausragender Klarheit. Dabei entsteht ein plastischer Gesamteindruck der Sterneninsel, wie er sich einem Beobachter in einem Raumschiff böte, das in einiger Entfernung an ihrer Flanke schwebt. Die spinnwebfeinen Materiegewebe werden sichtbar, weil die Hubble-Kamera auch Anteile aus dem infraroten und UV-Bereich des Spektrums registriert. Sie enthüllen Strukturen, die im sichtbaren Licht nicht zu erkennen sind, weil der Staub sie verbirgt. Für diese Wellenlängenbereiche sind die dunklen Wolken aber durchlässig. Hobbyastronomen können Centaurus A mit einem guten Fernglas erkennen, während in Amateurteleskopen bereits die Staubwolken sichtbar sind.

Centaurus A verschlingt kleine Spiralgalaxie

Frühere Aufnahmen mit erdgebundenen Teleskopen zeigen, dass die Dunkelwolken nicht nur den Kern umschließen, sondern die gesamte Galaxie durchziehen. Zugleich ließen sie große Sternentstehungsgebiete erkennen, die in der Aufnahme als rötliche Flecken erscheinen. Den Grund für die rasante Neubildung von Sternen kennen die Himmelsforscher schon länger: Centaurus A verschlingt gerade eine kleinere Spiralgalaxie, mit der sie vor 200 bis 700 Millionen Jahren kollidierte. Die Staubwolken sind die Überreste des kleineren Kollisionspartners, der in der größeren Galaxie aufging. Deren Schwerkraft verbog die Scheibe des Spiralnebels und riss auch lang gestreckte Gasfilamente aus ihm heraus. Die Schockwelle des Aufpralls schob Wolken aus Wasserstoffgas zusammen. Ihre Materie verdichtete sich, sodass schließlich die Sternentstehung zündete.

Diese Historie des galaktischen Zusammenpralls konnten Astronomen der Europäischen Südsternwarte anhand von Infrarot-Aufnahmen rekonstruieren, die sie 2009 mit dem 3,6-Meter-Spiegel des „New Technology Telescope“ anfertigten, das auf dem Berg La Silla in Chile steht. Auf den Bildern zeichnete sich eine ringförmige Struktur von etwa 16 500 Lichtjahren Durchmesser ab, die den Kern der elliptischen Sterneninsel umschlingt. Der Ring besteht aus Tausenden von Sternen und Sternhaufen, die vermutlich zum großen Teil erst durch den Verschmelzungsprozess der beiden Sterneninseln entstanden.


Das größte Radioteleskop der Welt

Das größte Radioteleskop der Welt

China ist nicht nur in der Industrie mitten im „Großen Sprung nach vorn“, sondern auch in der Astronomie. Das zeigt sich an dem Plan, das größte Radioteleskop der Welt zu bauen.

Im Moment steht das größte Radioteleskop der Welt in Puerto Rico im National Astronomy and Ionosphere Center, Arecibo

Es entsteht in der südchinesischen Provinz Guizhou, Baubeginn war vor wenigen Wochen. Das Ohr zum All wird riesig: Sein Reflektor soll 500 Meter Durchmesser haben. Damit übertrifft es den bisherigen Rekordhalter, das 305-Meter-Teleskop von Arecibo auf Puerto Rico, bei weitem. „Five-hundred-metre Aperture Spherical Radio Telescope“ (Fast) nennen seine Konstrukteure den Koloss, zu deutsch: Sphärisches Radioteleskop mit 500 Meter Öffnung.

Sphärisch deshalb, weil der Reflektor des Teleskops eine kugelförmige Geometrie hat. Wie eine riesige Schüssel wird er in ein 800 Meter breites Tal eingepasst. Diese Konstruktion gleicht der von Arecibo. Dort gibt es ebenso wie in Guizhou eine ausgedehnte Karstlandschaft. Sie ist übersät von Dolinen, die entstanden, weil das Wasser über Äonen den dort dominierenden Kalkstein auswusch. Anhand von Satellitenbildern und Geländeexkursionen wählten Forscher der National Astronomical Observatories (NAO) in Peking die von Bergen umgebene Senke aus. Sie ist weit genug von Bevölkerungszentren entfernt, um vor Störstrahlung aus technischen Radioquellen sicher zu sein. Allerdings ist das Gebiet nicht völlig unbewohnt. Am Grund der Senke lebten rund 80 Menschen in einem kleinen Dorf. Darunter waren einige Kinder, die auf dem Weg zur Schule jeden Tag über die Berge gehen mussten. Diese Menschen wurden nach Angaben der NAO in die nächste Stadt umgesiedelt.

Gigantisch, aber unbeweglich

Für den Bau des Reflektors müssen Arbeiter eine Million Kubikmeter Boden bewegen. Sie schaffen in dem Tal eine halbkugelförmige Konstruktion, auf der die 4400 dreieckigen Aluminiumlatten ruhen, die zusammen den Reflektor bilden. Er bündelt die aus dem All einfallenden Radiowellen auf die eigentliche Antenne, die – an Kabeln befestigt – im Focus des Reflektors hängt. Die Grundkonstruktion gleicht damit dem Radioteleskop von Arecibo. Doch einen entscheidenden Unterschied gibt es: Die Anlage auf Puerto Rico hat einen unbeweglichen Reflektor mit kugelförmiger Geometrie. Er reflektiert die einfallende Strahlung auf weitere Spiegel, die in einer Kuppel an einem bogenförmigen, über 100 Meter langen Arm untergebracht sind. Dieser wiederum ist an einer großen Plattform befestigt, die an Kabeln über dem Reflektor hängt.

Die Kuppel ist beweglich und kann so das größte Manko des Riesenteleskops ausgleichen: Weil es nicht schwenkbar ist, kann es nur die Strahlung aus dem gerade über ihm liegenden Teil des Firmaments empfangen. Die Kuppel lässt sich aber an dem Arm entlang bewegen. Die Reflektoren darin können so Strahlung aus verschiedenen Himmelsarealen empfangen oder Objekte verfolgen, die durch die Erddrehung aus dem Focus laufen. Sie fokussieren die Radiowellen auf Hornantennen, die den Wellensalat zu den Detektoren leiten.

Eine vergleichbare Konstruktion würde über 10 000 Tonnen wiegen. Deshalb ersannen die Konstrukteure eine Alternative: Sie nutzen den großen Primärreflektor, um die einfallenden Signale zu bündeln. Dazu wird jeweils eine gewisse Zahl der Aluminiumplatten zu einem Subreflektor zusammengefasst. Ein System aus Kabeln und Motoren formt sie zu einem Parabolspiegel von 300 Meter Durchmesser, der damit fast ebenso groß ist wie das Teleskop von Arecibo. Diese Untereinheit lässt sich überall auf dem 500 Meter durchmessenden Reflektor positionieren. Sie reflektiert die Wellen in einen Empfänger, der an Kabeln über dem Reflektor hängt. Durch diese Technik können die Astronomen bis zu 19 Himmelsareale simultan in verschiedenen Wellenlängenbereichen des Radiospektrums beobachten. In Arecibo lassen sich nur sieben Gebiete am Firmament parallel erfassen.

Ein beeindruckendes Objekt

Touristen besichtigen das „Ohr zum All“

Auf diese Weise kann Fast sein Gesichtsfeld ausweiten und größere Himmelsareale beobachten. Ebenso ermöglicht der technische Trick das Nachführen des Focus, um Himmelsobjekten auf ihrem Weg über das Firmament zu folgen. „Fast ist ein beeindruckendes Objekt“, erklärt der Astronom Subramaniam Ananthakrishnan vom National Centre for Radio Astrophysics im indischen Pune. „Wenn es fertig gestellt ist, wird es das größte und empfindlichste Radioteleskop der Welt sein.“ Im September 2016 soll der Koloss in Betrieb gehen.

Die Riesenantenne kann dann Signale aus einer dreimal größeren Entfernung empfangen als Arecibo. Die Himmelsforscher erwarten, Zehntausende neuer Galaxien und andere Himmelsobjekte zu finden, die bis zu sieben Milliarden Lichtjahre entfernt sind. Dazu zählen Pulsare und Supernova-Überreste. Solche Beobachtungen können helfen, die Allgemeine Relativitätstheorie Albert Einsteins zu testen. Viele der Galaxien werden im sichtbaren Licht unsichtbar bleiben. Fast kann sie jedoch anhand der Strahlung identifizieren, die das neutrale Wasserstoffgas in ihren Scheiben emittiert. Daraus können die Forscher Schlüsse über die Evolution des Universums und die Natur der Dunklen Materie ziehen.

Erde an ET

Mit dem neuen Riesenteleskop verfolgen die Astronomen noch einen besonderen Zweck. Wie schon mit der großen Schüssel von Arecibo wollen sie damit nach Signalen außerirdischer Zivilisationen lauschen und dazu 5000 sonnenähnliche Sterne anpeilen. „Fast könnte einen starken Sender, mit dem Radarwellen abgestrahlt werden, noch in 1000 oder mehr Lichtjahren Distanz aufspüren“, meint der Astrophysiker Seth Shostak vom SETI Institute im kalifornischen Ort Mountain View.

Umgekehrt lässt sich das neue Radioteleskop auch als Sender nutzen. Seine Riesenschüssel reflektiert Signale, die hineingestrahlt werden, hinaus ins All. Bei der Antenne von Arecibo haben dies die Astronomen Frank Drake und Carl Sagan bereits praktiziert. Im November 1974 sandten sie eine Botschaft in Richtung des Kugelsternhaufens Messier 13, der in rund 25 000 Lichtjahren Entfernung im Sternbild Herkules steht. Sie enthält binär codierte Informationen über die Biologie des Menschen, die Menschheit sowie die Erde. Ziel ist, Kontakt mit einer außerirdischen Intelligenz aufzunehmen. Den Kugelsternhaufen wählten die Forscher aus, weil sich darin sehr viele Sterne auf engstem Raum tummeln. Dies sollte die Chance erhöhen, auf eine bewohnte Welt zu treffen. Mittlerweile haben die Signale gut 270 Billionen Kilometer zurückgelegt. Auf eine Antwort – so denn eine kommt – müssen die Nachfolger von Drake und Sagan allerdings noch eine Weile warten: Bei der Laufzeit der mit Lichtgeschwindigkeit fliegenden Funkwellen könnte die Rückmeldung einer technisch entwickelten Zivilisation frühestens nach knapp 50 000 Jahren auf der Erde eintreffen.

Samstag, 11. Juni 2011

Qualm bedroht Gesundheit der Bevölkerung

Qualm bedroht Gesundheit der Bevölkerung

4400 Feuerwehrleute sind in Arizona im Einsatz

Ein gewaltiger Waldbrand im US-Staat Arizona hat bereits ein Gebiet von 1.600 Quadratkilometern vernichtet. Die hohe Rußkonzentration wird zu einem Risiko für die Feuerwehrleute.

Die Konzentration von Rußpartikeln in der Luft sei astronomisch, sagte Mark Shaffer von der Umweltschutzbehörde Arizonas. „Die Lage ist jenseits von Gut und Böse“, warnte er am Freitagabend (Ortszeit). Zurzeit sind 4400 Feuerwehrleute im Einsatz.

Der nachlassende Wind am Donnerstag und Freitag half den eingesetzten Feuerwehrleuten bei der Bekämpfung der Brände. Aber durch die geringe Luftbewegung staute sich der Qualm, und die Rußkonzentration stieg auf bislang unerreichte Höhen. „Wir haben ein möglicherweise ernsthaftes Gesundheitsproblem vor uns“, sagte Shaffer. Die Behörden riefen die Bevölkerung zur Meidung des Gebiets auf.


Starker Wind bereit den Einsatzkräften sorgen

Für Samstag befürchten die Brandbekämpfer wieder stärkeren Wind. „Die Atmosphäre ist sehr instabil und beschleunige das Wachstum des Brands“, sagte ein Feuerwehrsprecher. „Wir machen uns große Sorgen um den Wind.“ Mittlerweile bedroht der Waldbrand auch den Nachbarstaat New Mexico, mehrere Ortschaften und zwei wichtige Stromleitungen, die Elektrizität von Arizona nach West-Texas bringen. Der Stromversorger El Paso Electric warnte bereits 370 000 Kunden vor Stromausfällen, wenn die Leitungen durchtrennt würden.

Möglicherweise müssen die Brandbekämpfer selbst rund 60 Hektar Land anzünden, um eine Brandschneise zu errichten, die die Flammen stoppen kann. „Es wird wirklich schwierig“, sagte der Feuerwehrsprecher.

Bisher vernichteten die Flammen mehr als 1600 Quadratkilometer Wald – fast 300 Quadratkilometer allein an einem Tag. 30 Häuser wurden zerstört und fast 10 000 Menschen aus den Ortschaften Springerville und Eager in Arizona mussten ihre Häuser verlassen.

Das Feuer ist bereits jetzt das zweitgrößte in der Geschichte des Staates und könnte das Rodeo-Chediski-Feuer von 2002 noch übertreffen. Allerdings ging bislang nur ein Bruchteil der Häuser in Flammen auf wie damals.

Freitag, 20. Mai 2011

Bundesbank sagt Dauerboom voraus

Bundesbank sagt Dauerboom voraus

Der deutsche Maschinenbau profitiert besonders vom Aufschwung


Die Bundesbank widerspricht allen Konjunktur-Pessimisten: Nach ihrer Einschätzung wird der Aufschwung noch lange anhalten. Nur für die Verbraucher gibt es einen Wermutstropfen.

Die Bundesbank hält einen Dauerboom in Deutschland für möglich. „Der in Gang gekommene und an Breite gewinnende Aufschwung könnte die Wirtschaftsaktivität in Deutschland über längere Zeit tragen“, schrieb die Bundesbank in ihrem am Freitag veröffentlichten Monatsbericht. „Dafür sprechen die günstigen externen wie internen Rahmenbedingungen.“ Der Exportnation komme die robuste Weltkonjunktur zugute, während die steigende Beschäftigung und die Aussicht auf spürbare Verdienstzuwächse den privaten Konsum stütze.

Wachstum verlangsamt sich

Allerdings dürfte der Aufschwung das im ersten Quartal erreichte Tempo nicht halten, als das Bruttoinlandsprodukt mit 1,5 Prozent wuchs. „Angesichts der bereits erreichten hohen Auslastung der Wirtschaft ist eine Verlangsamung der konjunkturellen Gangart wahrscheinlich“, hieß es. Analysten rechnen bis Ende 2012 mit einem durchschnittlichen Quartalswachstum von 0,5 Prozent.

Die Bundesbank sieht trotz der guten Aussichten auch erhebliche Risiken – etwa durch hohe Preise. „Die Stimmung der Verbraucher ist zwar weiterhin alles in allem gut. Gleichwohl realisieren die Arbeitnehmer immer mehr, dass ein erheblicher Teil der vereinbarten Entgeltzuwächse durch die steigende Teuerung aufgezehrt werden könnte.“ Die Inflationsrate hatte im April mit 2,4 Prozent den höchsten Stand seit zweieinhalb Jahren erreicht.

Mittwoch, 18. Mai 2011

Bundeswehr wird um bis zu 45.000 Soldaten verringert

Bundeswehr wird um bis zu 45.000 Soldaten verringert

Auch Zahl der zivilen Mitarbeiter soll sinken

Die Bundeswehr wird in den kommenden Jahren um bis zu 45.000 Soldaten verringert. …

Die Bundeswehr wird in den kommenden Jahren um bis zu 45.000 Soldaten verringert. Die Truppenstärke soll von derzeit rund 220.000 Soldaten auf 175.000 bis 185.000 sinken, wie aus den von Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) vorgestellten Eckpunkten für die Bundeswehr-Reform hervorgeht. Geplant ist außerdem, die Zahl der Stellen für zivile Mitarbeiter drastisch auf 55.000 zu senken und die Organisation der Bundeswehr deutlich zu straffen.

Die Streitkräfte sollen künftig - wie auch schon bisher geplant - hauptsächlich aus 170.000 Berufs- und Zeitsoldaten bestehen. Bei den darüber hinaus freiwillig Wehrdienstleistenden rechnet de Maizière im Gegensatz zu seinem Vorgänger Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) wegen der sinkenden Geburtenzahlen nur noch mit 5000 Soldaten, möglich sind allerdings bis zu 15.000. Mit dieser Größenordnung hatte Guttenberg geplant. Die Reform soll zugleich erreichen, dass trotz sinkender Gesamtstärke künftig mehr Truppen gleichzeitig in Einsätze geschickt werden können: Statt wie bislang 7000 Soldaten sollen es dann 10.000 sein.

Umgebaut und verkleinert wird auch das Verteidigungsministerium selbst. Von den derzeit rund 3500 Stellen sollen nur rund 2000 bleiben. Der Generalinspekteur wird aufgewertet und erstmalig zum Vorgesetzten aller Soldaten, er bleibt aber der politischen Führung unterstellt.

Nach Angaben de Maizières richtet sich die Neuorientierung der Bundeswehr an drei Prinzipien aus: an der sicherheitspolitischen Notwendigkeit, der langfristigen Finanzierbarkeit und der demografischen Entwicklung. Eine Grundlage der Reform sind von de Maizière neu formulierte verteidigungspolitische Richtlinien, die den Rahmen für den Auftrag und die Aufgaben der Bundeswehr beschreiben. Die bislang gültigen Richtlinien stammen aus dem Jahr 2003.

De Maizière (CDU) warb in einer Rede zudem für die stärkere Übernahme internationaler Verantwortung durch Deutschland. Er äußerte die Erwartung, dass die Vereinten Nationen Deutschland künftig häufiger auch dann um Unterstützung bitten würden, wenn deutsche Interessen nicht unmittelbar berührt seien."

Die Bundeswehr müsse in der Lage sein, mit ihren Fähigkeiten "einen wesentlichen Beitrag in NATO, EU und UNO zu leisten", der dem anderer großer europäischer Staaten entspreche, sagte der Minister.

Noch nicht entschieden wurde über die Zukunft der rund 400 Bundeswehr-Standorte. Wieviele und welche geschlossen werden sollen, wird im Herbst festgelegt. Einzelheiten zur Finanzierung der Reform wurden zunächst ebenfalls nicht bekannt. Es zeichnete sich aber ab, dass de Maizière auf ein gewisses Entgegenkommen von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) bauen kann.

Mittwoch, 11. Mai 2011

Großbanken mussten jeden dritten Geldautomaten auswechseln

Großbanken mussten jeden dritten Geldautomaten auswechseln

Gefälschtes Tastenfeld: Fast 200.000 Geheimnummern ausgespäht

Fast 190.000 Geheimnummern haben Betrüger an Geldautomaten ausgespäht und die Konten von Verbrauchern leergeräumt. Für deutsche Großbanken wird der Datenklau teuer: Laut einem Zeitungsbericht mussten sie 2010 ein Drittel ihrer Cash-Maschinen austauschen - wegen Sicherheitsproblemen.

Hamburg - Der Betrug mit gefälschten EC-Karten wird für Deutschlands Banken zu einem teuren Problem: Laut "Financial Times Deutschland" mussten die großen Privatbanken 2010 einen beträchtlichen Teil ihrer Geldautomaten austauschen, weil diese zu leicht manipulierbar waren.

Insgesamt seien rund 2500 Automaten betroffen gewesen. Das entspricht rund einem Drittel der rund 9000 Automaten, die die Banken der sogenannten Cash Group betreiben. Diese umfasst die größten Privatbanken wie die Deutsche Bank und Commerzbank. Für andere Cash-Maschinen, wie die rund 25.000 Geldautomaten der Sparkassen, lagen zunächst keine Erhebungen vor, wie viele Automaten ausgetauscht worden sind.



Nach Angaben des Bundeskriminalamts (BKA) nimmt das sogenannte Skimming stark zu. Täter montieren dabei Kameras und Tastatur-Attrappen an Geldautomaten, um an die Geheimnummern von Kunden zu kommen. In anderen Fällen überstülpen die Betrüger den Kartenschlitz mit einem Lesegerät, das die EC-Karte ausliest. Danach setzen sie sich meist ins Ausland ab, erstellen gefälschte EC-Karten und räumen die Konten ausgespähter Verbraucher leer.

Laut BKA manipulierten die Täter im vergangenen Jahr knapp 3200-mal Geldautomaten - eine Zunahme um 55 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Rund 190.000 Bankkunden seien von den Betrugsfällen betroffen gewesen, 300.000 Karten seien vorsorglich gesperrt worden. Insgesamt entstand durch den Einsatz gefälschter Bankkarten ein geschätzter Schaden von rund 60 Millionen Euro.

Die ausgetauschten Automaten sollen laut "FTD" allesamt von Wincor Nixdorf stammen. Der Automatenhersteller hatte jüngst seine Aktionäre mit einer Gewinnwarnung schockiert. Wincor Nixdorf wollte den Bericht nicht kommentieren.

Tabuthema Skimming

Die Bankenbranche ergreift immer neue Maßnahmen, um Betrug am Geldautomaten einzudämmen. So montierte die Deutsche Bank zuletzt an ihren Filialen die automatischen Türöffner ab, durch die Kunden ihre Karte schieben mussten, wenn sie außerhalb der Öffnungszeiten kamen.

Einen Befreiungsschlag erhoffte sich die Branche auch von einem sogenannten EMV-Chip, der das Geldabheben mit gefälschten Karten verhindern soll. Diese Technik funktioniert allerdings nur in Europa. Um die Sicherheitsschranke zu umgehen, brauchen Skimmer-Banden nur Helfer außerhalb Europas anzuheuern.

Dennoch scheinen die Maßnahmen der Banken allmählich Wirkung zu zeigen. Laut BKA ist die Zahl der Attacken im zweiten Halbjahr 2010 zurückgegangen. Auch in den ersten Monaten des Jahres 2011 war die Zahl rückläufig.


dagegen den Umgang der Banken mit dem Thema Skimming. Aus Angst, die Kunden zu verunsichern, geben sich die meisten Institute verschlossen. Die Deutsche Bank zum Beispiel wollte einen kostspieligen Austausch von 1200 Geldautomaten im vergangenen Jahr gegenüber der "FTD" nicht kommentieren.


Wie Kunden sich wehren können

Die Täter erweitern zudem ihr Betätigungsfeld. Laut BKA wurden 2010 erstmals auch an Tankautomaten und Fahrkartenautomaten der Bahn Daten abgegriffen. Ein lohnenswertes Geschäft: Mit Daten aus einer einzigen Tanksäule in Nordrhein-Westfalen hätten sie 600.000 Euro Beute gemacht.

Kunden können sich gegen Betrugsversuche allerdings wehren - vor allem durch Achtsamkeit. Vor allem an Bahnhöfen und in Fußgängerzonen sollten sie aufpassen und nach Mini-Kameras oder kleinen Löchern am Geldautomaten suchen. In jedem Fall sei es sinnvoll, bei der PIN-Eingabe mit der anderen Hand die Tastatur abzudecken, empfiehlt Hans-Werner Niklasch, Geschäftsführer der Euro-Kartensysteme.

Mittwoch, 4. Mai 2011

Hollywood? Nein, Weißes Haus

Hollywood? Nein, Weißes Haus


Es sind Innenansichten eines Triumphs: Der Fotograf Pete Souza hat in kraftvollen Bildern dokumentiert, wie Barack Obama und sein Stab die Todeshatz auf Bin Laden verfolgen. Die Inszenierung soll den US-Präsidenten als Macher in Szene setzen - das haben schon seine Vorgänger bestens verstanden.


Wer wirklich hinter die Kulissen im Weißen Haus schauen will, darf nicht Berater sein, schon gar nicht Journalist, nicht einmal unbedingt Politiker. Er muss Fotograf sein.

"White House Photographer", so der offizielle Arbeitstitel, schießen Bilder für die Ewigkeit, nicht für die nächste Ausgabe. Sie sollen eine Präsidentschaft für die Ewigkeit inszenieren, sie arbeiten schließlich für den Präsidenten. Die Bilder von John F. Kennedy im Oval Office, beim Spiel mit seinen kleinen Kindern, vom strahlenden Ronald Reagan während eines Staatsbanketts, vom noch jugendlich wirkenden Bill Clinton im Rosengarten, sie wirken bis heute.


Im Gegenzug erhalten die Kamerakünstler fast unbegrenzten Zugang, sie sind oft noch im Raum, wenn der Präsident in ganz kleinem Kreis spricht. Ihren besten Fotografen vertrauen viele Präsidenten mehr als ihren Leibwächtern. Pete Souza heißt der aktuelle Chef-Fotograf von Barack Obama, er ist gebürtiger Portugiese und hat schon für Reagan gearbeitet. Über ihn ist sogar ein Dokumentarfilm erschienen, "The President's Photographer" heißt er.

Souza war auch dabei, als eine der geheimsten US-Militäraktionen aller Zeiten befohlen wurde, die Tötung Osama Bin Ladens. Das Weiße Haus hat - in perfekter Inszenierung des Sieges - seine Bilder nun online gestellt, eine kleine Auswahl zumindest. Und vor allem ein Bild: Souza hält den Moment fest, als noch nicht geklärt ist, ob der Einsatz der Navy Seals gegen Osama Bin Laden gelingt oder nicht. Als unklar ist, ob der kleine Kreis von Mächtigen im Situation Room des Weißen Hauses gerade den wohl größten Triumph von Obamas Amtszeit erlebt - oder Dutzende amerikanischer Elitesoldaten in den Tod schickt und so vielleicht auch die eigene politische Karriere ruiniert.

Im Nahkampf gegen einen Massenmörder

Als Souza auf den Auslöser drückt, sieht man Barack Obama leicht vornüber gebeugt sitzen, er starrt direkt auf einen Bildschirm, dort wird die dramatische Aktion wohl übertragen. "Wie ein Laser" sei sein Blick gewesen, schreibt die "New York Times" darüber. Vize-Präsident Joe Biden sitzt neben ihm, hemdsärmelig, nichts ist zu sehen von der Flapsigkeit, die ihm manchmal zu eigen ist. Gegenüber von den beiden Männern sind Verteidigungsminister Robert Gates und Außenministerin Hillary Clinton abgebildet, auch sie mit ernsten Gesichtern, Clinton hat ihre Hand vor den Mund gelegt, als könne sie die Spannung gar nicht mehr ertragen. Es ist dieselbe Clinton, die im Wahlkampf einst laut Zweifel anmeldete, ob Obama überhaupt in der Lage sei, eine gefährliche außenpolitische Situation zu handhaben.

Natürlich wollen Obamas Berater diese Bilder veröffentlichen, schließlich sind es nun die Aufnahmen eines Triumphs. Es zeigt, wie dramatisch der Einsatz verlief, wie viel Mumm es brauchte - es war ja keine ferne Drohne, die den Terrorfürsten tötete, es waren Soldaten im Nahkampf gegen einen Massenmörder.

Sie sollen auch belegen, wie involviert der Präsident selbst in der Planung der Aktion war, persönlich soll er neun Treffen im Oval Office dazu geleitet haben - und darauf bestanden haben, dass man die Anlage nicht einfach bombardiert, sondern Bin Laden direkt angreift.

US-amerikanische Präsidenten haben sich immer über Bilder definiert. Ronald Reagans Kommunikationschef plante dessen Tag so geschickt, dass es immer mindestens eine Gelegenheit für einen schönen Schnappschuss gab.

Im Internet-Zeitalter ist dies noch leichter geworden, die Berater im Weißen Haus müssen gar keine Abnehmer mehr finden. Es reicht ja, die Schnappschüsse online zu stellen. Obamas Team hat das schon oft getan, etwa auf der Internetplattform Flickr, auch mit den besten Aufnahmen aus dem triumphalen Wahlkampf. Obamas persönlicher Assistent hat stets wild geknipst, selbst diese Aufnahmen waren irgendwann zu sehen. So steuerten die Helfer geschickt selbst, wie sich ihr Chef ins Gedächtnis der Öffentlichkeit einbrennen sollte.

Lernen aus den Fehlern mit Saddam Hussein

Die Foto-Strategen überlegen aber auch, welche eher privaten Bilder aus dem innersten Kreis zur Veröffentlichung gedacht sind und welche nicht. Als die einstigen Rivalen Obama und Clinton sich nach der Verabschiedung der Gesundheitsreform umarmten, waren die Aufnahmen davon sehr schnell öffentlich zu sehen.

Man kann diese Inszenierung journalistisch fragwürdig finden, schließlich drucken und verbreiten viele Medien so Bilder, die eigentlich im PR-Auftrag entstanden. Mitglieder des White House Press Corps, die ohnehin ihren Bedeutungsverlust im Internet-Zeitalter beklagen, murren zudem, dass sie manchmal bei Obama-Terminen draußen bleiben müssen. Sie können dann nur auf Souzas Bilder hoffen - die den Präsidenten garantiert nicht in schlechtem Licht zeigen.

Dennoch sind dessen gesammelte Aufnahmen auch eine erste Momentaufnahme geschichtlicher Ereignisse, aller Inszenierung zum Trotz. Und, immerhin, ein wenig stolz kann Amerika ja auch sein auf die Aufnahme der entschlossenen Obama-Krieger aus dem Situation Room des Weißen Hauses. Es zeigt eine Supermacht, die entschlossen handeln kann. Es zeigt nicht: den toten Terrorfürsten. Noch nicht jedenfalls.


Als die Regierung von George W. Bush den irakischen Diktator Saddam Hussein aufspürte, kursierten rasch Bilder vom verdreckten Hussein in einem Erdloch. Der große USA-Widersacher sollte noch einmal klein gemacht werden.

Es war ebenfalls ein amerikanischer Triumph über einen furchtbaren Diktator. Doch es wirkte auch ein wenig schäbig. Diesmal sehen wir Amerikas Stärke - ohne Demütigung.

Montag, 2. Mai 2011

Sony entschuldigt sich für Datenklau

Sony entschuldigt sich für Datenklau

Mit einer tiefen Verbeuung entschuldilgte sich die Sony-Führung
Erstmals hat sich Sony nach Bekanntwerden des Datendiebstahls im Playstation-Netzwerk öffentlich geäußert. Der Konzern gelobte Besserung – und lockt mit einem Gratisangebot.

Der japanische Elektronikkonzern Sony hat sich für Sicherheitslücken in dem Datennetzwerk der Spielekonsole PlayStation entschuldigt und Entschädigungsleistungen angeboten. „Wir entschuldigen uns zutiefst für die großen Sorgen und den Ärger, den wir unseren Kunden bereitet haben“, sagte Sony-Vize Kazuo Hirai am Sonntag auf einer Pressekonferenz, bevor er sich zusammen mit Vorstandskollegen tief und lange verbeugte.

Es war die erste öffentliche Äußerung von Sony nachh Bekanntwerden des beispiellosen Datenklaus von 77 Millionen Nutzern. Die Sicherheitslücke hatte nicht nur PlayStation-Spieler weltweit aufgeschreckt, sondern auch Datenschützer auf den Plan gerufen. Sony erklärte, die Sicherheitsmaßnahmen des Computer-Systems seien verbessert worden. Es seien höhere Standards für den Datenschutz und die Verschlüsselung eingeführt worden. Die US-Ermittlungsbehörde FBI sei um Hilfe gebeten worden.

Einige Dienste gehen wieder online


Um eine Kundenflucht zu Konkurrenzprodukten wie der Wii von Nintendo oder der XBox von Microsoft zu vermeiden, bietet Sony nun Kunden an, einige Dienste kostenlos in Anspruch zu nehmen. Sie können beispielsweise einen Monat die Premium-Angebote ohne zusätzliche Kosten nutzen. Nach dem Datenklau, der zwischen dem 17. und 19. April stattgefunden haben soll und erst kürzlich bekannt wurde, sperrte Sony den Online-Service der Playstation. In der neuen Woche sollen laut Sony einige Dienste wieder aufgenommen werden. Auf der Plattform können Interessenten Spiele im Internet kaufen und auch online gegeneinander antreten.

Sony-Kunden, Datenschützer und Politiker hatten vor allem kritisiert, dass der massive Datenklau erst mit Verzögerung veröffentlicht wurde. „Wir haben die Erklärung so früh wie möglich bekanntgegeben, was sich als Tag nach der Lancierung (des Tablets) herausstellte“, sagte Hirai, der Nachfolger von Sony-Chef Howard Stringer werden soll. Wenige Stunden vor der Veröffentlichung hatte Sony als großer Nachzügler der von Apples iPad dominierten Branche seinen neuen Tablet-Computer vorgestellt

Sony kämpft im Geschäft mit Spielekonsolen um wichtige Marktanteile. Der Datendiebstahl, bei dem persönliche Daten wie Namen, Anschriften, Email-Adressen, Geburtsdaten, User-Namen und Passwörter abgegriffen wurden, könnte die Bilanz des Konzerns belasten, der zudem unter den Folgen des Erdbebens und Tsunamis leidet. Hirai betonte, Sony könne noch nicht einschätzen, wie sich der Hacker-Angriff auswirken werde. Die Playstation-Plattform trägt schätzungsweise 500 Millionen Dollar zu den jährlichen Umsätzen bei. Die Sony-Aktie befand sich in der vergangenen Woche auf Talfahrt. Am Donnerstag – vor dem Feiertag am Freitag – verlor sie in Tokio 4,5 Prozent.

Anonymus will mit Angriff nichts zu tun haben
 
Die Netzaktivisten-Gruppe Anonymous, auf die der Verdacht gefallen war, hinter dem Datenklau zu stecken, meldete sich derweil erneut zu Wort. Anonymus fühle sich als Sündenbock missbraucht, teilten Vertreter der Gruppierung FOCUS per E-Mail mit. Ihre Vereinigung stehe für den Schutz privater Daten und habe keinerlei finanzielle Interessen, schreiben sie.

Anonymous hatte noch bis Anfang April Sony-Server mit so genannten DDoS-Attacken traktiert, weil der Konzern den Playstation-Hacker GeoHot verklagt hatte. „Sony hätte spätestens nach unseren Attacken vor einigen Wochen klar sein müssen, dass ihre Netzwerkstruktur nicht sicher ist“, so die Anonymus-Vertreter zu FOCUS.